Der Strategie stehen für den gesamten Feldzug nur begrenzt viele Streitkräfte zur Verfügung. Die Größe dieser Kräfte ist grundsätzlich von der politischen Ebene aus bestimmt und somit für die Strategie als „ein Gegebenes“[1] zu betrachten.[2] Gleichwohl muss die Strategie die ihr zur Verfügung stehenden Kräfte disponieren, d.h. sie muss die Größe der für ein einzelnes Gefecht bestimmten Streitkräfte bestimmen.

 

Die Größe einer Streitkraft ist zunächst definiert durch die Anzahl der sich in ihr befindlichen Individuen. Dies ist freilich eine starke Vereinfachung, da sowohl die Fähigkeiten des einzelnen Individuums in Hinblick auf Ausrüstung, Übung, Erfahrung, Bewaffnung etc., als auch das Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl der Individuen untereinander die Stärke einer Streitkraft erheblich beeinflusst. Darüber hinaus müssen die Fähigkeiten des taktischen Führers sowie die moralischen Kräfte der Streitkräfte, z.B. Mut, Zuversicht, Ehrgeiz und Tugend des Heeres, eine gewichtige Rolle spielen. Doch all dies kann von der Strategie im konkreten Fall nur sehr begrenzt beeinflusst werden, denn zum einen sind die einzelnen Fähigkeiten und moralischen Größen unveränderlich mit dem jeweiligen Individuum verknüpft und zum anderen können diese Fähigkeiten auch nicht unmittelbar – quasi per Befehl – verändert werden. Übrig bleibt somit allein die Anzahl der Kämpfenden, die für ein Gefecht bestimmt werden.

 

Die Strategie bestimmt also die Größe der Streitkräfte für das einzelne Gefecht, indem sie die Anzahl der Individuen bestimmt, die darin kämpfen sollen. Dass darüber hinaus die Strategie etwa gewachsene Strukturen und Ordnungsgrößen berücksichtigen muss, dass sie also z.B. keine zusammengehörigen Verbände trennen sollte, ist einzelfallabhängig und soll nicht weiter beachtet werden. Auch dass sie ein Waffenverhältnis[3] festlegen muss, d.h. einen Proporz von verschieden ausgerüsteten Kämpfern, z.B. Panzer, Flugzeuge, Artillerie, etc., für das Gefecht bestimmen kann und muss, sei hier nur am Rande erwähnt.

 

Oben wurde gesagt, dass innerhalb des Gefechts eine sukzessive Wirkung von den Streitkräften ausgehen kann, d.h. selbst wenn der für das Gefecht bestimmte Raum zu klein ist, als dass alle Individuen gleichzeitig darin kämpfen könnten, so können die übrigen Kräfte zunächst als taktische Reserve verweilen und im laufenden Gefecht nacheinander zur Wirkung gebracht werden.[4] Daraus folgt, dass es keine natürliche Begrenzung der zum Einzelgefecht bestimmten Streitkräfte gibt, sondern dass die Strategie die Zahl solange steigern kann, bis ihr gesamtes Kräftedispositiv erschöpft ist.

 

Nun ist die Anzahl der für das einzelne Gefecht bestimmten Individuen im Verhältnis zu der Größe der gegnerischen Streitkraft eine wesentliche Bestimmungsgröße für Sieg oder Niederlage, d.h. je größer die eigene Streitkraft, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit des taktischen Erfolges. Somit gilt mit Clausewitz Worten:

 

„Diese Zahl [der im Gefecht Kämpfenden] wird also den Sieg bestimmen. Schon aus der Menge von Abstraktionen, welche wir haben machen müssen, um auf diesen Punkt zu kommen, ergibt sich, daß die Überlegenheit der Zahl in einem Gefecht nur einer der Faktoren ist, aus welchem der Sieg gebildet wird, daß also, weit entfernt, mit der Überlegenheit der Zahl alles oder auch nur die Hauptsache gewonnen zu haben, vielleicht noch sehr wenig damit erreicht ist, je nachdem die mitwirkenden Umstände so oder anders sind.

 

Aber die Überlegenheit hat Grade, sie kann doppelt, drei-, viermal so groß gedacht werden usw., und jedermann begreift, daß sie bei dieser Steigerung alles übrige überwältigen muß.

 

In dieser Beziehung muß man einräumen, daß die Überlegenheit der Zahl der wichtigste Faktor in dem Resultat eines Gefechts ist, nur muß sie groß genug sein, um den übrigen mitwirkenden Umständen das Gleichgewicht zu halten. Die unmittelbare Folge davon ist, daß man die möglichst größte Zahl von Truppen auf den entscheidenden Punkt ins Gefecht bringen müsse.

