Im vorangegangenen Kapitel wurde das Gefecht als einzig wirksames Mittel in der Strategie betrachtet. Es wurde hierbei eine erste Vorstellung vom Ablauf und den möglichen Wirkungen eines Gefechtes erzeugt. Die Führung des Gefechts obliegt dabei der Taktik, welche die eigenen Streitkräfte mit dem Ziel gebraucht, feindliche Streitkräfte zu vernichten, um somit den durch das strategische Ziel vorgegebenen Zweck zu erfüllen. Die Wirkprozesse innerhalb des Gefechts werden im VI. Kapitel noch näher betrachtet, hier reichte es aus, die unterschiedlichen Wirksamkeiten, welche die Strategie dem Gefecht abfordern kann, aufgestellt zu haben.

 

Wenn der Krieg nun aus einem einzelnen Gefecht bestünde, dessen Ausgang über Sieg oder Niederlage des ganzen Krieges entscheidet, so wäre die Strategie kaum von Bedeutung, denn der Ausgang dieses Gefechts würde als einzige Wirksamkeit über Sieg und Niederlage entscheiden.[1] Die Strategie bräuchte also nur alle verfügbaren Kräfte auf dieses Gefecht zu konzentrieren sowie Ort und Zeit desselben günstig zu bemessen. So ist es jedoch nicht, sondern es gibt viele, nimmt man die möglichen hinzu, dann wohl unzählige Gefechte in einem Krieg und jedes davon muss von der Strategie geplant, vorbereitet und bestimmt werden.

 

Die Strategie gibt also jedem dieser Gefechte ein Ziel, welches es zu erreichen gibt, d.h. sie gibt der Taktik einen Zweck für das einzelne Gefecht und damit sich selbst Teilziele. Diese einzelnen Teilziele werden jedoch wiederum nicht um ihrer selbst willen verfolgt, sondern sie erlangen ihre Bedeutung durch die Kombination verschiedener Teilziele und Teilerfolge, welche im Ergebnis zum strategischen Gesamterfolg führen sollen. Der Sieg im Einzelgefecht wird also wieder zum Mittel, um ein höheres Ziel zu erreichen und dies setzt sich in einer Kette fort, bis der strategische Gesamterfolg und somit das Ziel des Krieges erreicht und der Gegner zum Frieden zu den entsprechenden Konditionen bereit ist.[2]

 

Die Aufgabe der Strategie beschränkt sich jedoch mitnichten darauf, der Taktik Zwecke vorzusetzen, so dass daraus folgen würde, dass der Sieg im Krieg nur durch die mehr oder weniger große Fähigkeit einer Partei erwirkt würde, die taktischen Zwecke zu erfüllen. Die Strategie nimmt vielmehr selbst ganz wesentlichen Einfluss auf den Ausgang der Gefechte, indem sie neben dem Zweck auch alle anderen Rahmenbedingungen derselben bestimmt. Diese Rahmenbedingungen sind Kräfte, Raum und Zeit.[3] Im Folgenden sollen diese drei Bestimmungsmöglichkeiten der Strategie näher beleuchtet sowie schließlich mit der entsprechenden Zielsetzung in Zusammenhang gebracht werden. Damit erschließen wir in diesem Kapitel zunächst das Handlungsfeld der Strategie, um in einem Folgeschritt die größeren Zusammenhänge erfassen zu können.

 

 weiter zu V.3.1 Kräfte

 



[1]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 422.

[2]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 224 ff.

[3]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 373.

 

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