Kommen wir aber zunächst auf die positiven und negativen politischen Zwecke von Kriegen zu sprechen. Es wurde bereits gesagt, dass diese Zwecke so vielfältig sein können, dass deren Auflistung und Kategorisierung ganz und gar unmöglich ist. Prinzipiell ist jedes denkbare Interesse eines politischen Gemeinwesens als Anlass zu einem Krieg geeignet.[1] Allein, es muss zu diesem Interesse eine von einem anderen politischen Gemeinwesen ausgehende, negative Absicht bestehen, welche der Realisierung dieses Interesses auch mittels Krieg entgegentritt. Einfach ausgedrückt heißt dies: A will X. V will, dass A X nicht bekommt. Um aber das Verständnis für die Verschiedenartigkeit der Zwecke sowie für die Problematik der Unterscheidung zwischen positiver und negativer Absicht zu schärfen, möchte ich einige theoretische Beispiele anfügen.

 

Ein sehr einfaches Modell ist der Krieg zum Zwecke der Eroberung von Land. In der völkerrechtlich geregelten Staatenwelt ist den politischen Gemeinwesen das Land eineindeutig zugeordnet. Wenn nun also A solche Gebiete besitzen will, welche gegenwärtig V zugeordnet sind, so hat A ein positives Motiv, strebt also eine Veränderung des Status quo an, V hingegen hat ein negatives Motiv, da er den Status quo in Form des ihm zugehörigen Landes schlicht beibehalten will. A ist also der Angreifer, V der Verteidiger.

 

Problematischer wird der Fall, wenn wir uns vorstellen, dass ein V zugehörige Landstrich allein durch eine A zugehörige Bevölkerung (A-Länder) bewohnt wird. Da dies noch zu eindeutig erscheint, erweitern wir das Modell ferner um die Annahme, dass Vs Streitkräfte gegenwärtig einen gewaltsamen Übergriff auf die A-Länder durchführen und das A mit dem Krieg allein den Zweck verfolgt, diesen gegenwärtigen Übergriff auf die A-Länder zu verhindern und also deren körperliche Unversehrtheit zu schützen. Der politische Zweck des A ist also, das Leben der A-Länder zu erhalten, d.h. den V zur Aufgabe seines Willens, die A-Länder zu misshandeln, zu zwingen. Das Motiv des V ist es hingegen, den A von seinem Willen, die A-Länder zu schützen, abzuhalten und diese weiterhin zu misshandeln. Um an dieser Stelle nicht von dem kriegstheoretisch rechten Weg abzukommen und den A vorschnell als Verteidiger anzuerkennen, muss gesagt werden: Das Leben der A-Länder zu schützen ist im gegenwärtigen Zustand außerhalb des Machtbereichs des A. Der Zweck des Krieges ist für A also etwas, was in der Ausgangssituation außerhalb dessen Einflusses  liegt. Die Absicht für A ist also positiv, weil er den gegenwärtigen Zustand so verändern will, dass es in seiner Macht liegt, die A-Länder zu schützen. A will also etwas erreichen, was im Status quo ante noch nicht realisiert ist; V hingegen will seinen gegenwärtigen Machtbereich, in welchem die Misshandlung der A-Länder offensichtlich liegt, erhalten. Wir sehen so, dass A mit dem Krieg einen positiven, V einen negativen Zweck verfolgt. A bleibt also der Angreifer, V der Verteidiger.

 

