1.1. Moralische Hauptpotenzen und Dreifaltigkeit des Krieges

 

In der Konsequenz des bisher dargestellten Dilemmas der Unfassbarkeit und Komplexität der geistigen Gegenstände formuliert Clausewitz drei moralische Hauptpotenzen, die – „unvollständig und rhapsodisch“[1] – die moralischen Streitkräfte auf drei Faktoren bzw. Quellen zurückführen. „Sie sind: die Talente des Feldherrn, kriegerische Tugend des Heeres, Volksgeist desselben.“[2]

 

Die Größe der moralischen Kräfte einer Streitmacht soll also – so die Clausewitz’sche These – im Wesentlichen durch diese drei Hauptpotenzen bestimmt sein, wobei Clausewitz selbst nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Vollkommenheit erhebt, sondern seine Betrachtung von vorneherein als bruchstückhaft und zusammenhangslos darstellt, da moralische Größen „sich weder in Zahlen noch in Klassen bringen lassen“[3]. Dabei muss merkwürdig auffallen, dass Clausewitz hier keine derjenigen moralischen Kräfte anspricht, die sich direkt und unmittelbar gegen die Herausforderungen des erschwerenden Mittels richten. So findet Kleemeier bei ihrer Analyse der moralischen Größen vier verschiedene wesentliche Faktoren, aus denen sich nach ihrer Interpretation die moralischen Streitkräfte zusammensetzen. Diese sind: „1) Takt des Urteils, 2) Mut bzw. Tapferkeit, die in zwei Formen zerfällt, 3) Entschlossenheit, 4) Gemütsstärke.“[4] Dies muss die Frage aufwerfen, warum keine dieser sich aus dem Werk ergebenden moralischen Größen als moralische Hauptpotenz dient, warum also Clausewitz nicht einfach eine geistige Konstitution entwickelt, die der erschwerenden Atmosphäre des Krieges entgegengesetzt ist und den Problemfaktoren Gefahr, körperliche Anstrengung, Ungewissheit aller Daten und Friktion die Stirn bietet. So könnte man sehr vereinfacht zu dem Schluss kommen, dass Mut, Ausdauer, Takt des Urteils und ein gewisses Maß an Trotz die moralischen Hauptpotenzen sein müssten, die einer Streitkraft moralische Stärke im Gefecht bzw. im Krieg geben – und wäre damit en passant einen wesentlich kürzeren Weg gegangen, als die vielen Interpreten, welche akribisch die vermeintlich entscheidenden moralischen Größen im Clausewitz’schen Werk herausgeschrieben und analysiert haben. Dass die von Clausewitz explizit benannten drei Hauptpotenzen moralischer Streitkräfte andere sind und sich nicht als eine unmittelbare Antwort auf die spezifische Atmosphäre des Krieges darstellen, hat zwei Gründe:

 

Zum einen sind die oben bezeichneten Attribute nichts an sich, d.h. es sind keine bezugslosen Eigenschaft, sondern es sind Resultate anderer Größen. So ist z.B. der Mut eine Folge von der Geringschätzung anderer Gefahren oder von der Wertschätzung eines spezifischen Motivs.[5] Zugespitzt formuliert kann es aber auch mutig sein, Fahnenflucht zu begehen und sich der Sache des Feindes anzuschließen und/oder sich von der Truppe abzusetzen. Der Mut bedarf also eines bestimmten Einflusses bzw. einer bestimmten Ausprägung, damit er zu einer moralischen Kraft im hier verwandten Sinne des Wortes wird und sich positiv auf den Willen des Individuums zum Kampf auswirkt. So ist es auch mit den anderen Eigenschaften und in diesem Sinne bilden sie lediglich allgemeingültige Charaktereigenschaften, die nicht generell die Fähigkeit und den Willen zum Kampf verstärken, sondern dazu einer sehr konkreten Ausprägung bedürfen.

 

Den zweiten Grund bietet Clausewitz uns unmittelbar, wenn er schreibt:

 

„Wir könnten die hauptsächlichsten der moralischen Erscheinungen im Kriege durchgehen und mit der Sorgfalt eines fleißigen Dozenten versuchen, was sich über eine jede Gutes oder Schlechtes beibringen ließe. Aber da man bei dieser Methode nur zu sehr in Gemeinsprüche und Alltäglichkeiten verfällt, während der eigentliche Geist in der Analyse schnell entweicht, so kommt man unvermerkt dazu, Dinge zu erzählen, die jeder Mensch weiß.“[6]

 

So ist es freilich durchaus zutreffend, dass ein Soldat Mut, Tapferkeit und Ausdauer und dass ein Feldherr Flexibilität und Urteilskraft benötigt,[7] um der Atmosphäre des Krieges die Stirn zu bieten, doch ist diese Erkenntnis gleichwohl derart offensichtlich, dass sie zu einer Binsenwahrheit wird, deren Aussage zwar wahr, aber auch banal und überflüssig ist. Es ist eine ähnliche Aussage wie dies: „Wer schneller schießt und besser trifft ist im Vorteil“[8].

 

Die moralischen Hauptpotenzen sind hingegen stets Multiplikatoren für die moralischen Streitkräfte. So finden die einzelnen moralischen Kräfte wie der Mut, die Zuversicht, die Hoffnung, die Entschlossenheit, die Tapferkeit usw. ihre kraftgebende Quelle in einer (oder mehreren) dieser Hauptpotenzen. Demnach sind die Hauptpotenzen zwar selbst moralische Größen, wirken aber ihrerseits verstärkend und sinngebend auf die einzelnen moralischen Kräfte ein und können somit als Impulsgeber oder auch als Indikator für die moralische Stärke einer Streitmacht betrachtet werden. Dass Clausewitz nun ausgerechnet drei verschiedene Hauptpotenzen herausstellt, kann kaum ein Zufall sein – es werden sich auch hier wieder Parallelen zu der wunderlichen Dreifaltigkeit des Krieges finden, so dass sich ein gewisser Zusammenhang zwischen den Motiven zum Krieg und dem Handlungswillen der Kämpfer ergibt.

 

 Kriegerische Tugend des Heeres

 

Der kriegerischen Tugend des Heeres hat Clausewitz ein eigenes Kapitel gewidmet und insofern ist sie recht problemlos zu erfassen. Er entwickelt die Idee dieser moralischen Hauptpotenz entlang einiger Überlegungen zur kriegerischen Tätigkeit. Das kriegerische Handwerk, d.h. die Fähigkeit zum gemeinsamen Kampf gegen einen bewaffneten Gegner, sei demnach ein bestimmtes Geschäft, welches sich von anderen gesellschaftlichen Tätigkeiten unterscheide.[9] Diese Feststellung beschreibt weder eine herausgehobene gesellschaftliche Stellung des Soldatenberufs[10] noch die Unmöglichkeit der Vereinigung von Bürger und Soldat in einer Person,[11] sondern es handelt sich vielmehr um eine Rechtfertigung dafür, das Soldatentum überhaupt in den Status einer Berufsgruppe zu erheben. So beschreibt Clausewitz die kriegerische Tugend des Heeres zunächst derart allgemein, dass sie ebenso gut die Tugenden eines Bäckers, eines Schusters, kurz: jeden anderen Handwerkers abbilden könnten:

 

„Von dem Geiste und Wesen dieses Geschäftes durchdrungen sein, die Kräfte, die in ihm tätig sein sollen, in sich üben, erwecken und aufnehmen, das Geschäft mit dem Verstande ganz durchdringen, durch Übung Sicherheit und Leichtigkeit in demselben gewinnen, ganz darin aufgehen, aus dem Menschen übergehen in die Rolle, die uns darin angewiesen wird: das ist die kriegerische Tugend des Heeres in dem einzelnen.“[12]

 