 

Mögen diese Truppen dann hinreichen oder nicht, so hat man von dieser Seite alles getan, was die Mittel zuließen. Dies ist der erste Grundsatz in der Strategie.“[5]

 

Nun können Sieg und Niederlage nicht allein durch die Zahl der Kämpfenden bestimmt werden. Wenn Clausewitz dies hier leichtfertig tut, so unter der Prämisse, dass „die Heere in Bewaffnung, Einrichtung und Kunstfertigkeit jeder Art einander“[6] sehr ähnlich sind. Sobald es aber sehr große Differenzen zwischen diesen Dingen gibt, muss auch die Wichtigkeit der Überlegenheit der Zahl in Bezug auf den Kampfkraftvergleich zurückgehen. Stellen wir uns zwanzig mit modernem Kriegsgerät ausgerüstete Kämpfer vor, die gegen einen nur mit Macheten bewaffneten Gegner fechten, so wird leicht ersichtlich, dass auch eine vier-, fünf- oder gar zehnfache quantitative Überlegenheit den Machetenkämpfern nicht zum Sieg verhelfen wird. Zwar ist zuzugeben, dass es irgendeinen Punkt gibt, an dem allein die Überlegenheit der Zahl so überwältigend wäre, dass die Waagschale kippen und die Machetenkämpfer den Sieg erringen könnten, doch scheint es in diesem Fall viel naheliegender, vorrangig anderen Größen die Entscheidung über Sieg und Niederlage zuzuschreiben; diese sind Überraschung[7], List[8], vielleicht auch Kühnheit[9] auf Seiten der Macheten-Kämpfer und Überlegenheit der Bewaffnung und Ausrüstung auf der anderen Seite. Diese Fragen betreffen aber sehr konkret die asymmetrische Kriegführung und die taktische Ebene auf die ich später noch zu sprechen komme. Hier reicht es darauf hinzuweisen, dass unter allen Umständen jede Partei einen Vorteil innerhalb des Gefechtes erhält, sobald ihre Zahl ansteigt, wobei dieser Vorteil je nach den Rahmenbedingungen eben von größerer oder kleinerer Bedeutung sein kann.

 

Es ergibt sich hieraus also die von Clausewitz gezogene logische Folgerung, dass die Strategie die für ein Gefecht bestimmten Streitkräfte so groß wie möglich zu machen habe, um den Sieg darin so wahrscheinlich wie möglich werden zu lassen.[10]

 

Von diesem Standpunkt aus müsste die Strategie also alle ihr verfügbaren Kräfte zum Zweck des Gefechts in Zeit und Raum vereinen.[11] In diesem Sinne schreibt Clausewitz auch:

 

„Die beste Strategie ist: immer recht stark zu sein, zuerst überhaupt und demnächst auf dem entscheidenden Punkt. Daher gibt es außer der Anstrengung, welche die Kräfte schafft, und die nicht immer vom Feldherrn ausgeht, kein höheres und einfacheres Gesetz für die Strategie als das: seine Kräfte zusammenzuhalten. – Nichts soll von der Hauptmasse getrennt sein, was nicht durch einen dringenden Zweck davon abgerufen wird. An dies Kriterium halten wir fest und sehen es als einen zuverlässigen Führer an.“[12]

 

Vor diesem Gesamthintergrund wird ersichtlich, dass die Frage nach den Kräften, welche zum Führen des einzelnen Gefechts bestimmt sind, sehr tiefgreifend ist und die Strategie im Krieg überhaupt betrifft. Denn sobald ein Akteur alle verfügbaren Kräfte für ein einzelnes Gefecht bestimmt, so folgt hieraus, dass er sonst nirgendwo ein weiteres Gefecht führen kann, d.h. dass dies Gefecht gleichsam die einzige Wirksamkeit ist, die er dem Gegner entgegensetzt und dass der Gegner sonst überall im Raum vollkommene Handlungsfreiheit haben wird. Es ist dies also die Frage nach der Teilung der Kräfte und nach deren Dislozierung im Raum.

 

Wir sehen hieran, dass bei der Diskussion um die Stärke der Streitkraft im einzelnen Gefecht nicht allein dieses einzelnen Gefecht betrachtet werden kann, sondern dass es eine Frage der Gesamtstrategie im Krieg ist und die Bestimmung der Kräfte für das eine Gefecht Auswirkungen auf die Bestimmung der Kräfte bei anderen Gefechten hat. Das vollständige Zusammenfassen der Kräfte darf daher nur zu einem solchen Gefecht geschehen, dessen Wirkung entscheidend ist, d.h. dessen Ergebnis wirksamer ist als alle anderen Gefechte zusammen, die aus diesem Grunde nicht angetreten werden können und dem Erfolg des Gegners überlassen bleiben müssen. Dies führt zu der für die Strategie sehr wichtigen Forderung nach der Ökonomie der Kräfte:

 

Wer da Kräfte hat, wo der Feind sie nicht hinreichend beschäftigt, wer einen Teil seiner Kräfte marschieren, d. h. tot sein läßt, während die feindlichen schlagen, der führt mit seinen Kräften einen schlechten Haushalt. In diesem Sinne gibt es eine Verschwendung der Kräfte, die selbst schlimmer ist als ihre unzweckmäßige Verwendung. Wenn einmal gehandelt werden soll, so ist das erste Bedürfnis, daß alle Teile handeln, weil die unzweckmäßigste Tätigkeit doch einen Teil der feindlichen Kräfte beschäftigt und niederschlägt, während die ganz müßigen Kräfte für den Augenblick ganz neutralisiert sind.“[13]

