Es finden sich sicher noch einige Punkte mehr, die gegen die Idee der Definition von Angriff und Verteidigung nach dem Raum-Zeit-Kriterium gerichtet sind. Ich will es dabei belassen und mich vielmehr darauf konzentrieren, wie Angriff und Verteidigung zielführender und trennschärfer voneinander unterschieden werden können. Nach all den bisherigen Überlegungen ist es schwierig, einen festen Stand zu finden und das bestimmende Definitionsmerkmal von Angriff und Verteidigung festzulegen. Ich möchte ein besonders grenzwertiges Beispiel aufgreifen und glaube, mit diesem sehr präzise den zweifellosen Unterschied zwischen den beiden Kriegsformen herausarbeiten zu können.

 

Das Beispiel ist der sogenannte Hinterhalt, tendenziell das Mittel des strategischen Verteidigers,[1] denkbar aber sicherlich auch für den strategischen Angriff, wenn damit die feindlichen Versorgungswege gestört werden sollen. Beim Hinterhalt legt sich eine relativ kleine Anzahl von Kämpfern in versteckte Stellung und wartet auf das Erscheinen einer sich auf dem Marsch befindlichen feindlichen Streitkraft oder eines gegnerischen Transportes. Ist der Gegner in einer für den Hinterhalt günstigen Position, so wird massives Feuer eröffnet. Es wird also der Moment der Überraschung sowie der Vorteil des Geländes ausgenutzt, um dem unvorbereiteten Feind in kürzester Zeit hohe Verluste zuzufügen. Ob nun die im Hinterhalt liegende Streitkraft im Anschluss an ihren Hinterhalt schnellstmöglich ausweicht, um sich einer Reaktion des Feindes zu entziehen oder ob sie danach dem angeschossenen Gegner nachsetzt, um ihn vollständig zu vernichten oder ob sich hieraus ein langes, ausgeglichenes Gefecht ergibt, ist für diese Betrachtung von keiner weiteren Bedeutung, hier interessiert ausschließlich der unmittelbare Hinterhalt und die Frage, ob es sich hierbei um ein offensives oder ein defensives Gefecht handelt.

 

Gehen wir die in Kapitel III.5.2 herausgearbeiteten Merkmale von Angriff und Verteidigung durch, so sind drei der vier Merkmale leicht zugeordnet:

 

  • Die im Hinterhalt liegende Streitkraft ist in Bezug auf das Kräfteverhältnis unterlegen; auch wenn dies nicht zwingend so sein muss, so ist es doch möglich und dies reicht für die Behauptung.

  • In Bezug auf den Raum ist der im Hinterhalt liegende sowohl relativ wie auch absolut stehend. Die in den Hinterhalt geratende Streitkraft bewegt sich hingegen absolut wie relativ auf die feindlichen Stellungen zu.

  • Der im Hinterhalt liegende Akteur wartet also das Erscheinen des Gegners vor seiner Stellung ab.

 

Auf den ersten Blick erscheint der Hinterhalt also als ein defensives Gefecht. Betrachten wir nun aber den Zweck, so werden einige Schwierigkeiten offenbar:

 

Zunächst könnte gesagt werden, dass die im Hinterhalt liegende Streitkraft eine negative Absicht verfolgt, nämlich die Fortbewegung des Gegners zu verhindern. Es könnte argumentiert werden, dass die Bewegung des Feindes eine positive Absicht impliziert, dass also die Vollziehung dieser Bewegung den Gegner in eine vorteilhafte Lage versetzt und aus diesem Grunde die Unterbindung dieser Bewegung die Verhinderung dieser vorteilhaften Lage und somit der Erhalt des Status quo ist.

 

Dieser Ansicht kann mit drei Gegenargumenten widersprochen werden. Erstens ist es nur eine Behauptung, dass der Zweck des Hinterhalts die Unterbindung der Bewegung ist. In den meisten Fällen wird es eher die unmittelbare Vernichtung feindlicher Streitkräfte sein, welche vorrangig mittels des Hinterhalts gesucht wird. Allein, es könnte so sein und deshalb ist das Argument, der Hinterhalt diene einer negativen Absicht, nur in seiner Allgemeingültigkeit, nicht aber in jedem konkreten Fall widerlegt.