Clausewitz beschreibt also die kriegerische Tätigkeit der Kämpfer zunächst als ein gewöhnliches Handwerk, welches im allgemeinen dadurch charakterisiert ist, dass es zwar jeder ungeübte Amateur mehr schlecht als recht bewältigen kann, dass es aber durch Übung und Ausbildung erlernt und verbessert werden kann und dass es auf dem höchsten Standpunkt zu einer für den Handwerker identitätsstiftenden Eigenschaft wird. Auf diesem höchsten Standpunkt entsteht eine geistige Verbundenheit zwischen den Handwerkern eines Gewerbes untereinander, die sich folgerichtig „als eine Art Innung ansehen, in deren Ordnungen, Gesetzen und Gewohnheiten sich die Geister  des [Geschäftsganges] vorzugsweise fixieren.“[13] Bemerkenswerterweise beschreibt Clausewitz diesen Innungsgeist als einen sich aus der „Individualität des Geschäftsganges“[14] ergebenden Automatismus und nicht etwa als ein anzustrebendes Ideal, welches die Fertigkeiten und Fähigkeiten des jeweiligen Gewerbes optimiert und die Qualitätsmerkmale des Gewerbes sichert. Dies geschieht allerdings vor dem konkreten Hintergrund einer zeitgeschichtlichen Diskussion, welche durch den Übergang vom kleinen stehenden Heer zum Volks- bzw. Massenheer geprägt war. Dabei argumentierte Clausewitz weder für die eine noch die andere Wehrform, sondern machte auf einen anderen Zusammenhang aufmerksam. Die Vorstellung des Volksheeres ist zunächst leicht, nach welcher jedem Bürger eine Waffe gegeben wird und er im Falle eines Krieges seinen Wehrdienst zu leisten hat. In diesem Falle wäre es ungewöhnlich vom Soldatenberuf zu sprechen und es könnte leicht gesagt werden, dass ein Jedermann Soldat ist und sein kann, unabhängig von dem Beruf, mit dem er sich identifiziert. Nun ist es offensichtlich, dass dieses so genannte Volksheer ohne jegliche Übung zwar an der Zahl sehr groß wäre, der kriegerische Akt aber ein mehr zufälliges, ungelenktes Ereignis sein würde. Auch ein Volksheer bedarf folgerichtig der Übung und Ausbildung, um im kriegerischen Akt besser bestehen und geführt werden zu können. Mit dieser Übung und Ausbildung setzt jedoch der oben beschriebene Prozess der Innungsbildung ein. Es hört also das Volksheer auf etwas allgemeines und in diesem Sinne allgemeinbürgerliches zu sein und wird zu einem spezifischen, in sich geschlossenen Gebilde, zu einem eigenen Stand, einer eigenen Innung – eben zunehmend zu dem, was konkret unter der Bezeichnung eines stehenden Heeres verstanden wird.

 

Die Folgerung daraus ist nun nicht, dass es nur stehende Heere gäbe oder diese den Volksheeren überlegen wären, sondern dass Streitkräfte unabhängig ihrer Rekrutierungs- und Ergänzungsformen einen Innungs- und Korpsgeist entwickeln und dass dieser zu einer höheren Leistungsfähigkeit und einem optimierten Handwerk führt. Clausewitz stemmt sich also erneut gegen einen Zeitgeist, welcher für die reine Überlegenheit der Zahl argumentiert und demnach das Massenheer bevorzugt, es aber ohne die Komponente des Innungsgeistes betrachtet. Vielmehr würde auch ein Massenheer über verschiedene Grade der Professionalität verfügen und der Innungs- oder Korpsgeist ist dabei die entscheidende Grundlage zum Erreichen der höchsten Professionalität. So schreibt er:

 

„Man würde also bei der entschiedensten Neigung, den Krieg vom höchsten Standpunkt aus zu betrachten, sehr unrecht haben, den Innungsgeist (esprit de corps) mit Geringschätzung anzusehen, der mehr oder weniger in einem Heer vorhanden sein kann und muß. Dieser Innungsgeist gibt in dem, was wir kriegerische Tugend des Heeres nennen, gewissermaßen das Bindemittel ab unter den natürlichen Kräften, die darin wirksam sind. Es schießen an dem Geist der Innung die Kristalle kriegerischer Tugend leichter an.“[15]

 

Richtig verstanden handelt es sich bei dem Kapitel über die kriegerische Tugend des Heeres also keineswegs um eine Argumentation für oder gegen eine spezifische Heereskonstitution, es handelt sich vielmehr um die Feststellung, dass unabhängig des konkreten Systems der Korpsgeist – vergleichbar mit dem Innungsgeist bei Handwerkern – eine Voraussetzung ist, um die Qualität der Kämpfer in Beziehung zu den kriegerischen Tugenden sicherzustellen. Gleichwohl dies freilich umso schwieriger wird, je größer die Heere werden bzw. je mehr sich die Kämpfer auch einer anderen Profession bzw. Innung angehörig fühlen. Der Einzelne wird also eher voll und ganz in seinem Soldatenberuf aufgehen, den Geist und das Wesen verinnerlichen, wenn dies die einzige Tätigkeit ist, zu welcher er sich berufen fühlt, als wenn er in der Hauptsache einer anderen gesellschaftlichen Tätigkeit nachgeht, d.h. (im damaligen, nicht im heutigen Sinne) Staatsbürger in Uniform ist und die kriegerische Tätigkeit nur in Nebenfunktion ausübt.

 

Der Korpsgeist ist für Clausewitz dabei keineswegs verklärter Selbstzweck, sondern er hat einen persönlichkeitspsychologischen Hintergrund. So wie der Handwerker durch seine Selbstidentifikation mit seinem Handwerk, d.h. durch seinen Innungsgeist, eine Handwerkerehre entwickelt, die es ihm intrinsisch verbietet, schlechte Arbeit zu leisten oder ein schlechtes Produkt herzustellen, so entwickelt der Soldat durch die Selbstidentifikation mit dem kriegerischen Handwerk und seiner militärischen Einheit einen Korpsgeist, der in Wortanalogie zur Handwerkerehre zur „Ehre seiner Waffen“[16] führt. Diese Waffenehre bewirkt, dass sich die Soldaten nicht ihren Trieben welcher Art auch immer hingeben, sondern dass sie „sich selbst den Forderungen höherer Art, dem Gehorsam, der Ordnung, Regel und der Methode unterordnen“[17].  Was unter dem Begriff der Waffenehre zu verstehen ist bzw. welches Verhalten sie erzeugen soll, beschreibt Clausewitz in einer „Art Bravourstück, in dem sich das literarische Talent und der Sinn für abstrakte Strenge mischen“[18] am besten selbst:

 

„Ein Heer, welches in dem zerstörendsten Feuer seine gewohnten Ordnungen behält, welches niemals von einer eingebildeten Furcht geschreckt wird und der gegründeten den Raum Fuß für Fuß streitig macht, stolz im Gefühl seiner Siege, auch mitten im Verderben der Niederlage die Kraft zum Gehorsam nicht verliert, nicht die Achtung und das Zutrauen zu seinen Führern, dessen körperliche Kräfte in der Übung von Entbehrung und Anstrengung gestärkt sind wie die Muskeln eines Athleten, welches diese Anstrengungen ansieht als ein Mittel zum Siege, nicht als einen Fluch, der auf seinen Fahnen ruht, und welches an alle diese Pflichten und Tugenden durch den kurzen Katechismus einer einzigen Vorstellung erinnert wird, nämlich die Ehre seiner Waffen, - ein solches Heer ist vom kriegerischen Geiste durchdrungen.“[19]

 