Ich habe damit den durchaus umstrittenen Begriff Macht aufgegriffen. Ohne in Verstrickungen mit den verschiedenen Bedeutungen und Entwicklungen dieses Begriffs zu geraten, kann gewiss gesagt werden, dass der Krieg immer einen Eingriff in das Machtgefüge der politischen Gemeinwesen untereinander darstellt. Der sicherste Weg, den positiven von dem negativen Zweck zu unterscheiden, ist es daher zu fragen, ob der Zweck des Krieges eine Erweiterung des Machtbereichs beinhaltet/erfordert oder ob es sich schlicht um den Erhalt des gegenwärtigen Machtgefüges handelt. Damit müssen wir Clausewitz aber unverzüglich davor bewahren, ins falsche Licht gerückt zu werden. Gelegentlich wird ihm ein Politikverständnis unterstellt, welches sich allein an Machtinteressen orientiert[2]. Einem solchen könnte durch die hier vertretene Position Vorschub geleistet werden. Ich habe dazu bereits Stellung bezogen,[3] muss dies hier aber erneuern: Der Begriff der an der Macht orientierten Politik impliziert, dass diese Macht um ihrer selbst willen angestrebt wird. Dieser Gedanken kann Clausewitz jedoch in keiner Weise unterstellt werden; sicherlich ist es nicht ausgeschlossen, dass die Politik im Einzelfall ein solches Machtinteresse verfolgt, jedoch muss dies weder generell noch vorzugsweise der Fall sein. Nichtsdestotrotz ist der Krieg ein Zwangsmittel und als solcher auch ein Machtmittel. Aber diese Macht wird nicht zwangsläufig um ihrer selbst willen gesucht, sondern aufgrund eines bestimmten Interesses. Die Fähigkeit zur Durchsetzung eines Interesses aber – und nichts anderes will der Krieg – ist freilich bestimmt durch den Machtbereich des Interessenten.

 

Als letztes hypothetisches Beispiel sei noch der Bürgerkrieg genannt. Wenn innerhalb eines politischen Gemeinwesens, z.B. eines Staates, eine kleine Provinz die Unabhängigkeit einfordert und dies mit kriegerischen Ausschreitungen verbunden ist, so kann leicht der Eindruck entstehen, dass die staatlichen Streitkräfte hier mit einem negativen Motiv eingreifen, nämlich dem Erhalt der Souveränität. Schließlich, so könnte argumentiert werden, sind es die Separatisten, welche die Unabhängigkeit erreichen wollen. Eine solche Sichtweise setzt jedoch die fragwürdige Annahme voraus, dass die kriegsführenden Separatisten zum Zeitpunkt des Krieges noch nicht unabhängig sind; die Tatsache ihres Kriegsführens ist jedoch der lebendige Gegenbeweis dazu. Es scheint daher die näherliegende Sichtweise zu sein, dass der Unabhängigkeitsprozess ein dynamischer Zustand ist, der ohne Krieg zwangsweise zur Unabhängigkeit führt, dass aber der Staat mithilfe des Krieges versucht, diesen Prozess aufzuhalten. Der Staat hat somit das positive Motiv, in das dynamische, sich ohne Krieg verändernde Machtgefüge einzugreifen, nämlich den Unabhängigkeitsprozess umzukehren, wohingegen die Separatisten den eingeschlagenen Weg nur ungehindert fortsetzen wollen. Dies ist natürlich nur ein fiktives Beispiel und es muss zugestanden werden, dass ein separatistisch motivierter Bürgerkrieg verschiedenste Vorzeichen haben kann und auch ganz andere Verhältnisse denkbar sind. So kann natürlich eine in einem sehr stabilen Zustand befindliche, autonome Provinz plötzlich eine positive Absicht verfolgen, nämlich zusätzlich die formale Unabhängigkeit zu erhalten, d.h. vom Staat einzufordern. Ferner kann freilich eine sehr kleine Gruppe die Autonomie und Führerschaft für eine Provinz einfordern, in welcher sie selbst nur eine Minderheit ist. In diesen Fällen ist es sicherlich das politische Gemeinwesen mit den separatistischen Bestrebungen, welche den positiven Zweck verfolgt. Hier ging es aber darum zu zeigen, dass der Begriff des Status quo ante sich nicht auf einen Zustand beziehen darf, der faktisch gar nicht vorhanden ist, der nur in einer fiktiven Vorstellung besteht, sondern dass er sich auf die realen sich verändernden Prozesse beziehen muss.

 

Zum Verständnis des positiven und negativen Zwecks fehlt noch ein wesentlicher Punkt. Dem kriegerischen Zweck wurde bisher eine gewisse Polarität unterstellt, d.h. der positive Zweck des Angreifers spiegelte sich im negativen Zweck des Verteidigers wieder. Nun ist es aber zunächst so, dass „drei Vierteile derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, [...] im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewißheit“[4] liegt. Es stellt sich also die Frage, ob der Verteidiger und auch der Historiker, der sich im Nachgang mit einem Krieg befasst, die Absichten des Angreifers überhaupt bestimmen kann. Zudem wurde oben gesagt, dass das politische Motiv des Krieges immer nur ein Motiv von dreien ist, welches das politische Gemeinwesen antreibt. Zwar besteht bei Clausewitz die normative Forderung, dass der Akteur weiß, was er mit dem Krieg erreichen will,[5] gleichwohl besteht aber auch die objektiv nicht ausgeschlossene Möglichkeit, dass er es eben nicht weiß.[6] Wie ist es also um den positiven und negativen Zweck bestellt, wenn selbst der Angreifer sich seiner Absicht nicht recht bewusst ist?

