Kapitel III.1 - Übersicht

  • III.1.1 Orientierungslosigkeit im modernen Sprachgebrauch

        Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001, besonders aber seit der Gewalteskalation im deutschen Einflussbereich Ende 2008, erlebt Deutschland eine öffentliche Diskussion, die sich nicht etwa mit Strategie und Nutzen des Einsatzes der Bundeswehr befasst, sondern mit der Frage, ob jener Einsatz nun als Krieg bezeichnet werden könne oder nicht.[1] Die Bundesregierung wehrt sich vehement gegen die Bezeichnung Krieg;[2] zum einen weil sie möglicherweise die rechtlichen Konsequenzen fürchtet,[3] zum anderen aber wohl vor allem, weil es nicht der konventionellen völkerrechtlichen Definition von Krieg entspricht.[4] Teile der Opposition hingegen vertreten einen diffusen, intuitiven Kriegsbegriff, der als Sammelbegriff für alles gilt, was nicht Frieden ist.   Die historische Entwicklung des Kriegsbegriffes bis hin zum modernen, völkerrechtlichen Staatenkrieg ist in der Literatur hinlänglich Read More
  • III.1.2 Clausewitz‘ Definition des Krieges

      Bei Clausewitz ist der Kriegsbegriff sehr präzise umrissen. Gleich zu Beginn seines Werkes legt er eine Definition des Krieges vor, die er im weiteren Verlauf zwar noch spezifiziert und enger fasst, deren gesteckte Grenze aber nicht überschritten wird. Clausewitz schreibt:   „Wir wollen hier nicht in eine schwerfällige publizistische Definition des Krieges hineinsteigen, sondern uns an das Element desselben halten, an den Zweikampf. Der Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf. Wollen wir uns die Unzahl der einzelnen Zweikämpfe, aus denen er besteht, als Einheit denken, so tun wir besser, uns zwei Ringende vorzustellen. Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen […]   Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner Read More
  • III.1.3 Der absurde, ideale Krieg

    III.2 Erkenntnisinteresse und Perspektive der Theorie     Gleich nach seiner ersten allgemeinen Definition des Krieges entwickelt Clausewitz ein folgenschweres Kriegsmodell. Aus seinem Bildnis des Zweikampfes heraus leitet er drei Wechselwirkungen zum Äußersten ab, die in der Sekundärliteratur unter den Begriffen „idealer“[1], „bloßer“[2], „absoluter“[3] oder „reiner“[4] Krieg zusammengefasst werden. „Die Wechselwirkungen zum Äußersten sind [gewissermaßen] die Chiffre für die Annahme, Clausewitz sei der Theoretiker der Vernichtung und Vorläufer der Konzeption des totalen Krieges.“[5] Die Interpretationen des idealen Krieges sind dabei in ihrem Kern höchst unterschiedlich. Zwar ist sich die Sekundärliteratur weitestgehend darüber einig, dass der reale Krieg sich seinem Ideal zwar annähern, ihn aber nie in Gänze erfüllen kann, doch über die Funktion und den Status des idealen Krieges gibt Read More
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