Würde für die kriegerische Tugend des Heeres ein einzelnes passendes Wort gesucht, so würde der Begriff Disziplin ihr am nächsten stehen, gleichwohl er nicht alles abdeckt. Kriegerische Tugend des Heeres bedeutet, dass der Einzelne seine Individualität aufgibt und sich – bewusst oder unbewusst – als Teil des Ganzen begreift und sein Schicksal mit dem Schicksal des Heeres bzw. seiner Einheit verbindet. Dies zeigt auch, dass das Bildnis des Krieges als Zweikampf auf der untersten, individuellen Ebene nicht zutreffend ist. Es kann hier zwar zu einem wahren Zweikampf kommen, doch zumeist sind es keine Individuen, die Mann gegen Mann kämpfen, sondern in der Regel Gruppen, die gemeinsam gegen anderen Gruppen kämpfen. Der Krieg erlaubt die Ungestörtheit eines Zweikampfes im eigentlichen Sinne kaum und verlässt somit die Ebene des „erweiterten Zweikampf[es]“[20] selten. Heute wissen wir aus der Soziologie, dass eine eng an persönliche Verantwortung geknüpfte Tapferkeit etwas ganz anderes ist, als die Tapferkeit und der Mut, ja die Stärke, die Individuen empfinden, solange sie sich als anonymes und unmündiges Glied einer Kette sehen, ohne persönliche Verantwortung für die Geschehnisse.  Clausewitz erahnte diesen Unterschied zwischen der kriegerischen Tugend des Heeres und der persönlichen Tapferkeit und betrachtete daher letztere zwar noch als einen notwendigen Bestandteil der kriegerischen Tugend, fügte aber gleichwohl an, dass sie eine ganz spezifische Richtung benötige. Während die Tapferkeit beim gewöhnlichen Menschen eine natürliche Anlage und somit mehr oder weniger vorhanden sei, könne die für die kriegerische Tugend notwenige Tapferkeit einem Jeden durch Gewohnheit und Übung der kriegerischen Tätigkeit beigebracht werden. Sie sei also von einer ganz anderen Natur und habe auch eine andere Richtung, da die Tapferkeit zu einer individuell motivierten Kraftäußerung führe, wohingegen die kriegerische Tugend diese Kraftäußerung bändigen und führbar machen, ihr eben das individuelle Moment entziehen müsse.[21]

 

Die kriegerische Tugend besteht also ganz wesentlich aus zwei Elementen. Zum einen aus dem Kennen und Können des kriegerischen Handwerks. Dies umfasst nicht nur das Beherrschen der persönlichen Waffen und Ausrüstung, sondern auch und insbesondere das kollektive Zusammenwirken mit anderen, z.B. die Ausführung taktischer Methoden und Manöver. Zum anderen besteht die kriegerische Tugend aus dem Umsetzen dieses Kennens und Könnens im Umfeld höchster persönlicher Gefahr und äußerster körperlicher Anstrengung, d.h. aus einem absolut selbstlosen und disziplinierten Verhalten; sie ermöglicht das Beibehalten der erlernten Verfahren auch unter widrigsten Bedingungen. Diese äußerste Disziplin entsteht durch zwei unterschiedliche Größen: zum einen durch die „Gleichgültigkeit gegen die Gefahr“[22], welche entweder eine natürliche Anlage ist oder durch die Kriegsgewohnheit[23] entstehen kann. Doch diese Gleichgültigkeit verfügt über keinen „Bewegungskoeffizienten“[24] und löst darum kaum ein aktives Verhalten aus oder anders, die Gleichgültigkeit mildert zwar die erschwerende Wirkung der Gefahr und der Furcht, sie gibt aber an sich keine Energie, die das Betreiben des kriegerischen Geschäftsganges antreiben könnte. Die absolute Gleichgültigkeit würde also zwar zur Furchtlosigkeit, aber auch zur Lethargie führen und sie wäre somit selbst ein erschwerendes, das Handeln lähmende Element. Die Gleichgültigkeit gegen die Gefahr darf daher stets nur als graduell angenommen werden. Dies bedeutet aber auch, dass die Gefahr im Kriege ihre Wirkung nie in Gänze verlieren kann und die Umsetzung des Erlernten weiterhin behindert.[25] Zur Einhaltung der äußersten Disziplin bedarf es also einer zweiten Größe, welche die Furcht nicht nur mildert, sondern ihr auch als aktives Gegengewicht dient. Dieses Gegengewicht findet sich in der Waffenehre. Diese Größe führt neben dem Können auch zu einem Wollen und setzt der negativen Energie der Angst und Furcht eine positive Kraft entgegen, so dass die Streitkräfte im Angesicht der Gefahr ebenso agieren können und die Linie des Erlernten und Gewollten beibehalten können – wie auf dem Übungs- bzw. Exerzierplatz oder vielleicht noch besser. Die kriegerische Tugend macht das Heer also – wie Aron richtig zusammenfasst – zu einem anwendbaren und verlässlichen Werkzeug in den Händen des Feldherrn, welches mit der Mechanik vergleichbar wird. Weil aber die kriegerische Tugend nichts absolutes ist, sondern in unterschiedlichen Graden vorherrscht, hört darum der Einzelne nie auf, Individuum und Mensch zu sein, was zu der dem Kriege immanenten Friktion führt.[26]

 

Einige Interpreten stellen der oben genannten Gleichgültigkeit nicht die Waffenehre, sondern den Enthusiasmus für die Sache zur Seite. Kleemeier z.B. unterstellt, dass Clausewitz die Idee des aktiv-dynamischen Soldatentypus vertrete, „der das Ungefähr sucht, Einsätze wagt und mit Chancen spielt“[27]. Clausewitz wird hier als Pate für die Innere Führung[28] genutzt, nach welcher der Soldat als Staatsbürger in Uniform kein reiner Befehlsempfänger ist, sondern im Rahmen der Auftragstaktik Freiheiten genießt, seinen Verstand einsetzt und den Auftrag wahrnimmt, weil er von der Richtigkeit der Sache sowie den militärischen Mechanismen überzeugt ist.[29] Dieser Ansicht folge ich ausdrücklich nicht. Der Enthusiasmus für die Sache spielt bei Clausewitz in der Tat eine bedeutsame Rolle, allerdings erst im Zusammenhang mit dem Volksgeist des Heeres, auf den ich später zu sprechen komme. Die kriegerische Tugend hingegen zeichnet sich dadurch aus, dass sie unabhängig von dem Zweck vorhanden ist, um den gefochten wird. Ihr Motiv ist der glänzenden Waffensieg, der durch die Anstrengungen und Entbehrungen des Einzelnen an seinem Platz verwirklicht wird bzw. werden soll.[30] Dies mag heutzutage politisch nicht opportun sein, aber es ist das, was sich aus dem Clausewitz’schen Werk einwandfrei ableiten lässt. Darüber hinaus ist das Maß an Freiheit, welches Clausewitz insbesondere im Rahmen der kriegerischen Tugend dem einzelnen Soldaten zuspricht, durchaus fraglich. Es muss dabei bedacht werden, dass er strikt zwischen dem Heer von Soldaten und deren militärischen Führern unterschied. Der idealtypische Feldherr ist für Clausewitz machtvollkommen, d.h. sein Wille gebietet in absoluter Form über sämtliche Glieder. Daraus folgt, dass jede echte Entscheidungsfreiheit, die einem unterstellten Kämpfer zugebilligt wird, diesem Willen nicht mehr zwingend entspräche und daher zu einem Verlust der Feldherrnautorität führen würde. Die gern angeführte Auftragstaktik hat hingegen weder mit der Überzeugung von der Sache noch mit persönlichen Freiheiten zu tun; hier geht es schlicht um ein optimiertes Handeln der einzelnen Glieder im Sinne des militärischen Führers. Da der Feldherr komplexe Lagen nicht in allen Details durchdringen und in seinem Befehl berücksichtigen kann, wird dem unterstellten Individuum zugebilligt, sein Handeln der Lage entsprechend anzupassen. Er soll also voll und ganz im Sinne des Feldherrn handeln. Die Auftragstaktik bringt den einzelnen Soldaten somit nicht in den Genuss größerer Freiheiten, sondern versetzt ihn viel mehr in die Lage, die Absicht des militärischen Führer noch besser verwirklichen zu können, als dies der Fall sein könnte, wenn ihm dieser jeden einzelnen Schritt befehlen müsste.