 

Freilich ist es von außerordentlicher Schwierigkeit, die Absichten eines politischen Gemeinwesens zu durchdringen. Insbesondere, weil das politische Gemeinwesen nicht an und für sich lebendig existent ist, wird es im wirklichen Leben kaum möglich sein, diesem sozialen Konstrukt eine präzise Absicht zu unterstellen. In einer Monarchie mag es unter Umständen noch möglich sein zu sagen, dass A den V angreift, um genau dies oder jenes zu erreichen. In einer Republik bleiben aber die Intentionen und Absichten, die sich aus einem systemischen, intransparenten Zusammenwirken vieler Interessen und Meinungen ergeben, in der Regel im Verborgenen und es bleibt immer mehr ein Rätseln und Vermuten als ein Wissen. Zudem ist es selten ein einzelner politischer Zweck, der einen Krieg motiviert, sondern es können durchaus mehrere Dinge und Faktoren zusammenkommen, die schließlich insgesamt eine Motivationslage darstellen.[7] Dies alles ist für die Kriegstheorie allerdings nicht weiter problematisch, denn Wesen und Inhalt des politischen Zwecks „an und für sich“[8] spielen nur eine untergeordnete Rolle und es ist vielmehr die Wirkung dieses Zwecks, d.h. die subjektive Gewichtung desselben, von viel entscheidenderer Bedeutung.

 

Aber unabhängig von den historischen Schwierigkeiten, die konkreten Motive eines politischen Gemeinwesens ex post zu erörtern, kann auch das handelnde politische Gemeinwesen sich seiner eigenen Absichten ex ante nicht bewusst sein.[9] Aber auch wenn das politische Gemeinwesen selbst sich seiner Motive nicht bewusst ist, so ist daraus nicht zu folgern, dass diese nicht existieren. Es wird in diesem Falle vielmehr ein instinktives Handeln an die Stelle des vernünftigen treten und aus diesem Grunde mag die Strategie weniger auf den politischen Zweck und mehr auf die Leidenschaft ausgerichtet und in dem Clausewitz’schen Sinne ineffizient sein, doch an den Grundprinzipien der politischen Ebene sowie an der unterbewussten Existenz der politischen Motive ändert sich nichts. Es bleibt also dabei, dass – bewusst oder unbewusst – ein positives oder negatives politisches Motiv die kriegerischen Anstrengungen anregt und dass sich demnach der Angriff von der Verteidigung unterscheiden lässt.[10] 

 

Schließlich bleibt das Problem der angenommenen Polarität. In der Tat ist dies etwas, was Clausewitz überhaupt nicht problematisiert. Offensichtlich ist es in keiner Weise selbstverständlich, dass der Verteidiger weiß, was der Angreifer will. Vor diesem Hintergrund kann auch nicht angenommen werden, dass der Verteidiger genau dass erhalten will, was der Angreifer ihm streitig machen möchte. Dies wäre aber auch gegen die Vernunft, denn natürlich wird der Verteidiger vorrangig das schützen und bewahren, a) was er bedroht sieht und b) was ihm wichtig ist und sich dabei nicht nach den Vorlieben des Angreifers richten. Die Absicht der beiden Gegner sind also in keiner Weise die gleichen unter verschiedenen Vorzeichen, sondern sie können durchaus untereinander divergieren. So ist ein oftmals nicht unwesentliches Motiv des Verteidigers der Erhalt seiner Freiheit und seiner Selbstbestimmung – ein Gut, welches für den Angreifer oftmals vollkommen unbedeutend ist, welches er dem Verteidiger vielleicht sogar gerne belassen würde.