 

Im Kontext der Einordnung in ‚Vom Kriege‘ scheint es sich bei der Forderung nach der Ökonomie der Kräfte zunächst lediglich um eine Zusammenfassung der vorangegangenen Kapitel zu handeln; es wird hier nochmals die Unsinnigkeit einer strategischen Reserve, d.h. einem bewussten Nichtgebrauch einzelner Kräfte sowie die Forderung nach Zusammenfassung der Kräfte in Raum und Zeit „von einem etwas mehr umfassenden Standpunkt aus gesehen und in eine einzelne Vorstellung zusammengedrängt“[14]. Konkret heißt dies, dass sich von der Forderung, am entscheidenden Punkt möglichst stark zu sein, ableiten lässt, dass Kräfte, welche sich auf dem Marsch, in einer Rast oder in der strategischen Reserve befinden, an diesem entscheidenden Punkt fehlen und dass diese, da sie nicht kämpfen, wirkungslos sind; sie sind also verschwendet oder auch neutralisiert. Dieser Punkt ist einleuchtend und er zeigt uns, dass Märsche, Rasten und strategische Reserven aus strategischer Perspektive ein Übel sind und sich nur durch ihren notwenigen Bezug zur Vorbereitung von Gefechten, nicht aber als Wert an sich begründen lassen.

 

Die Forderung nach der Ökonomie der Kräfte hat jedoch eine viel bemerkenswerte Implikation, dies bedarf einer etwas längeren Erklärung:

 

Es wurde gesagt, dass in der Taktik die sukzessive Wirkung der Kräfte möglich ist und dass darum jede weitere Steigerung der quantitativen Überlegenheit im Gefecht auch einen weiteren Vorteil bietet, sich dies rein theoretisch also unendlich steigern ließe. Stellen wir uns nun also die eine Streitkraft im Gefecht als feste Größe vor und lassen die andere gedanklich immer größer werden, so ist klar, dass die zeitgleich kämpfenden Kräfte an irgendeinem Punkt nicht mehr größer werden können und folglich nur noch die Stärke der Reserve weiter anwächst. Die Überlegenheit der Zahl ist also vor allem eine Überlegenheit der taktischen Reserven. Diese Reserven haben drei Aufgaben, von denen sich der Vorteil der Überlegenheit der Zahl ableitet: Erstens können ungünstige Entwicklungen im Gefecht durch die taktische Reserve ausgeglichen, d.h. neutralisiert werden. Durch die Zuführung frischer Kräfte wird also die Dauer des Gefecht verlängert und somit die Anstrengungen des Gegners zum Sieg erhöht. Durch diese größere Dauer des Gefechts kann der Gegner stärker abgenutzt werden und somit kann ihm, trotz eines möglicherweise größeren Glücks/Könnens im Zweikampf, eine Niederlage zugefügt werden. Zweitens können Reserven für unvorhergesehene Ereignisse eingesetzt werden. Wenn also der Gegner an einer unerwarteten Stelle auftritt, kann der taktische Führer reagieren und ihn auch dort bekämpfen.[15] Allein aus diesen zwei Punkten ergibt sich also schon, dass je größer die Reserve ist, desto größer muss auch der Schutz vor Überraschungen gedacht werden und desto größer auch die Dauer, mit welcher ein Akteur Widerstand leisten kann, desto größer somit die Anstrengungen, welche der Gegner zur Überwindung des Akteurs im Gefecht unternehmen muss.

 

Drittens ergibt sich die wesentlichste Bedeutung der Reserve allerdings durch ihre moralische Wirkung, denn die mächtige Reserve verdeutlicht dem Gegner die Hoffnungslosigkeit seines Unternehmens und wird entsprechend der Furcht und der Panik den Nährboden bieten und ebenso stärkt sie die Hoffnung der eigenen Kräfte. Vor diesem Hintergrund ist leicht verständlich, wenn Clausewitz schreibt:

 

„Je kleiner also der Teil der Streitkraft ist, welcher wirklich gefochten, je größer derjenige ist, welcher als Reserve durch sein bloßes Dasein mitentschieden hat, um so weniger kann eine neue Streitkraft des Gegners uns den Sieg wieder aus den Händen winden, und derjenige Feldherr wie dasjenige Heer, welche es am weitesten darin gebracht haben, das Gefecht selbst mit der höchsten Ökonomie der Kräfte zu führen und überall die moralische Wirkung starker Reserven geltend zu machen, gehen den sichersten Weg zum Siege.“[16]

 