 

Verstehen wir die moralische Hauptpotenz der kriegerischen Tugend des Heeres also richtig, so ist es nicht die Beschreibung eines „optimalen Soldaten“[31] oder eines „wahre[n] Krieger[s]“[32], sondern es ist eine in jedem einzelnen Kämpfer mehr oder weniger vorhandene geistige Eigenschaft, welche die Fähigkeit der Streitkräfte beschreibt, auch im feindlichen Feuer die gewohnte Ordnung und das erlernte Kriegshandwerk beizubehalten. Stellt man sich diese geistige Eigenschaft in jedem Einzelnen zum Absoluten getrieben vor, so wäre die Streitkraft emotions- und friktionslos wie ein Uhrwerk und würde auf Befehl des Feldherrn auch widersinnigste Befehle befolgen, solange sie sich im Rahmen des als Kriegshandwerk Erlernten bewegen.

 

Schließlich bleibt es noch, auf eine bemerkenswerte Analogie zur wundersamen Dreifaltigkeit aufmerksam zu machen. Für das politische Gemeinwesen war demnach eines der drei Motive zum Krieg der unbedingte Wille zum Sieg als Selbstzweck. Betrachten wir nun die individuelle Ebene, so wurde hier eine bestimmte Motivationsquelle offenbar, nämlich die sogenannte Waffenehre. Bei der kriegerischen Tugend des Heeres bedarf das Individuum keiner Leidenschaft gegen den Feind und keiner ferner in Aussicht gestellten Entlohnung, um die Disziplin einzuhalten und das kriegerische Handeln zu perfektionieren, sondern es ist die Ehre der Einheit bzw. des Verbandes oder allgemeiner die Ehre der Waffen, welche das Handeln motiviert und hervorruft. Es steckt also auch hier ein unbedingter Wille zum Sieg als Handlungsmotiv hinter dieser moralischen Hauptpotenz. In diesem Sinne kann die moralische Hauptpotenz nicht nur als Eigenschaft betrachtet werden, sondern auch oder sogar vielmehr als Motivationsquelle für das Individuum, welches jedoch zu einem spezifischen Handeln führt – ist das überwiegende Motiv der Individuen der unbedingte Wille zum Sieg bzw. die Waffenehre, so wird die Streitkraft zu einem „Heer, welches in dem zerstörendsten Feuer seine gewohnten Ordnungen behält, welches niemals von einer eingebildeten Furcht geschreckt wird und der gegründeten den Raum Fuß für Fuß streitig macht, stolz im Gefühl seiner Siege, auch mitten im Verderben der Niederlage die Kraft zum Gehorsam nicht verliert, nicht die Achtung und das Zutrauen zu seinen Führern, dessen körperliche Kräfte in der Übung von Entbehrung und Anstrengung gestärkt sind wie die Muskeln eines Athleten, welches diese Anstrengungen ansieht als ein Mittel zum Siege, nicht als einen Fluch, der auf seinen Fahnen ruht, und welches an alle diese Pflichten und Tugenden durch den kurzen Katechismus einer einzigen Vorstellung erinnert wird, nämlich die Ehre seiner Waffen.“[33]

 

 Volksgeist des Heeres

 

Die zweite moralische Hauptpotenz ist der Volksgeist des Heeres. Nach der Entwicklung der kriegerischen Tugend des Heeres fällt es umso leichter, diese Hauptpotenz zu erschließen, auch wenn Clausewitz sie nur am Rande abhandelt. Er schreibt mehr in einem Nebensatz:

 

„Der Volksgeist des Heeres (Enthusiasmus, fanatischer Eifer, Glaube, Meinung) spricht sich im Gebirgskriege am stärksten aus, wo jeder sich selbst überlassen ist bis zum einzelnen Soldaten hinab. Schon darum sind Gebirge für Volksbewaffnungen die besten Kampfplätze.“[34]

 

Der Begriff des Volksgeistes ist uns schon aus dem Kapitel IV.4.2 bekannt und tauchte dort als emotionale Bindungskraft auf, welche das politische Gemeinwesen auf die Durchschnittsbevölkerung ausübt. Hier bezieht sich der Begriff jedoch strikt auf die moralische Potenz der Streitkräfte und ist als solcher vielleicht unglücklich gewählt, da er zu Missverständnissen einlädt. So begreift Aron die moralische Hauptpotenz des Volksgeistes als eine moralische Energiequelle, welche das gemeine Volk in Abgrenzung zum stehenden Heer zum Widerstand gegen einen eindringenden Feind bewegen soll.[35] Hintergrund ist die Verknüpfung dieser Hauptpotenz mit der Volksbewaffnung. Ferner lädt der Begriff des Volksgeistes dazu ein, sich darunter eine Art Verbundenheit zwischen Heer und Volk oder vielleicht auch eine besondere Volksnähe des Heeres vorzustellen. All dies führt jedoch in die Irre, denn was Clausewitz hier meint, liest sich vor allem in den Klammern: Enthusiasmus, fanatischer Eifer, Glaube, Meinung. Wie er von diesen Begriffen etymologisch auf den Begriff Volksgeist des Heeres kommt, sei anderen Forschern überlassen, hier reicht uns dieser Klammersatz um den Volksgeist als eine eigene, individuelle Motivationsquelle in Abgrenzung zur Waffenehre zu verstehen.

 

Im Kapitel IV.4.2 habe ich den Volksgeist als eine mehr oder weniger vorhandene Größe definiert, mit welcher sich das einzelne Individuum als organischen Teil des politischen Gemeinwesens betrachtet, sich mit ihm emotional verbindet und einen persönlichen Anteil an dessen Schicksal nimmt. Das politische Gemeinwesen wurde dadurch zu einem lebendigen, emotional verletzlichen und leidenschaftsfähigen Wesen, welches mit kollektivem Hass gegen seine Feinde entbrennen konnte.[36] Wenden wir diese abstrakte Sichtweise nun auf den konkreten Einzelfall des Kämpfers an, so ist auch dieser – wenn man es so nennen will – ein Bürger des politischen Gemeinwesens und hat als solcher eine mehr oder weniger vorhandene emotionale Verbindung zu dem Schicksal des politischen Gemeinwesens und somit auch zu den Zwecken und Hintergründen des Krieges. Er empfindet ebenso die emotionale Bindungskraft seines politischen Gemeinwesens, sei sie auf Religiosität, Nationalität, Ideologie oder ähnlichem gegründet, welche ihn als Individuum von der gegnerischen Konfliktpartei in seinem Bewusstsein unterscheidet. Diese Polarisierung kann, wie die Geschichte massenhaft zeigt, soweit führen, dass dem Gegner das Menschsein abgesprochen wird, nur weil er einer anderen Ethnie, Religion, Nationalität usw. angehört.

 

Mit steigender Selbstbindung an das Kollektiv des politischen Gemeinwesens als Ganzem, steigt also auch die kollektive Leidenschaftsfähigkeit gegenüber dem Feind bzw. für die eigene Sache. Es ist dies also eine individuelle Motivationsquelle für das kriegerische Handeln auf individueller Ebene der Kämpfer. Die Bereitschaft zum Kampf, d.h. zum Töten, aber auch zum Getötet werden, steigt, weil sich der Einzelne als Teil eines größeren Ganzen betrachtet und für diese Sache leidenschaftlich entbrennt.