 

Es ist also festzuhalten, dass die positive Absicht des Angreifers ganz verschieden sein kann von der negativen Absicht des Verteidigers. Es kann also eine gewissen Form der Zweckasymmetrie entstehen, in welcher nämlich a) der Verteidiger viel mehr verteidigt, als der Angreifer ihm abringen will, in welcher es der Angreifer also außerordentlich und unverhältnismäßig schwer hat, den Sieg zu erringen oder b) der Verteidiger die Absichten des Angreifers vollkommen unterschätzt und es infolge dessen dem Angreifer unverhältnismäßig leicht fällt, den Sieg zu erringen. 

 

Es bleibt ein letzter Punkt, der an dieser Stelle gemacht werden muss. Hätte der Angreifer nur positive Absichten und der Verteidiger nur negative, so wäre es allein der Angreifer, von welchem der Krieg ausginge und der Verteidiger müsste zu jedem Zeitpunkt zum Frieden bereit sein. Nun geht mit der Dauer des Angriffs auch regelmäßig ein mehr oder weniger großes Maß an Zugewinn einher. Der Verteidiger wird also mit der Dauer des Krieges immer etwas von dem verlieren, was er eigentlich zu erhalten sucht. Wenn er nun aber die Absicht hegt, dieses Verlorene zurückzugewinnen, so ist dies im engeren Sinne schon kein Erhalten und somit auch keine negative Absicht mehr, sondern bereits eine positive. Diese begrenzte positive Absicht des Wiedergewinnens muss dem Verteidiger jedoch im Mindesten unterstellt werden, damit überhaupt der Begriff des Krieges angewendet werden kann, denn ansonsten würde es sich um einen „reinen Widerstand“[11], ein „bloßes Abwehren, ein bloßes Vorhalten des Schildes“[12] und somit ein „bloßes Leiden“[13] handeln, welches kein Kriegführen wäre. Dass der Verteidiger darüber hinaus auch schon ex ante planen kann, zu einem späteren Zeitpunkt Gewinne zu machen, die weit über den Status quo ante hinaus gehen, ist hiervon vollkommen unberührt und ebenso selbstverständlich. Es folgt hieraus, dass der Verteidiger natürlich prinzipiell auch positive Absichten hat, nur dass diese sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in die Tat umsetzen lassen,[14] sondern dass er auf eine spätere Gelegenheit warten muss, zu welcher er die Schläge dem Angreifer zurückgeben kann. Dies lässt sich wiederum mit dem Polaritätsprinzip erklären, denn sofern der Angreifer den Krieg jetzt will, kann der Verteidiger ihn nur später oder freilich nie wollen, alles andere müsste als Irrtum betrachtet werden. Dies führt zu der Frage, wo der Wendepunkt zwischen Angriff- und Verteidigungskrieg verortet werden kann, dem wir uns im folgenden Kapitel widmen werden. Hier sollte lediglich verdeutlicht werden, dass selbstverständlich auch der Verteidiger positive und der Angreifer negative Absichten haben.

 weiter zu IV.6.2 Wendepunkt zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg

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Kapitel IV.6 - Übersicht

  • IV.6.1 Positive und negative Zwecke, Zweckasymmetrie

       Kommen wir aber zunächst auf die positiven und negativen politischen Zwecke von Kriegen zu sprechen. Es wurde bereits gesagt, dass diese Zwecke so vielfältig sein können, dass deren Auflistung und Kategorisierung ganz und gar unmöglich ist. Prinzipiell ist jedes denkbare Interesse eines politischen Gemeinwesens als Anlass zu einem Krieg geeignet.[1] Allein, es muss zu diesem Interesse eine von einem anderen politischen Gemeinwesen ausgehende, negative Absicht bestehen, welche der Realisierung dieses Interesses auch mittels Krieg entgegentritt. Einfach ausgedrückt heißt dies: A will X. V will, dass A X nicht bekommt. Um aber das Verständnis für die Verschiedenartigkeit der Zwecke sowie für die Problematik der Unterscheidung zwischen positiver und negativer Absicht zu schärfen, möchte ich einige theoretische Beispiele anfügen.   Ein Read More
  • IV.6.2 Wendepunkt zwischen Angriffs- und Verteidigungskrieg