So wie aber hier festgestellt wurde, dass die Wirkung von zusätzlichen Kräften immer einen Vorteil bietet, so muss auch ferner hinzugedacht werden, dass dieser Vorteil nicht unendlich linear ansteigt, sondern dass er den Punkt der Gewissheit des Erfolges nicht übersteigen kann. Wird versucht, die Korrelation zwischen Erfolgswahrscheinlichkeit und Truppenstärke im Gefecht bei sonst identischen Rahmenbedingungen graphisch darzustellen, so müsste dies wie folgt aussehen:

 

 

 

Abbildung 6 - Schematische Darstellung des nichtlinearen Anstiegs der Erfolgswahrscheinlichkeit durch die Über- bzw. Unterlegenheit der Zahl im Gefecht

 

Ist also bereits eine signifikante Überlegenheit an Kampfkraft vorhanden, so hat eine Vergrößerung der zum Gefecht bestimmten Kräfte eine weitaus geringere sukzessiv positive Wirkung auf die Erfolgsaussicht des Gefechts als in dem Falle, dass in der Ausgangssituation ein Gleichgewicht der Kräfte vorlag. Dies erklärt sich einfach dadurch, dass die taktische Reserve bei einer günstigen Entwicklung des Gefechts weder sukzessive zum physischen Einsatz kommt, noch wesentliche Überraschungen aufzufangen haben wird. Der einzige Nutzen ist demnach die moralische Wirkung auf den Gegner – hier lässt sich jedoch Panik und Hoffnungslosigkeit nicht steigern, d.h. die Vernichtung moralischer Streitkräfte hat ihre Grenze in der vollständigen Vernichtung und kann nicht über diesen Punkt hinaus gesteigert werden. Mit anderen Worten: je größer die Überlegenheit der Kräfte, desto weniger stark erhöht sich die Wahrscheinlichkeit des Erfolges durch eine weitere Steigerung ihrer Zahl. Da aber auch der „Wirkungskreis eines Sieges“[17], d.h. die Bedeutung des Gefechts, durch eine bloße Vergrößerung der siegreichen Kräfte in keiner Weise gesteigert wird, muss hieraus geschlussfolgert werden, dass der Grenznutzen des einzelnen Individuums mit zunehmender Größe der Streitmacht bei konstant stark bleibendem Gegner abnimmt.

 

Wenn dieser Gedanke nun mit der umfassend verstandenen Forderung nach Ökonomie der Kräfte kombiniert wird, dann ist hieraus bemerkenswerterweise zu folgern, dass es bei bereits im Vorfeld des einzelnen Gefechts absehbarem und deutlichem Übergewicht ökonomischer ist, die für das Gefecht bestimmten Kräfte zu verkleinern und diese auf diesem Wege frei gewordenen Kräfte in einem anderen Raum wirken zu lassen. Hierdurch würde sich zwar die Gewinnchance in dem ersten Gefecht verringern, dafür würde aber die Wirkung zweier erfolgreicher Gefechte deutlich größer sein.

 

Noch gravierender ist dieser Gedanke, wenn wir uns in die Lage des Unterlegenen versetzen. Wenn die Niederlage im Gefecht als sicher gelten muss, obwohl ein Akteur all seine Kräfte zusammengefasst hat, so wird sie durch die Halbierung seiner Kräfte zwar noch sicherer, aber die Steigerung dieser Gewissheit nähert sich zunehmend gegen Null. Von diesem Standpunkt aus wäre noch kein Unterschied zu der Lage des Überlegenen zu machen. Nun muss aber in Betracht gezogen werden, dass der Wirkungskreis der Sieges durch die „Masse der besiegten Truppen“[18] bestimmt wird. Daraus folgt, dass eine Halbierung der besiegten Truppen auch eine Verkleinerung des Sieges bewirkt. Der Unterlegene hat also durch eine Verkleinerung seiner Kräfte diese nicht nur für andere Unternehmungen gewonnen, sondern gleichsam die Größe seiner taktischen Niederlage verringert – und dies umso mehr, je weniger der Gegner seine Kräfte teilt.

 

Es ist also festzustellen, dass die Ökonomie der Kräfte nur bei gleichstarken Gegner auch ein Zusammenfassen derselben fordert. Je ungleicher sie jedoch verteilt sind, desto mehr muss die Strategie – möchte sie ökonomisch sein – ihre Streitkräfte teilen.