 

Dem scharfsinnigen Clausewitz ist jedoch nicht verborgen geblieben, dass sich diese Motivationsquelle von der kriegerischen Tugend sehr trennscharf unterscheiden lässt. Bei der kriegerischen Tugend handelt es sich um so etwas wie eine – auch wenn der Vergleich unangemessen erscheint – Handwerkerehre, welche an die Einhaltung von Ordnung und Methoden geknüpft ist, bei welcher es darum geht, im Handwerk überlegen zu sein, kunstvolle Bewegungen effizienter auszuführen, schlicht und einfach besser zu sein und dadurch der Waffenehre gerecht zu werden. Es liegt hier also ein Wettkampfgedanke zugrunde und in diesem Sinne führt die kriegerische Ehre zuallererst zur Disziplin, d.h. zum strikten Befolgen klar definierter Regeln. Dies schließt sicherlich das Töten von Wehrlosen nicht gänzlich aus, es macht dies aber zu einer niederen Angelegenheit, die der Waffenehre nicht zuträgt, denn diese sucht die Herausforderung und den Wettkampf, um ruhmreich zu sein; das Töten von Wehrlosen gibt dies nicht her.

 

Der polarisierende Volksgeist hat hingegen keine natürliche Verbindung zum kriegerischen Handwerk, er identifiziert sich also nicht mit diesem „Geschäftsgang“[37]. Der kriegerische Akt ist hier kein Selbstzweck, sondern es geht dem Volksgeist konkret darum, dem Gegner Leid zuzufügen bzw. die eigene Sache durchzusetzen. Dies führt zu einem „Trieb nach ungezügelter Tätigkeit und Kraftäußerung“[38], der sich allerdings nicht oder nur rudimentär in eine militärische Ordnung und Gehorsam pressen lässt. Das Individuum will seinem Gegner schaden und für die kollektive Sache kämpfen. „Eine Große Gewalt und Hitze im Anlauf, aber wenig kaltes Blut und wenig Nachhalt in der Dauer“[39] sind die Eigenschaften des durch den Volksgeist beseelten Kämpfers. Dem steht jedoch die strenge Disziplin einer kunstvollen Militärmaschinerie entgegen, welche die Individuen „den Forderungen höherer Art, dem Gehorsam, der Ordnung, Regel und der Methode unterordnen“[40] will. Dem Volksgeist liegt daher der individuelle Kampf und das selbstständige Handeln, losgelöst aus der Formation und den militärisch kollektiven Methoden, viel näher. Für den vom Volksgeist beseelten Kämpfer ist der Krieg eine persönliche Angelegenheit, von welcher er individuell überzeugt ist. Er steht daher einem vorgesetzten Befehlshaber hinterfragend und tendenziell skeptisch gegenüber, weil er eben eine eigene Meinung und Überzeugung hat. Im Gegensatz dazu hält es der von der kriegerischen Tugend Beseelte für seine ehrenvolle Pflicht und erste Tugend, Befehle von seinem legitimen Vorgesetzten zu befolgen; Ungehorsam ist für ihn zu allererst eine Schande und bedarf sehr ehrenvoller Absichten, um legitimiert zu werden. Für den Volksgeist ist der Befehl hingegen nur solange verbindlich, wie er ihm sinnvoll und auf sein Motiv ausgerichtet zu sein erscheint. Schließlich muss festgestellt werden, dass während die kriegerische Tugend den Wettbewerb und die Herausforderung sucht, der Volksgeist hiervon nicht angetrieben ist, d.h. es ihm tendenziell näher liegt, den schwachen und hilflosen Teil des Gegners anzugreifen, als den wehrhaften und starken. Dies unter anderem auch, weil er den Krieg nicht nur als Abmessen zwischen den Streitkräften betrachtet, sondern weil er ihn als Kampf des Ganzen politischen Gemeinwesens gegen das andere Ganze ansieht.

 

Nun könnte der Begriff des Volksgeistes in dem Sinne erweitert werden, dass auch eine Einbeziehung sämtlicher persönlicher Überzeugungen und Emotionen in Betracht käme. Ich habe gesagt, der Volksgeist sei die emotionale Selbstidentifikation des Individuums über einen bestimmten Bezugspunkt (Zugehörigkeit zu Volk, Ethnie, Religion, etc.) mit dem politischen Gemeinwesen.[41] Nun kann ein Individuum aber auch ohne diesen Volksgeist viele andere individuelle Motive haben, um den Kampf gegen den Feind aufzunehmen. Stellen wir uns eine Person vor, die in einem gewaltsamen Übergriff die engsten Familienangehörigen verloren hat, so können wir uns leicht vorstellen, wie sie von Rache beseelt in eine ähnliche Motivationslage verfällt wie der vom Volksgeist motivierte Kämpfer. Es stellt sich also die Frage, warum der Volksgeist so eng definiert ist und nicht weiter gefasst wurde. Die Gründe dafür finden sich zwar nicht bei Clausewitz, doch sie sind nichtsdestotrotz recht naheliegend:

 

Der Wunsch nach Rache und andere persönliche Motive und Veranlagungen sind wahrhaft individuell und daher auf beiden Konfliktseiten gleichermaßen potenziell vorhanden. Sie verlassen die individuelle Ebene jedoch nicht und bleiben in diesem Sinne ein Einzelfall, wenn auch unter Umständen ein massenhaft auftretender. Die individuelle Feindschaft spielt daher bei Clausewitz sehr wohl eine bedeutsame Rolle,[42] allerdings nicht als moralische Hauptpotenz, da sie eben nicht die unterschiedliche moralische Potenz von Streitkräften differenziert beschreibt, sondern generell individuell vorhanden ist. Der Volksgeist ist hingegen im Sinne einer Durchschnittsbetrachtung durchaus kollektiv bestimmbar und daher eine Größe, die in einer Streitkraft recht konsistent mehr oder weniger vorhanden sein kann und in diesem Sinne ein Unterscheidungskriterium zwischen verschieden Streitkräften darstellt. Im Übrigen ist der Volksgeist, anders als Kleemeier impliziert,[43] eine sehr verlässliche Größe, welche die Intensität und Richtung von Reaktionen vorherbestimmbar macht. Führen wir uns z.B. die Reaktionen der islamischen Welt auf die Mohammedkarikaturen 2005/2006 vor Augen, so ist dies durchaus auf einen kollektiv vorhandenen, religiös geprägten Volksgeist zurückzuführen und nicht nur auf die Summe individueller und in diesem Sinne zufälliger Meinungen. Dieser Volksgeist ändert seine Intensität und seinen Bezugspunkt auch nicht kurzfristig, sondern bleibt eine recht konstante Größe. Der Volksgeist ist also in einer Streitkraft mehr oder weniger vorhanden und er beschreibt die Fähigkeit des Durchschnittseinzelnen, gegen das gegnerische politische Gemeinwesen bzw. für die Sache leidenschaftlich zu entbrennen.

 

Findige Interpreten könnten nun schlussfolgern, dass der optimale Soldat beide moralischen Hauptpotenzen in sich vereinigen müsse. Doch die Frage nach dem optimalen Soldaten muss ebenso unbeantwortet bleiben wie die Frage nach der optimalen Strategie oder der Sinnhaftigkeit des Krieges überhaupt. Festzustellen bleibt nur, dass es diese moralische Hauptpotenz gibt und dass sie im normativen Sinne zweckmäßig und auch unzweckmäßig genutzt werden kann, um den politischen Zweck des Krieges zu realisieren. Dabei darf jedoch nicht unterschlagen werden, dass die kriegerische Tugend und der Volksgeist zwar in Bezug auf die Bereitschaft zum Kampf korrelieren, sich aber mit Blick auf die Art und Weise des Kampfes in großen Teilen widersprechen. Ich habe dies oben bereits dargelegt: gehorsame und selbstaufopferungsvolle Disziplin auf der einen, leidenschaftliche und zügellose Triebentfaltung auf der anderen Seite. Gleichwohl können diese Potenzen freilich in ein und derselben Person und in ein und derselben Streitkraft wirksam sein, es muss aber eine Stärkung der einen Potenz ab einem bestimmten Grade als eine Schwächung der anderen Potenz gedacht werden.

