Kapitel VI - Taktische Dimension: Intensität der Gewalt

  • VI.1 Einleitung

    1. Einleitung Nach der Betrachtung sowohl der politischen als auch der strategischen Analyseebene bleibt es nun noch, die taktische Analyseebene näher zu untersuchen. Auf der taktischen Ebene wird das niedrigstes strategische Ziel, d.i. das Ziel des einzelnen Gefechts, zum Zweck. Die Bandbreite der verschiedenen taktischen Zwecke ist somit durch das bisher Festgestellte bereits vorgegeben: 1) Vernichtung feindlicher Streitkräfte mit Entscheidung oder graduell, 2) Inbesitznahme von Land, 3) Herbeiführung eines allgemeinen gegnerischen Schadens und 4) Vernichtung der feindlichen Absicht Die Taktik ist für Clausewitz die „Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht“[1], es sind also die Streitkräfte auf dieser Analyseebene das Mittel, mit welchem der Zweck schließlich realisiert werden soll. Somit wird nun nicht mehr das Gefecht mitsamt dessen Wirkung und Read More
  • VI.3 Ziel und Zweck in der Taktik

    1. Ziel und Zweck in der Taktik Das Gefecht ist das Aufeinandertreffen von gegnerischen Streitkräften und die Taktik befasst sich mit diesem Gegenstand. Clausewitz beschreibt den Charakter der Taktik dezidiert im Zeichen seines konkreten historischen Hintergrunds wie folgt: „Was tut man jetzt gewöhnlich in einer großen Schlacht? Man stellt sich in großen Massen neben- und hintereinander geordnet ruhig hin, entwickelt verhältnismäßig nur einen geringen Teil des Ganzen und läßt sich diesen ausringen in einem stundenlangen Feuergefecht, welches durch einzelne kleine Stöße von Sturmschritt, Bajonette und Kavallerieanfall hin und wieder unterbrochen und etwas hin und her geschoben wird. Hat dieser eine Teil sein kriegerisches Feuer auf diese Weise nach und nach ausgeströmt, und es bleiben nichts als die Schlacken übrig, so Read More
  • VI.4 Grundprinzipe des Gefechts; Angriff und Verteidigung

    1. Grundprinzipe des Gefechts; Angriff und Verteidigung Eine allzu detaillierte Betrachtung des Gefechts will ich in dieser Arbeit nicht anstellen, da dies sehr eng mit den technischen und sozialen Entwicklungen der jeweilige Epoche zusammenhängt und darum eine abstrakte Verallgemeinerung taktischer Problemstellungen nahezu unmöglich erscheint.[1] Trotzdem möchte ich nach einigen grundlegenden Elementen suchen, aus denen jedes Gefecht zusammengesetzt ist und die das Gesamtkonstrukt des Krieges noch zusätzlich abrunden. Im Rahmen seiner Betrachtung über die Streitkräfte räsoniert Clausewitz über den Wert der unterschiedlichen Waffengattungen Infanterie (Fußvolk), Kavallerie (Reiterei) und Artillerie und deren Verhältnis zueinander. In diesem Zusammenhang gibt er einen bemerkenswerten Einblick in die Elementarteile des Gefechts: „Das Gefecht besteht aus zwei wesentlich zu unterscheidenden Bestandteilen: dem Vernichtungsprinzip des Feuers und dem Read More
  • VI.5 Taktik und Rücksichtslosigkeit der Gewaltanwendung

    1. Taktik und Rücksichtslosigkeit der Gewaltanwendung Die in diesem Kapitel dargestellten Aspekte haben die Ebene der Taktik in mehren, wenngleich längst nicht allen Facetten ausgeleuchtet. Gefechte können vielfältige Formen und Ausprägungen annehmen. Sie können groß oder klein sein, sie können von hochtechnologischen Waffen dominiert oder mit einfachsten Werkzeugen oder gar im bloßen „Faustkampf“[1] entschieden werden. Ihnen allen ist gemein, dass sie zwar in einem unterschiedlichen Rahmen stattfinden, dass ihnen also ein fernerer Zweck, d.h. ein strategisches Ziel, zugrunde liegt und dass dieser Zweck die Gefechte „individualisiert und mit dem großen Ganzen[2] verbindet, dass es innerhalb desselben aber nur ein Ziel gibt und dies ist die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte. Innerhalb eines Gefechtes sind die verfeindeten Streitkräfte somit in einer bemerkenswerten Read More
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