 

Dieser Gedanke findet sich, wenn auch nicht in dem Bewusstsein, die Ökonomie der Kräfte zu betreffen, in dem Clausewitz‘schen Vergleich zwischen dem exzentrischen und dem konzentrischen Vorgehen im vierten Kapitel des sechsten Buches.[19] Das konzentrische Vorgehen lässt sich im Wesentlichen durch das Umfassen oder Umschließen des Feindes beschreiben, d.h. die Streitkräfte greifen aus verschiedenen Richtungen auf den selben Punkt konzentriert an. Beim exzentrischen Vorgehen sind hingegen die Streitkräfte selbst konzentriert und können daher nur zerstreut, d.h. im besseren Fall parallel, im schlechteren auseinanderdriftend, vorgehen.[20]

 

 

 

Abbildung 7 – Darstellung: Konzentrizität vs. Exzentrizität im Angriff

 

Nun sind beide Formen des Vorgehens unabhängig voneinander sowohl in der Taktik als auch in der Strategie denkbar, denn es kann sowohl innerhalb eines Gefechtes der Gegner umschlossen und von allen Seiten aus angegriffen werden und es kann auch innerhalb des ganzen Feldzuges der Gegner umschlossen werden, so dass er sich zwischen zwei oder mehreren getrennt operierenden Kräften befindet und unabhängige Gefechte an verschiedenen ‚Fronten‘ führen muss. Wir wollen uns hier allein auf die Strategie beschränken, denn in der Taktik mag die Umschließung ganz andere Hintergründe haben.

 

Das konzentrische Vorgehen bietet gegenüber dem exzentrischen drei Vorteile: a) das Abschneiden des Rückzuges, b) den Anfall von mehreren Seiten und c) die doppelte moralische Wirkung des Sieges.[21] Das Abschneiden des Rückzuges a) ist in der Strategie nur bedingt vorstellbar und ein Spezialfall, denn es beinhaltet, den Gegner von seiner Basis, also von seinen rückwärtigen Verbindungen zu trennen. In der Regel kann dies nur dadurch geschehen, dass die eine Streitkraft mittels eines Parallelmarsches die andere ‚überholt‘.[22] Untersucht man aber die beiden hier betrachteten Vorgehensweisen, dann ist festzustellen, dass beide nicht per se den Rückzug abschneiden. So kann nämlich der Verteidiger auch beim konzentrischen Vorgehen des Angreifers ‚nach hinten‘ ausweichen, er wird dadurch aber immer weiter zusammengedrängt, d.h. die Ausweichmöglichkeiten des Verteidigers nehmen mit Fortschreiten des konzentrischen Vorgehens ab. Es handelt sich also nicht um ein Abschneiden des Rückzugs im eigentlichen Sinne, sondern um eine Verengung der Rückzugsmöglichkeiten. Dies hat nicht nur eine erhebliche moralische Wirkung (das Gefühl, eingekesselt zu sein), sondern verhindert zudem eine zeitliche Verzögerung des Sieges durch weiträumige Manöver des Verteidigers. Der Anfall von mehreren Seiten b) ist für den Verteidiger nicht an sich problematisch, da es nichts weiter ist als das Führen von zwei räumlich getrennten Gefechten. Der Verteidiger ist hierdurch jedoch gezwungen, seine Kräfte zu teilen, denn tut er es nicht, so kann die gegnerische Streitmacht in seinem Rücken frei operieren und ihn schließlich tatsächlich, d.h. auch taktisch vollständig umfassen und von seiner Basis abschneiden. Durch das Teilen der Kräfte wird also die Zahl der Streitkräfte für das einzelne Gefecht vermindert – allerdings gilt dies für den Angreifer auch. Gravierender ist hingegen c) die doppelte moralische Wirkung des Angriffs:

 

Es ist die Erschütterung der Basis, welche jede Armee mehr oder weniger empfindet, wenn der Feind, nahe oder weit, hinter ihrem Rücken siegreich ist.

 

Es steht also fest, daß die konzentrische Wirkung der Kräfte einen Vorzug hat, dadurch, daß die Wirkung gegen a zugleich eine gegen b wird, ohne darum gegen a schwächer zu sein, und daß die gegen b zugleich eine gegen a, das Ganze also nicht a + b, sondern noch etwas mehr ist, und daß dieser Vorteil in der Taktik und in der Strategie, wiewohl in beiden etwas verschieden, stattfindet.“[23]

 

Dem konzentrischen Angriff steht jedoch entgegen, dass der Angreifer sich einer erheblichen Gefahr aussetzt. Da in der Strategie die Gefechte nicht unmittelbar nebeneinander stattfinden, sondern räumlich insoweit getrennt sein müssen, dass der eine Teil den anderen nicht unterstützen kann, folgt daraus, dass im konzentrischen Vorgehen der eine angreifende Teil den anderen nicht decken kann. Durch die Teilung der Kräfte nimmt aber auch das Übergewicht über den Gegner im einzelnen Gefecht notwendigerweise ab und dies umso mehr, als dass der Verteidiger seine Kräfte nicht im gleichen Verhältnis wie der Angreifer teilen muss und daher erst durch die Teilung die Möglichkeit erhält, selbst ein örtliches Übergewicht zu erzeugen. Der Angreifer läuft nun also plötzlich Gefahr, einzelne Gefechte zu verlieren und dabei einzelne Teile seiner Streitkraft der Vernichtung auszusetzen. Durch ein geschicktes Erzeugen von örtlicher Überlegenheit kann der Verteidiger so das ursprüngliche Kräfteverhältnis erheblich verändern.