 

Zweitens kann nicht jede Bewegung als positive Absicht interpretiert werden. Es muss zugestanden werden, dass die meisten Bewegungen im Krieg eher dem Erhalt als der Vorteilnahme dienen und dies muss insbesondere z.B. bei Versorgungsfahrten so sein, bei denen im Rahmen einer Nichtdurchführung sogar eine Verschlechterung der Lage eintritt. Allein, es kann natürlich so sein, dass die in den Hinterhalt geratene Einheit eine positive Absicht verfolgte und z.B. eine überlegene Stellung beziehen, sich mit einer anderen Streitkraft vereinen wollte oder sich gar auf dem Weg zum Angriff befand. Auch dies ist also nur ein partieller Widerspruch.

 

Drittens handelt es sich aber um eine unzulässige Vermischung der verschiedenen Ebenen. Die Absicht nämlich, den Gegner daran zu hindern, eine entfernte Stellung zu beziehen oder allgemein einen bestimmten vorteilhaften Punkt zu erreichen, ist eine strategische und sie kann – losgelöst vom Beispiel des Hinterhalts – durch ein defensives Gefecht ebenso gut erreicht werden, wie durch ein offensives. Die Strategie kann nämlich a) die eigenen Kräfte zwischen diesem Punkt und dem Gegner positionieren, und also ein Gefecht anbieten, den taktischen Angriff also dem Gegner überlassen oder sie kann b) ein Gefecht suchen, indem sie selbst den Gegner z.B. in der Flanke angreift. Beides würde der strategischen Absicht entsprechen, das gegnerische Erreichen des entfernten Punktes zu verhindern. Bezogen auf das Gefecht, d.h. taktisch, wäre die Absicht im Falle a) jedoch eine negative, im Falle b) aber eine positive. Im Falle a) schafft die Strategie nämlich im Vorfeld des Gefechts solche Bedingungen, in denen der Gegner seine angestrebte Stellung nicht ohne Gefecht erreichen kann; es liegt nun also an ihm, sich für ein Gefecht zu entscheiden und damit den Status quo zu ändern oder eine andere Lösung zu finden. Im Falle b) schafft die Strategie diese Voraussetzung nicht, sondern im Falle des Nichthandelns bzw. des Nichtgefechts wird der Gegner den angestrebten Punkt erreichen.

 

Wenn wir also nach dem Zweck eines Gefechts oder einer Taktik fragen, so müssen wir sehr genau auf die Ebene und den Gegenstand, auf den sich diese bezieht, achten. Die taktische Ebene bezieht sich auf das Gefecht und nicht auf die dem Gefecht vorangegangene Bewegung. Würden wir der in den Hinterhalt geratenden Streitkraft also eine positive Absicht unterstellen wollen, so müsste gesagt werden, dass sie in den Hinterhalt fährt, um dadurch den Status quo zu ihren Gunsten zu verändern. Dies ist offenkundig Unsinn, denn tatsächlich ist es die im Hinterhalt liegende Streitkraft, welche sich durch das Gefecht einen Vorteil erhofft, sei es auch, um den Gegner an der Realisierung seiner ferneren Absicht zu hindern.

 

Dies beinhaltet eine sehr zentrale Aussage über den Status quo. Dieser ist nämlich nicht durch den gegenwärtige Zustand in seiner absoluten Unveränderlichkeit definiert, sondern durch der gegenwärtige Zustand muss als dynamischer Entwicklungsprozess verstanden werden. Eine gegenwärtige Bewegung oder einen Prozess zu stoppen oder umzulenken ist demnach ein positives Motiv, sie bzw. ihn zu erhalten ein negatives. Mit dieser Erkenntnis wird deutlich, dass der Hinterhalt durch eine positive Absicht motiviert ist. Hat oben also noch vieles dafür gesprochen, dass es sich beim Hinterhalt um ein taktisch defensives Mittel handelt, so muss dies nun in Frage gestellt werden. Wir finden also einen Akteur vor, welcher einerseits „das Erscheinen [des Gegners] in [seiner] Stellung, in [seinem] Feuer abwarte[t]“[2], andererseits dabei aber ein absolut positives Motiv verfolgt und demnach den „Vernichtungsakt ins Leben [ruft]“[3].