 

Abschließend bleibt das Offensichtliche anzumerken, nämlich die Existenz einer Verbindung zwischen dem Volksgeist des Heeres auf taktischer Ebene und der Leidenschaft und dem Hass auf der politischen Ebene[44]. Der Zusammenhang ist so eindeutig, dass man diese beide Größen fast als identisch betrachten könnte, aber es gibt einen guten Grund dies nicht zu tun: Zwar können wir uns nur schwerlich ein politisches Gemeinwesen vorstellen, in welchem die allgemeine Bevölkerung leidenschaftlich gegen einen Feind entbrennt, die Streitkräfte aber weitestgehend emotionslos ihrer kriegerischen Tätigkeit nachgehen. Gleichwohl ist aber eine Konstellation vorstellbar, in welcher die Bevölkerung von wenig Volksgeist beseelt ihren privaten Tätigkeiten nachgeht und die politischen Dinge mit großem Desinteresse hinnimmt, in den Streitkräften sich aber ein sehr großer Volksgeist manifestiert und sie entsprechend einen sehr hohen Grad an Leidenschaftsfähigkeit gegenüber der Sache und dem Feind aufbringen. Es kann also gesagt werden, dass eine sehr große Leidenschaft auf politischer Ebene regelmäßig auch zu einer großen Leidenschaft auf taktischer Ebene führt, dass aber dieses nicht vice versa gilt und aus einer fehlenden Leidenschaft auf politischer Ebene nicht zwingend auf einen nicht vorhandenen Volksgeist in den Streitkräften geschlossen werden darf.

 

 Talente des Feldherrn

 

Als weitere moralische Hauptpotenz nennt Clausewitz das Talent des Feldherrn. Hier urteilt Aron etwas vorschnell, wenn er schreibt, dass dies diejenige moralische Hauptpotenz sei, welche Clausewitz am ausführlichsten analysiere.[45] Hintergrund ist eine naheliegende Verwechslung zwischen verschiedenen Ebene. Die moralische Größe, welche Clausewitz sehr ausführlich untersucht und auf welche Aron hier anspielt, ist der kriegerische Genius, welcher von mir im Kapitel V.5.3 sehr ausführlich behandelt wurde. Hierbei handelt es sich zwar zweifelsfrei um ein Talent des Feldherrn, dies ist aber sorgfältig von dem Begriff der moralischen Hauptpotenz zu unterscheiden, denn der kriegerische Genius des Feldherrn stellt nur sehr bedingt eine moralische Potenz für die Streitkräfte dar.

 

Der kriegerische Genius ist ein Begriff der strategischen Ebene und er ist auch dort wirksam. Der Feldherr bestimmt Raum, Zeit, Kräfteansatz sowie Ziel der einzelnen Gefechte und bestimmt somit maßgeblich die physischen Rahmenbedingungen derselben. Der Feldherr kann im Gefecht eine Überlegenheit der Zahl sicherstellen, er kann das Gelände günstig wählen, er kann durch die Zeitbestimmung die Kräfte ausgeruht angreifen lassen und er kann all diese physischen Größen in ein sinnvolles Verhältnis zu dem angestrebten Ziel setzen. Doch innerhalb dieser äußeren Bedingungen muss die Streitkraft kämpfen und im Rahmen dieses Kampfes spielen die moralischen Kräfte eine bedeutsame Rolle – ein unmittelbarer Einfluss, d.h. eine Bestimmung der moralischen Größen, ist dem Feldherrn jedoch erkennbar nicht gegeben. Seine Aufgabe ist es vielmehr, die moralischen Kräfte zuvor treffend abzuschätzen und die Rahmenbedingungen dementsprechend einzurichten;[46] dies kann aber unmöglich als moralische Hauptpotenz verstanden werden, da es unsinnig wäre, wenn die richtige Einschätzung des Streitkräftewertes den Streitkräftewert selbst beeinflussen würde. Vor diesem Hintergrund sehe ich drei mögliche Interpretationen der moralischen Hauptpotenz „Talente des Feldherrn“[47]:

 

              1. Talente des Feldherrn als Ausgleich für sonst schwache moralische Kräfte

 

Um Arons Interpretation aufzugreifen könnte die hier betrachtete moralische Hauptpotenz in der Tat als der kriegerische Genius des Feldherrn verstanden werden, d.h. als das strategische Geschick des Feldherrn, die Gefechte klug einzurichten. Dies würde zu der schlichten Erkenntnis führen, dass mit einer guten Strategie ein Krieg gewonnen werden könnte, auch wenn die moralischen Kräfte der kämpfenden Truppe unterlegen sein würden. Die besondere moralische Schwäche eigener Kräfte könnte also durch geschickte Anordnung der Gefechte, durch glückliche Truppenkonzentration, strategische Überraschung und kühne Märsche ausgeglichen werden.

 

Dies ist zweifelsohne wahr, aber es impliziert ein anderes Verständnis des Begriffs der moralischen Hauptpotenz als hier vertreten. Eine solche Interpretation würde den Begriff der moralischen Hauptpotenz nicht auf das strategische Kalkül der Anordnung von Gefechten beziehen, sondern auf das politische Kalkül der Anordnung des Krieges. Sicherlich mag also ein politischer Entscheidungsträger das Genie des Feldherrn als eine moralische Potenz in seinen Kräftevergleich aufnehmen; er müsste dann aber richtigerweise sagen: die eigenen Streitkräfte haben eine taktische Schwäche, diese kann jedoch durch die strategische Stärke des Feldherrn ausgeglichen werden.

 

Diese Interpretation ist also möglich, sie würde aber dem bisher vertretenen Verständnis der moralischen Hauptpotenz entgegenstehen. Denn das Clausewitz’sche Hauptwerk wurde in erster Linie für den Strategen verfasst und auf der Ebene der Strategie zählt der Feldherr nichtmehr zu den Streitkräften, sondern er ist der leitende Verstand, welcher die einzelnen Gefechte bestimmt und diese den Streitkräften zuweist. Bei diesen Bestimmungen kann er nun nicht sein eigenes Genie als Vergleichskriterium hinzuziehen. Der Feldherr muss den Kampfwert seiner Truppen trefflich bemessen, um zu wissen mit welchem Zahlenverhältnis zum Feind er ein Gefecht eingehen darf. Sind seine Truppen also an moralischer Stärke überlegen, so kann er die physische Zahl kleiner wählen und trotzdem auf einen Sieg hoffen. Ist aber der Fall gesetzt, dass seine Truppen an Volksgeist und kriegerischer Tugend unterlegen sind, so kann er dies nicht durch sein Genie unmittelbar ausgleichen und den Kampfwert seiner Truppen heben. Er kann also sein eigenes strategisches Genie nicht in die Stärke seiner Kräfte mit einbeziehen und darum unbeirrt mit einem ungünstigen Kräfteverhältnis das Gefecht eingehen. Sein strategische Geschick zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass er die Schwäche seiner Kräfte trefflich erkennt und darum die zahlenmäßige Überlegenheit durch Überraschung örtlich herstellt. Die zahlenmäßige Überlegenheit muss der Feldherr aber herstellen, weil seine Kräfte moralisch unterlegen sind und so wäre es begrifflich irreführend, das strategische Genie des Feldherrn als eine moralische Hauptpotenz neben den beiden anderen zu betrachten.