 

Vor diesem Hintergrund stellt Clausewitz nun also fest, dass das exzentrische Vorgehen der sicherere Weg ist, der allerdings gleichwohl beschwerlicher zum Sieg führt. Der Angreifer ist also deutlich weniger der Gefahr seiner eigenen Vernichtung ausgesetzt, zugleich ist der Sieg des ganzen Krieges aber auch schwerer zu erringen, da der strategische Ansatz weniger umfassend und somit für den Gegner weniger bedrohlich ist. Der strategische Sieg ist mit dem exzentrischen Vorgehen also in weitere Ferne gerückt, der Gegner wird weniger mit der Gesamtvernichtung bedroht und der strategische Erfolg wird also kleiner. Das konzentrische Vorgehen ist hingegen ein gefährliches Wagnis, welches dem Angreifer selbst zum Verhängnis werden kann, verspricht dafür aber die höhere Wirksamkeit der Kräfte und den schnelleren, kürzeren und somit auch weniger anstrengenden Weg zum Sieg. „Kurz, man sieht, es besteht hier ein ähnliches Verhältnis wie das zwischen Angriff und Verteidigung überhaupt; die konzentrische Form führt zu glänzenden Erfolgen, die exzentrische gewährt die ihrigen sicherer, jenes ist die schwächere Form mit dem positiveren Zweck, dieses die stärkere Form mit dem negativen Zweck. Dadurch, scheint uns, sind diese beiden Formen schon in ein gewisses schwebendes Gleichgewicht gebracht.“[24]

 

Diese Betrachtung gewinnt jedoch erst ihre Vollkommenheit, wenn sie in Verbindung mit der Forderung nach der Ökonomie der Kräfte gesehen wird. Sind nämlich beide Teile etwa gleich stark, so ist zunächst leicht ersichtlich, dass der Angreifer zwingend exzentrisch vorgehen muss: Er benötigt alle Kräfte um das eine Gefecht glücklich zu führen und eine Teilung seiner Kräfte würde ihn in eine sehr nachteilige Lage bringen, wenn der Gegner seine Kräfte nicht ebenso gleichmäßig teilt. Dieser könnte dann nämlich – da er zudem auf der inneren Linie operiert, d.h. seine Kräfte von einem Gefechtsfeld zum anderen schneller bewegen kann als der konzentrisch vorgehende Angreifer[25] – sehr leicht das örtliche Übergewicht erhalten und erst die eine und dann die andere Streitkraft schlagen. Erst wenn wir nun gedanklich den Angreifer in seinem Verhältnis zum Verteidiger stärker werden lassen wird deutlich, dass mit zunehmendem Übergewicht die Kräfte beim exzentrischen Vorgehen weniger effizient werden, da sie nur noch in der taktischen Reserve bleiben und nicht mehr zum Einsatz kommen. Diese Wirkungslosigkeit überschüssiger Streitkräfte macht es erst sinnvoll möglich, die Streitkräfte zu teilen und mit ihnen von einer anderen Richtung aus anzugreifen. Dies zeigt dann auch die verstärkte Wirksamkeit des konzentrischen Angriffs in aller Deutlichkeit, denn die Überlegenheit dieser Vorgehensweise ist weniger ein Produkt geometrischer Logik, als ein Produkt der aus der vollen Wirksamkeit aller Kräfte resultierenden optimalen Ökonomie der Kräfte. So schreibt Clausewitz:

 

„So wie aber in der toten Körperwelt die Wirkung gegen den Schwerpunkt in dem Zusammenhang der Teile ihr Maß und ihre Grenze hat, so ist es auch im Kriege, und es kann hier wie dort ein Stoß leicht größer werden, als der Widerstand verträgt, und damit ein Luftstoß, eine Kraftverschwendung entstehen. [...]

 

Gebietet also von der einen Seite die Gewalt, welche wir dem Stoß zu geben wünschen, die größte Vereinigung der Macht, so müssen wir von der anderen jede Übertreibung als einen wirklichen Nachteil fürchten, weil sie eine Kraftverschwendung mit sich führt, und diese wieder den Mangel an Kraft auf anderen Punkten.

 

Diese Centra gravitatis in der feindlichen Kriegsmacht zu unterscheiden, ihre Wirkungskreise zu erkennen, ist also ein Hauptakt des strategischen Urteils.“[26]

 