 

Die entscheidende Frage ist nun, ob Angriff und Verteidigung sich vorrangig durch das unterschiedliche Handlungsmotiv oder durch das Merkmal des Abwartens definieren. Wir hätten die nun zur Lösung des Problems folgende Überlegung voranstellen können, aber der bis hierher dargelegte Gedankenweg hatte seinen eigenständigen Nutzen darin, das Wesen von positivem und negativem Zweck auf den unterschiedlichen Betrachtungsebenen zu verdeutlichen. Der Hinterhalt kann natürlich aus dem ganz einfachen Grund keine Verteidigung sein, weil es ihm an einem Angriff fehlt. Clausewitz stellt jedoch deutlich heraus, dass es zur Verteidigung immer eines Angreifers bedarf, dass also das Abwehren immer auf einen Anfall bezogen sein muss.[4] Es ist also andersherum: Der Hinterhalt ist ein Überfall auf die marschierende Streitkraft und diese ist daraufhin in der Zwangslage, sich verteidigen zu müssen.

 

Auf diesem Wege wurde gezeigt, dass das positive Handlungsmotiv das bestimmende Merkmal für den Angriff ist, denn eine negative Absicht kann logischerweise den Angriffsakt nicht ins Leben rufen. Es stellt sich also allein die Frage, ob sich auch in der Verteidigung ein positiver Zweck finden kann, ob also der Verteidiger wirklich notwendigerweise mit einer negativen Absicht ausgestattet sein muss. Hier lässt sich auf das einfache Prinzip der Polarität zurückgreifen, mit welchem gesagt werden kann, dass der Vorteil des einen auch immer ein Nachteil des anderen ist.[5] Daraus lässt sich ableiten, dass ein positives Handeln des A für den B immer nachteilige Folgen haben muss und sich daher der natürliche Drang für B ergeben muss, jedes positive Handeln des A zu unterbinden, d.h. abzuwehren. Ein positiv offensives Handeln muss also immer zu einem negativ defensivem führen. Dieser Grundsatz kann nur dadurch durchbrochen werden, dass B sich durch eine anersartige Handlung in einen noch größeren Vorteil versetzen will, er also dem A seinen Vorteil zugesteht und sich durch eine noch bedeutendere positiv motivierte eigene Handlung eine viel größere Wirkung verspricht. Diese Situation ist jedoch spieltheoretisch irrational, weil dies für A bedeuten müsste, von seinen positiven Absichten Abstand zu nehmen und stattessen das Handeln des B zu unterbinden; denn jedes Festhalten an den eigenen positiven Absichten würde unter diesen Umständen einen Nachteil für A bedeuten. Allein die „unvollkommene Einsicht des Falls“[6] und die Unfähigkeit des einen, den anderen von seinen Absichten abzuhalten[7], kann dazu führen, dass beide Parteien für eine gewisse Zeit gleichzeitig offensiv agieren. Diese Situation führt aber zu einer Abwesenheit oder einem Stillstand des kriegerischen Aktes, denn dieser wird erst durch den Widerstand, d.h. durch die Verteidigung ausgelöst. Ohne negative Absicht ist also auch kein Verhindern der positiven dernkbar und unter diesen Umständen wäre der Krieg kein „Stoß zweier lebendiger Kräfte gegeneinander“[8], sondern ein gegenseitiges Schlagen ohne Abwehren.

 

Um den konkreten Fall des Hinterhalts vor dessen Abschluss noch einmal vollkommen zu erfassen, kann er mit drei Phasen umschrieben werden:

 

  1. Phase 1 ist der Angriff ohne Verteidiger. Die in den Hinterhalt geratende Einheit kann sich im Augenblick des Feuerüberfalls nicht wehren, da sie durch das Überraschungsmoment überwältigt wird. Da der Krieg „nicht das Wirken einer lebendigen Kraft auf eine tote Masse“[9] ist, ist dies kein kriegerischer Akt im engeren Sinne und also noch kein Gefecht, das der Angegriffene sich nicht verteidigt und also zumindest in der Momentaufnahme keine Streitkraft darstellt.