 

              1. Fähigkeit des Feldherrn, die taktischen Methoden kunstvoll anzuwenden

                Nun tritt der Feldherr jedoch nicht nur als strategischer Führer auf, welcher die Gefechte plant, vorbereitet und bestimmt, sondern gelegentlich auch als taktischer Führer, d.h. als örtlicher Befehlshaber im Gefecht oder auch als Truppenführer.[48] Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass Clausewitz hier begrifflich unscharf gearbeitet hat.[49] Als Talent des Feldherrn könnte hier also die Fähigkeit zur Truppenführung, d.h. zum kunstvollen Gebrauch der Streitkräfte innerhalb des Gefechts in Betrachtung kommen und es kann dabei nicht geleugnet werden, dass die Art und Weise der Aufstellung und Führung ein entscheidender Faktor für den Wert der Streitkräfte ist. Für diese Interpretation sprechen zwei Textpassagen:

 

„Indessen ist es wahr, daß in der neueren Zeit die Heere der europäischen Staaten ziemlich alle auf denselben Punkt von innerer Fertigkeit und Ausbildung gekommen sind, und daß das Kriegführen sich, mit einem Ausdruck des Philosophen, so naturgemäß ausgebildet hat, dabei zu einer Art Methode geworden ist, die ziemlich alle Heere innehaben, daß auch von seiten des Feldherrn auf die Anwendung besonderer Kunstmittel im engeren Sinn (etwa wie Friedrichs des Zweiten schiefe Schlachtordnung) nicht mehr zu rechnen ist. Es ist also nicht zu leugnen, daß, wie die Sachen jetzt stehen, dem Volksgeist und der Kriegsgewohnheit des Heeres ein um so größerer Spielraum bleibt. Ein langer Friede könnte dies wieder ändern.“[50]

 

In dieser ersten Textpassage wird deutlich, dass Clausewitz die von Friedrich angewandte schiefe Schlachtordnung[51] für ein taktisches Kunstmittel hält, welches auf die Talente des Feldherrn zurückzuführen ist. Nun muss richtigerweise gesagt werden, dass Friedrich diese Schlachtordnung nicht erfunden hat, sondern dass er sie nur glücklich ausgewählt hat. Bemerkenswert ist hierbei die fast schon abwertende Bezeichnung der allgemein üblichen Schlachtaufstellung als eine „Art Methode“[52] und die sich davon abgrenzende Beschreibung der schiefen Schlachtordnung als „die Anwendung besonderer Kunstmittel“[53]. Fraglich ist, ob es sich hierbei nicht um eine Verklärung der friderizianischen Kriegskunst handelte, da es sich offensichtlich in beiden Fällen um eine Methode oder – wie man will – um ein Kunstmittel handelte; nur dass Friedrich eben auf ein für seine Zeit unübliches Mittel zurückgriff und darum den Gegner überraschte.

 

Nun könnten wir also die hier betrachtete moralische Hauptpotenz als Gegenstück zu der kriegerischen Tugend des Heeres betrachten. Während die letztere demnach die Fähigkeit des Heeres bezeichnet, die Ideen und Befehle des militärischen Führers umzusetzen, würden die Talente des Feldherrn die Fähigkeit des taktischen Führers beschreiben, Ideen und Methoden kunstvoll, kreativ und schöpferisch zu entwickeln und anzuweisen. Tatsächlich scheint es so, dass ein besonders talentierter Truppenführer die Kampfkraft eines undisziplinierten, von wenig Volksgeist und kriegerischer Tugend durchdrungenen Heeres erheblich steigern kann, dass er also jene moralischen Schwächen durch eine geschickte Aufstellung auszugleichen weiß. Eine solche Sichtweise, die Clausewitz möglicherweise tatsächlich vorschwebte, birgt allerdings einige Schwierigkeiten. Dies deutet sich bereits im folgenden Textauszug an, der zwar die hier vorgebrachte Interpretation stützt, gleichwohl jedoch einen merklich Widerspruch hervorbringt:

 

„Die kriegerische Tugend ist für die Teile überall, was der Genius des Feldherrn für das Ganze ist. Nur das Ganze kann der Feldherr leiten, nicht jeden einzelnen Teil, und wo er den Teil nicht leiten kann, da muß der kriegerische Geist sein Führer werden. Der Feldherr wird gewählt nach dem Ruf seiner ausgezeichneten Eigenschaften; die vornehmeren Führer großer Haufen nach sorgfältiger Prüfung; aber diese Prüfung nimmt ab, je tiefer man hinuntersteigt, und in eben dem Maße dürfen wir also weniger auf individuelle Anlagen rechnen; was aber an diesen abgeht, muß die kriegerische Tugend ersetzen.“[54]

 

An dieser Stelle wird deutlich, dass das taktische Geschick, welches der örtliche Befehlshaber aufwendet, um seine Kräfte für das Gefecht aufzustellen und sie darin zu führen, nicht ausreichen kann, um die Summe aller Teile in jedem Detail zu führen und zu lenken. Er kann nur einen Plan bzw. eine Idee entwickeln und er ist auf untergeordnete Führer angewiesen, die dies umsetzen. So geht es eine Kette hinab, bis wir wieder beim einzelnen Individuum sind, welches mit Gehorsam den Plan seines Vorgesetzten umsetzt. Dort, wo der örtliche Befehlshaber nicht den einzelnen Teil oder gar das Individuum anleiten kann, da entsteht notwendigerweise ein Freiraum, der durch Entscheidungen anderer ausgefüllt werden kann und muss. In diesem Sinne sind nicht nur die taktischen Talente des örtlichen Befehlshabers von Bedeutung, sondern es müssen auch die untergeordneten militärischen Führer bis hin zum einzelnen Kämpfer mit der Fähigkeit zur taktischen Kriegsführung ausgestattet sein, um den übrigen gestalterischen Freiraum zweckmäßig und kunstvoll auszuschöpfen. Schließlich muss auch zugegeben werden, dass jeder Einzelne sich zu einem gewissen Grade selbst führt und in diesem Sinne zumindest über einen Bruchteil dieser Fähigkeit verfügen sollte.

 

Ich komme damit zu der kritischen Frage, ob die taktischen Fähigkeiten des örtlichen Befehlshabers tatsächlich etwas anderes sind als ein immanenter Teil der kriegerischen Tugenden des Heeres. Ich habe oben gesagt, dass die kriegerische Tugend im Wesentlichen aus zwei Elementen besteht: Dem Kennen und Können des kriegerischen Handwerks, d.h. dem Beherrschen von Waffen, Ausrüstung, taktischen Methoden usw. einerseits sowie der Disziplin, die erlernten Verfahren auch im erschwerenden Mittel des Krieges anzuwenden andererseits. Dabei muss jedoch nicht jedes Individuum alles können, sondern es gibt Fachgebiete, die Waffengattungen genannt werden. So unterscheidet auch Clausewitz zwischen Infanterie (Fußvolk), Kavallerie (Reiterei) und Artillerie,[55] wobei dies freilich eine epochale und keine abstrakte Betrachtung ist und darüber hinaus nur einen Auszug darstellt, denn innerhalb wie außerhalb jeder Waffengattung gab es auch zur Zeit Clausewitz‘ nochmals weiter differenzierbare Aufgaben. Jede Waffengattung hat dabei einen eigenen Aufgabenbereich, woraus sich auch unterschiedliche Grundsätze, Methoden, Verfahrensarten usw. ergeben. Diese dienen einerseits dazu, einen erhaltenen Befehl zu verstehen und im Sinne des Befehlsgebers treffend umzusetzen. Andererseits bieten sie aber auch Richtlinien, um Handlungsfreiräume zu gestalten ohne dass ein Befehl gegeben wurde oder gegeben werden konnte. Im weitesten Sinne sind diese Richtlinien freilich auch Befehle, doch sind es eben Grundsatzbefehle und dies impliziert, dass dem Individuum mehr Urteilsfreiheit in der Anwendung überlassen wird, dass es also im konkreten Fall selbst entscheiden kann oder muss, ob die Grundlage für die Anwendung der Handlungsanweisung vorliegt.[56] Aus den unterschiedlichen Aufgabenbereichen der  Waffengattungen ergeben sich dabei auch unterschiedliche Anforderungen an die individuellen Eigenschaften. Zwar ist Jedermann in der Lage, ein entsprechendes Handwerk zu erlernen, doch um zu wahrer Perfektion zu gelangen, bedarf es auch einer persönlichen Veranlagung, die der jeweiligen Tätigkeit entspricht.