Nun ist dies alles eine sehr vereinfachte Betrachtung und es kommen vielfache Variablen und Ungewissheiten hinzu, die alles sehr verändern können. Es mag vielfache Motive sowohl für den Angreifer wie auch für den Verteidiger geben, seine Kräfte zu teilen; die starke Überlegenheit wie auch analog dazu die starke Unterlegenheit ist nur eines davon. Im Ergebnis steht aber in jedem Falle, dass die Strategie bestimmen muss, ob sie ihre Kräfte zusammenhält und also ein großes Gefecht anstrebt oder ob sie ihre Kräfte aufteilt und also mehrere kleinere Gefechte sucht bzw. bietet. Dabei sollte sie, um größtmögliche Wirkung zu erzielen, ihre Kräfte ökonomisch optimal einsetzen. Dies bedeutet zu allererst, dass sie versuchen soll, alle Kräfte zeitgleich einzusetzen und keine für den Fall einer Niederlage im Gefecht zurückzuhalten, denn die zurückgehaltenen Kräfte hätten vielleicht den Sieg im Gefecht bewirkt, wären sie eingesetzt worden; hätten sie dazu jedoch nicht hingereicht, so werden sie auch in keinem Falle dazu hinreichen, das durch die Niederlage verlorene Gleichgewicht später wieder auszugleichen.[27] Darüber hinaus kann die Forderung nach Ökonomie der Kräfte auch dazu führen, dass unter bestimmten Umständen die Kräfte nicht geschlossen, sondern getrennt voneinander eingesetzt werden sollen, um hierdurch Unproduktivität durch eine übermäßige Überlegenheit in der Kampfkraft im einzelnen Gefecht auszugleichen.

 

Dies alles führt jedoch zu einer hier ganz entscheidenden Erkenntnis. Die Forderung nach der Ökonomie der Kräfte führt nie zu größerer Sicherheit, sondern stets zu einer kleineren. Bei einem vorherrschenden Gleichgewicht der Kräfte, d.h. bei großer Unsicherheit über den Ausgang eines Gefechts, da ist es das natürliche, auf dem Streben nach Sicherheit beruhende Bedürfnis des Feldherrn, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern sich für den Fall einer Niederlage Kräfte in der Hinterhand zu halten und nicht allzu viel zu riskieren. Doch gerade hier fordert die Ökonomie der Kräfte alles auf eine Karte zu setzen und alle Kräfte in diesem Gefecht zu vereinen (sofern es das entscheidende ist). Weiß der Feldherr aber, dass er die überlegenen Kräfte hat, ist er sich seines Sieges also weitestgehend sicher, dann fällt es ihm natürlich umso leichter, alle Kräfte gleichzeitig zu einem Gefecht zu bestimmen. Aber nun fordert die Ökonomie der Kräfte erneut den sicheren Weg zu verlassen, die Kräfte zu teilen, sich der größeren Unsicherheit auszusetzen, nur um den größeren Sieg zu erreichen.

 

Nur mit diesem Verständnis wird ersichtlich, warum die Strategie dem Feldherrn umso mehr Mut und Entschlossenheit abringt, je näher sie sich dem ökonomischen Optimum annähert. Denn entweder ist der Sieg sowieso zweifelhaft und darum scheint es für den Feldherrn sicherer, eine strategische Reserve für den Fall der Niederlage zurückzuhalten und nicht alles auf eine Karte zu setzen oder aber das Kräfteverhältnis ist eindeutig und bietet ihm einen sicheren Erfolg, doch muss er nun seine Kräfte teilen, um den größeren Erfolg zu erzielen und wird hierdurch wieder zur Unsicherheit und Gefahr verleitet. Es geht also mit jeder Steigerung der Kräfteökonomie auch eine Steigerung der zumindest subjektiv empfundenen, oft auch objektiv vorhandenen Gefahr einher. Ist also die Ökonomie der Kräfte überspannt, steht sie in einem ungünstigen Verhältnis zur Erfolgswahrscheinlichkeit des Gefechts, so tritt die Niederlage ein.

 

Die Sicherheit und die Ökonomie der Kräfte bilden also zwei unterschiedliche Motive, zwischen denen die Strategie bzw. der Feldherr hin- und hergerissen ist. Dies ist der schmale Grat, auf dem die Strategie wandeln muss; hier wird es also ganz maßgeblich die Persönlichkeit des Feldherrn sein, welche über die Effizienz der Kräfte im allgemeinen entscheidet.

 



[1]                 Clausewitz, Kriege, S. 377.

[2]                 Siehe Kapitel IV.4.4.

[3]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 507 ff.

[4]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 389 f.

[5]                 Clausewitz, Kriege, S. 374.

[6]                 Clausewitz, Kriege, S. 375.

[7]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 397 ff.

[8]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 385 ff.

[9]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 366 ff.

[10]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 374.

[11]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 388.

[12]               Clausewitz, Kriege, S. 388.

[13]               Clausewitz, Kriege, S. 401 f.

[14]               Clausewitz, Kriege, S. 402.

[15]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 399.

[16]               Clausewitz, Kriege, S. 443.

[17]               Clausewitz, Kriege, S. 809.

[18]               Clausewitz, Kriege, S. 809.