  2. Phase 2 ist der Angriff gegen einen Verteidiger. Dies ist der eigentliche Beginn des Gefechts.[10] Sobald die in den Hinterhalt geratene Einheit den Überraschungsmoment überwunden hat, wird sie zunächst versuchen den Angriff abzuwehren, d.h. sich zu verteidigen. Sie kann dies a) mit Feuerkraft aus der Stellung (partielle Verteidigung) oder b) mit kleineren Gegenstößen (partieller Angriff) erwirken. Beides bleibt dem Charakter nach noch ein defensives Gefecht. Sollte die Kraft des Angegriffenen zu keiner der beiden Optionen hinreichen, so muss dieser ausweichen oder wird vernichtet.

  3. Phase 3 ist die Verteidigung gegen den Gegenangriff. Sobald der im Hinterhalt liegende Akteur von seinem Angriff ablässt, entweder a) weil seine Kräfte abgenutzt und also die Verteidigung einen bedeutenden Vorteil errungen hat oder b) weil er seinen Zweck als erfüllt betrachtet, hat die in den Hinterhalt geratene Einheit den feindlichen Angriff überwunden. Jetzt kann sie sich entscheiden, ob es für sie vorteilhafter ist, den Kampf fortzusetzen, also einen unmittelbaren Gegenangriff durchzuführen oder den Kampf zu beenden, also selbst auszuweichen oder die derzeitige Stellung zu erhalten.[11] Hier kann also ein Wechsel zwischen den Vorzeichen der Motive stattfinden und somit verändert das Gefecht an dieser Stelle seinen grundlegenden Charakter. Das dieser Wechsel fließend ist und also im konkreten Fall nicht exakt bestimmt werden kann, versteht sich von selbst.

 

Schlussendlich kann aus den bisher vorgetragenen Gedanken gefolgert werden, dass es ganz allgemein das positive oder negative Motiv der kriegerischen Handlung ist, welche zwischen Angriff und Verteidigung entscheidet. So bezeichnet Clausewitz im zweiten Kapitel des ersten Buches die Unterscheidung zwischen positivem und negativem Motiv als den Ursprung von Angriff und Verteidigung.[12]

 

Von diesem Grundgedanken aus lassen sich demnach alle anderen Merkmale entwickeln, nämlich dass

 

  • der Angreifer handeln, d.h. den kriegerischen Akt (Krieg/Feldzug/Gefecht/unmittelbarer Kampf) eröffnen muss, der Verteidiger diesen Akt zunächst nur abwehren braucht,[13]

  • der Verteidiger den Angriff also abwarten kann,[14] dies jedoch seine vorhergehende Kenntnis desselben voraussetzt,

  • der Angreifer sich in der Regel auf den Verteidiger zu bewegen muss,[15] dies aber ggf. durch ein Abwarten des Angriffs in der Bewegungslinie des Verteidigers umgangen werden kann sowie

  • in der Regel nur der Stärkere hoffen darf, seine positive Absicht zu realisieren, der Schwächere sich mit dem Erhalt begnügen muss.[16]

 

Mit diesen Überlegungen wurde der Angriffs-Verteidigungs-Komplex bei weitem noch nicht erschlossen. Insbesondere habe ich noch keinen Bezug auf die vermeintliche Überlegenheit bzw. das dialektische Verhältnis zwischen Angriff und Verteidigung genommen. Dies wird erst nach und nach geschehen, wenn im weiteren Verlauf dieser Arbeit die unterschiedlichen Dimensionen des Krieges näher beleuchtet werden. Die bedeutende Erkenntnis ist hier, dass derjenige, mit dem positiven Handlungsmotiv als Angreifer, derjenige mit dem negativen als Verteidiger betrachtet und dass der dies definierende Status quo ante immer auf den Gegenstand der Betrachtungsebene bezogen werden muss. Ferner werden wir sämtliche räumliche Bezüge nur solange als Merkmal zulassen, wie sie auch eine tatsächliche Auswirkung auf das Handeln bzw. auf die Theorie zeigen. Sicherlich hätten diese Gedanken auch verkürzt dargestellt werden können, es kam mir aber darauf an, diesen Komplex in aller Klarheit darzulegen und zu definieren, weil doch die bisherige Sekundärliteratur reichlich vage in diesen Punkten bleibt.