       Im Kapitel III.5 wurde festgestellt, dass der Totalbegriff von Angriff und Verteidigung nicht als absoluter, den ganzen Krieg überdauernder Begriff zu verstehen ist, sondern dass dieser nur dahingehend interpretiert werden kann, dass der Totalbegriff des Angriffs untergeordnete Verteidigungshandlungen und -bestrebungen in sich einschließt und vice versa. In diesem Zusammenhang ist ebenso davon auszugehen, dass ein Angriffskrieg nicht bis zum Friedensschluss ein solcher bleiben muss, sondern dass es einen Wendepunkt darin geben kann, in welchem der Angriffskrieg zu einem Verteidigungskrieg umschlägt. Nun bleibt allerdings die Frage, wo genau dieser Wendepunkt zu verorten ist.   Ein unmittelbarer Rückschluss auf die Clausewitz’sche Aussage, dass der Verteidigungskrieg dadurch definiert sei, dass er den Angriff des Landes abwartet,[1] führt zu der Annahme, dass der Read More
  • IV.6.3 Verteidigung oder Angriff als der Ausgangspunkt des Krieges?

       Clausewitz wird oftmals unterstellt, er würde den Standpunkt vertreten, dass der Krieg vom Verteidiger ausgehe.[1] Diese Ansicht basiert im Schwerpunkt auf zwei oft zitierten Passagen, ebenfalls aus dem sechsten Buch des Werkes. Beiden Zitaten wird in der Sekundärliteratur derselbe Aussagewert beigemessen, nämlich einerseits von Schössler, dass „der Krieg mehr für den Verteidiger ist“[2] bzw. andererseits von Aron, „daß man die Verteidigung, nicht den Angriff, als Ausgangspunkt des Krieges betrachten muß“[3]. Beide Interpretationen sind fraglich. Zum einen vermitteln die zwei Clausewitz’schen Zitate ganz unterschiedliche Aussagen, die lediglich eine entfernte Verwandtschaft zueinander aufweisen. Zum anderen entsteht durch die Vermischung der beiden Zitate eine gewisse Sinnverzerrung und zum dritten stellen die beiden von Aron und Schössler herausgegriffenen Exegesen Vereinfachungen dar, die so Read More
  • IV.6.4 Stärken und Schwächen der beiden Kriegsformen

       Mit den bisherigen Ausführungen wurde der Angriffs- und Verteidigungskomplex schon sehr ausführlich von verschiedenen Seiten betrachtet. Es gilt nun, die Aussage „die Verteidigung [sei] die stärkere Form mit dem negativen Zweck, der Angriff die schwächere mit dem positiven Zweck“[1] auf politischer Ebene kritisch prüfen. Aus dem bisher Gesagten ergeben sich schon einige Vor- und Nachteile zwischen Angriff und Verteidigung. Die Vorteile des Verteidigungskrieges sind demnach, dass   der Verteidiger, da er in seiner Souveränität verletzt wird und zudem der Verlust des Bekannten schmerzlicher ist als der Verzicht auf Neues, tendenziell das größere politische Motiv hat als der Angreifer, er also relativ zum absoluten Kräfteverhältnis mehr Anstrengungen zum Zwecke des Krieges unternehmen kann, sofern sonst alle Umstände gleich sind.[2] der Read More
  • IV.6.5 Die Bedeutung von Leidenschaft und freier Seelentätigkeit

       Angriff und Verteidigung wurden bisher allein nach dem Kriterium des positiven bzw. negativen Zwecks, der das Handeln im Krieg motiviert, bestimmt. Im Kapitel IV.4 habe ich allerdings festgestellt, dass der politische Zweck nicht der alleinige Antrieb ist, der die Anstrengungen im Krieg rechtfertigt bzw. ermöglicht. Es sind vielmehr auch der kollektive Hass auf die gegnerische Gemeinschaft und der unbedingte Wille zum Sieg, welche an die Seite des politischen Zwecks treten und jeder für sich zusätzliche Kräfte generiert, die dem politischen Gemeinwesen zum Zwecke des Krieges zur Verfügung stehen.[1] Nun ist allgemein bekannt, dass der Gedanke der wunderlichen Dreifaltigkeit erst sehr spät in das Werk eingefügt wurde, während die beiden den Angriff und die Verteidigung abhandelnden Bücher eines vergleichsweise frühen Read More
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