[19]               Anm.: Schössler setzt das konzentrische Vorgehen mit dem Angriff, das exzentrische mit der Verteidigung gleich. (Vgl. Schössler, Clausewitz II, S. 162 f.) Dies entspricht auch der Überschrift des Clausewitz’schen Kapitels namens „Konzentrizität des Angriffs und Exzentrizität der Verteidigung“ (Clausewitz, Kriege, S. 628.). Es ist jedoch nicht zutreffend, dass die beiden Begriffspaare vollständig zusammenhängen, sondern es ist vielmehr so, dass Clausewitz die Anfangsthese zu widerlegen sucht, dass der Angreifer zwischen den beiden Vorgehensarten wählen könnte, wohingegen der Verteidiger naturgemäß allein exzentrisch operieren kann. So führt Clausewitz auch plakativ Beispiele an, bei denen der Angreifer exzentrisch vorgeht bzw. vorgehen muss. Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 628 ff.

[20]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 628 ff.

[21]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 629 f.

[22]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 483 f.

[23]               Clausewitz, Kriege, S. 630.

[24]               Clausewitz, Kriege, S. 631.

[25]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 631.

[26]               Clausewitz, Kriege, S. 810.

[27]               Vgl Clausewitz, Kriege, S. 397 ff.

 

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Kapitel V.3 - Übersicht

  • V.3.1 Kräfte

       Der Strategie stehen für den gesamten Feldzug nur begrenzt viele Streitkräfte zur Verfügung. Die Größe dieser Kräfte ist grundsätzlich von der politischen Ebene aus bestimmt und somit für die Strategie als „ein Gegebenes“[1] zu betrachten.[2] Gleichwohl muss die Strategie die ihr zur Verfügung stehenden Kräfte disponieren, d.h. sie muss die Größe der für ein einzelnes Gefecht bestimmten Streitkräfte bestimmen.   Die Größe einer Streitkraft ist zunächst definiert durch die Anzahl der sich in ihr befindlichen Individuen. Dies ist freilich eine starke Vereinfachung, da sowohl die Fähigkeiten des einzelnen Individuums in Hinblick auf Ausrüstung, Übung, Erfahrung, Bewaffnung etc., als auch das Zusammengehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl der Individuen untereinander die Stärke einer Streitkraft erheblich beeinflusst. Darüber hinaus müssen die Fähigkeiten des taktischen Read More
  • V.3.2 Raum

    1.1. Raum Die zweite Größe, welche die Strategie zu bestimmen hat, ist der Raum, in welchem das Gefecht stattfinden soll. Die Bestimmung dieses Raumes kann in Bezug auf das Ergebnis des Gefechts von großer Bedeutung sein. Zwar gelten die Geländebedingungen für beide kämpfenden Parteien gleichermaßen und die daraus resultierenden Schwierigkeiten heben sich daher bis zu einem bestimmten Grad gegenseitig auf, doch kann hier nichtsdestotrotz ein Vor- oder Nachteil entstehen, je nachdem ob a) die Streitkräfte der einen Partei für dieses Gelände besser geeignet sind und b) dieses Gelände für den taktischen Zweck einer Partei besser geeignet ist als für den der anderen. Clausewitz stellt vor allem im sechsten und siebten Buch einen engen Bezug zwischen Geländebedingungen und Gefechtshandlungen her. Dabei Read More
  • V.3.3 Zeit

    1.1. Zeit Schließlich bleibt als dritte Bestimmung der Strategie die Zeit, zu welcher ein Gefecht stattfinden soll. Hier ist es zunächst leicht, denn es ist offensichtlich das Vorrecht des Angreifers, den Zeitpunkt seines Angriffs und damit den Beginn des Gefechts zu bestimmen. Dem Verteidiger bleibt zunächst nur, den feindlichen Angriff abzuwarten und also ist er in diesem Punkt dem Angreifer ausgeliefert. Dies entbindet freilich den Verteidiger nicht davon, auch seinerseits einen Zeitpunkt festzulegen, denn auch er muss bestimmen, ab wann er für die Verteidigung bereit sein will, d.h. zum einen den entsprechenden Raum erreicht und zum anderen die notwendige Aufstellung eingenommen zu haben. Beginnt nämlich der Angriff vor der zeitlichen Bestimmung des Verteidigers, so ist entweder der Verteidiger noch gar Read More
  • V.3.4 Zusammenfassung

    1.1. Zusammenfassung Bisher wurden Kräfte, Zeit und Raum als die wesentlichen Größen identifiziert, mit welchen die Strategie das einzelne Gefecht bestimmt. Diese drei Größen geben jedoch nur die Rahmenbedingungen für das Gefecht, für die inhaltliche Ausgestaltung desselben ist allerdings das damit zu verfolgende Ziel auch unumgänglich in die Betrachtung mit einzubeziehen. Als unmittelbares Ziel des Gefechts bezeichnen wir die sich daraus ergebende unmittelbare Wirksamkeit, welche die Strategie gebrauchen will, um fernere Ziele zu verwirklichen bzw. zu unterstützen. So kann das unmittelbare Ziel eines Gefechts sein, gegnerische Streitkräfte zu vernichten, um das ferneren Ziel der Landnahme wahrscheinlicher zu machen und ebenso gut kann das unmittelbare Ziel eines Gefechts die Einnahme eines bestimmten Raumes sein, um diesen später als entscheidende Stellung zur Read More
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