 weiter zu IV. Politische Dimension: Umfang der Kräfte

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Kapitel III.5 - Übersicht

  • III.5.1 Erste Überlegungen

       Zunächst einige allgemeine Überlegungen zu den Begriffen von Angriff und Verteidigung. Bei der Betrachtung dieses Themenkomplexes stehen wir Leser vor der großen Problematik, dass beide Begriffe hauptsächlich nur im sechsten und siebten Buch des Hauptwerkes entwickelt werden. In einer seiner letzten[1] Aufzeichnungen schreibt Clausewitz jedoch:   „Das meiste hat mich noch nicht befriedigt, und das sechste Buch ist als ein bloßer Versuch zu betrachten; ich würde es ganz umgearbeitet und den Ausweg anders gesucht haben. [...] Das siebente Buch sollte den Angriff enthalten, wovon die Gegenstände flüchtig hingeworfen sind;“[2]   Da Clausewitz aber im gleichen Schriftstück seine Ansicht wiederholt, „daß die Verteidigung die stärkere Form mit dem negativen Zweck, der Angriff die schwächere mit dem positiven Zweck“[3] sei, und darüber Read More
  • III.5.2 Definitionsmerkmale und Totalbegriff nach Raum-Zeit-Kriterium

       Oben war es hauptsächlich die Bewegung, die den Angreifer vom Verteidiger unterschied, aber muss sich der Angreifer überhaupt bewegen oder kann er auch z.B. dem Verteidiger auflauern? Darüber ist bisher wenig Klarheit entstanden und dies ist durchaus beabsichtigt. Zwar waren die einzelnen dargelegten Punkte schlüssig und nachvollziehbar, doch hat sich aus alledem kein klares Verständnis von Angriff und Verteidigung herausgebildet. Beide Begriffe sind nach wie vor nicht hinreichend formal definiert und verbleiben in einer nebulösen Bedeutung. Ohne aber die Merkmale der beiden Kriegsformen konkret bezeichnen zu können, lassen sich auch die Konsequenzen dieser Einteilung in keiner Weise richtig bemessen. Somit muss zunächst das Clausewitz’sche Werk nach Merkmalen der jeweiligen Kriegsart durchsucht werden. Dabei finden sich folgende Punkte:   Der Read More
  • III.5.3 Kritik an Totalbegriff nach Raum-Zeit-Kriterium

      Die Strategie befasst sich mit dem Gebrauch der Gefechte zum Zweck des Krieges.[1] Der Feldzug wird also begonnen, weil die Strategie ein oder mehrere Gefechte – seien sie offensiv oder defensiv – in dem entsprechenden Kriegstheater zum Zwecke des Krieges bestimmt hat. Sofern das erste Gefecht nicht unmittelbar am Rande des Kriegstheaters stattfindet, muss zwischen dem Beginn des Feldzuges, d.i. das Betreten des feindlichen Kriegstheaters, und dem Beginn des Gefechts, d.i. das Erscheinen vor der feindlichen Stellung, folgerichtig ein zeitlicher und räumlicher Spielraum gedacht werden. Dieses Fenster von Zeit und Raum kann durch den Verteidiger genutzt werden, um seinerseits aktiv zu werden und eben nicht die Maßnahmen des Angreifers abzuwarten. Es ist daher die räumliche und zeitliche Differenzierung zwischen Feldzug und Read More
  • III.5.4 Positiver und negativer Zweck als bestimmendes Merkmal

     Es finden sich sicher noch einige Punkte mehr, die gegen die Idee der Definition von Angriff und Verteidigung nach dem Raum-Zeit-Kriterium gerichtet sind. Ich will es dabei belassen und mich vielmehr darauf konzentrieren, wie Angriff und Verteidigung zielführender und trennschärfer voneinander unterschieden werden können. Nach all den bisherigen Überlegungen ist es schwierig, einen festen Stand zu finden und das bestimmende Definitionsmerkmal von Angriff und Verteidigung festzulegen. Ich möchte ein besonders grenzwertiges Beispiel aufgreifen und glaube, mit diesem sehr präzise den zweifellosen Unterschied zwischen den beiden Kriegsformen herausarbeiten zu können.   Das Beispiel ist der sogenannte Hinterhalt, tendenziell das Mittel des strategischen Verteidigers,[1] denkbar aber sicherlich auch für den strategischen Angriff, wenn damit die feindlichen Versorgungswege gestört werden sollen. Beim Hinterhalt Read More
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