 

Ich behaupte nun, dass die Fähigkeit zur Truppenführung nichts anderes ist als ein Teil der kriegerische Tugend des Heeres. Natürlich sind es ganz besondere Anforderungen, die an das Persönlichkeitsprofil des Truppenführers gestellt werden und auch sind seine Aufgabenfelder deutlich unterschiedlich von denen eines gemeinen Soldaten – doch liegt dies voll und ganz im Rahmen des Prinzips der unterschiedlichen Waffengattungen. Entsprechend dem Grundgedanken der kriegerischen Tugenden verfügt aber auch ein Truppenführer über Grundsätze, Methoden und Verfahrensweisen, die gewissermaßen eine Norm darstellen, um den Handlungsspielraum, welchen seine Vorgaben ihm lassen, mit Entscheidungen auszufüllen.[57] Anders als eine gewisse Vorstellungsart uns glauben machen will, ist der taktische Führer nämlich kein freischaffender Künstler, sondern er ist sehr eng an technische Begrenzungen und Fähigkeiten sowie taktische Methoden und Verfahrensarten gebunden, welche durch ihn und seine Mitstreiter im Vorfeld eingeübt wurden. Finden wir nun einen taktischen Führer, der seine Kräfte mit besonders schöpferischer Kreativität anordnet, taktische Methoden mit listigem Witz anwendet und seine Gegner regelmäßig überrascht, so tut er dies schließlich nicht außerhalb des kriegerischen Handwerks oder weil er nicht vom kriegerischen Geiste durchdrungen wäre, sondern weil er eben dies in besonderem Maße ist und über eine besonders hohe Qualität des militärischen Könnens verfügt, die ihn in seinem Handeln leitet. Wenn nun dagegen gewandt wird, dass die herausragenden Truppenführer vor allem dadurch hervorstechen, dass sie Neues und Unkonventionelles gewagt haben, so findet sich dies in einer einfachen Handwerkerweisheit wieder: Nur der Meister bricht die Form. Schließlich ist der herausragende Truppenführer nicht besonders gut, weil er Unkonventionelles wagt, sondern weil das Unkonventionelle, was er wagt, treffender ist, als die Anwendung des Konventionellen.

 

Nach meinem Standpunkt ist also die Fähigkeit zur Truppenführung ein Teil der kriegerischen Tugend des Heeres, da die Anwendung von taktischen Methoden, die Aufstellung und Anordnung der Kräfte, die Planung von Bewegungsachsen und Stellungen nicht mehr und nicht weniger zum kriegerischen Handwerk gehört als die unmittelbaren Kampfhandlungen selbst. Dass die Truppenführung dabei eine Geistestätigkeit ist, dass sie mehr als alle anderen Tätigkeiten auf komplexen, vielfältigen, eigentümlichen und oftmals auch unbekannten Größen gegründet werden muss,[58] dass sie darum keine Perfektion erfahren kann,[59] der Kreativität mehr Raum bietet und darum mehr Kunst als Handwerk ist,[60] dass darum nur das Talent dem Individuum zur Virtuosität in der Aufgabenwahrnehmung verhelfen kann,[61] ist davon unbenommen; gleichwohl ist aber festzustellen, dass es auch für die Truppenführung innerhalb von sozialen und technischen Epochen gültige Regeln und Grundsätze gibt,[62] dass sie also zu einem gewissen Grade auch erlernbar ist,[63] dass das Kennen und Wissen um diese Regeln und Grundsätze die erste und wichtigere Voraussetzung ist und also vor dem Talent kommt,[64] dass aber ebenso in den praktischen Tätigkeiten das Genie eine Perfektionierung herbeiführen kann und dass darüber hinaus die Fähigkeit zum Truppenführen nicht nur beim Feldherrn von Bedeutung ist, sondern dass sie im entsprechenden Grade auch in der Befehlshaberkette bis hin zum einzelnen Kämpfer vorhanden sein muss. All dies spricht sehr dafür, die Fähigkeit zur Truppenführung nur als einen Teil des kriegerischen Geistes bzw. der kriegerischen Tugend zu verstehen. So bilden Truppenführung und Disziplin zwei Seiten ein und derselben Medaille, denn der Befehl kann ohne den Gehorsam nicht existieren und vice versa.

 

Was durch Clausewitz tatsächlich angesprochen wird, bleibt indessen wahr. Es ist die herausgehobene Individualstellung des örtlichen Befehlshabers. Wie kein anderer vermag der taktische Befehlshaber eines Gefechts durch eine glückliche Aufstellung der Kräfte eine positive Entscheidung jenseits der übrigen Größen herbeizuführen und andersherum kann er durch eine sehr ungünstige Aufstellung den Untergang der im Übrigen überlegenen Streitkraft verursachen. Rechtfertigt dies aber, sein Talent als eigenständige moralische Hauptpotenz zu betrachten? Zunächst muss dem entgegengehalten werden, dass ein unterstellter Befehlshaber eine unglückliche Entscheidung des taktischen Führers durch einen glücklichen Zug ebenso gut aufheben, ja sogar umwandeln kann, dass also die Bedeutung des Truppenführers im Einzelfall sehr variabel ist und dass je nach Einsatzverfahren der Streitkraft die Macht und damit auch die Bedeutsamkeit des obersten taktischen Führers aufgeteilt und aufgehoben wird. Zudem muss ferner berücksichtigt werden, dass an dieser Stelle nicht nur Hauptschlachten zu betrachten sind, sondern dass die Armee eines Feldzugs vielfach geteilt werden kann, so dass mehrere Gefechte parallel zueinander geführt werden müssen. Dieser Umstand führt unweigerlich dazu, dass der taktische Führer vor Ort nicht mehr nach „dem Rufe seiner ausgezeichneten Fähigkeiten“[65] ausgewählt werden kann, sondern dass es sich bei ihm zunehmend um einen Durchschnittstypen handeln muss, der weniger auf sein Genie und sein Talent zurückgreifen kann. Auch dies lässt es sinnvoller erscheinen, die Talente des taktischen Führers unter den Begriff der kriegerischen Tugend des Heeres zu subsumieren und als Teil des Ganzen zu verstehen. So wie also die kriegerische Tugend eines bestimmten Verbandes die durchschnittliche kriegerische Tugend der Gesamtstreitkraft anheben kann, so kann auch die kriegerische Tugend des taktischen Führers die kriegerische Tugend der Gesamtstreitkraft positiv beeinflussen.

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass diese zweite Interpretationsmöglichkeit durchaus verwendbar ist und auch einiges dafür spricht, dass Clausewitz es genau so gemeint haben könnte. Trotzdem weist sie einige Widersprüche auf und ist insbesondere nicht trennscharf gegenüber der moralischen Hauptpotenz der kriegerischen Tugend des Heeres. Ich halte es für deutlich sinnvoller, den militärischen Führer im Gefecht als einen Teil der Streitkraft zu begreifen und ihm also ebenso sowohl Volksgeist als auch kriegerische Tugend des Heeres zu unterstellen. Seine individuelle Stellung ist dabei durchaus herausgehoben und dies rechtfertigt auch eine gesonderte Betrachtung und Würdigung seiner Person. Ich verstehe die zitierten Textpassagen als einen Hinweis darauf – eine Eigenständigkeit als moralische Hauptpotenz in dem Sinne wie der Begriff hier verwendet wird erschließt sich mir jedoch nicht. Ich will daher eine dritte Interpretation der hier gesuchten moralischen Hauptpotenz in Betracht ziehen.

 

              1. Vertrauen in die Talente des Feldherrn als Motivationsquelle

 

Im Begriff der moralischen Hauptpotenz liegt, dass sie die übrigen zum Kampfe notwendigen moralischen Kräfte – Mut, Tapferkeit, Leidensfähigkeit usw. – steigert, dass sie also als eine Art Energiequelle dient und den Willen zum Kampf stärkt. Ferner soll sie nicht nur individuell-persönlich und in diesem Sinne zufällig vorhanden sein, sondern es soll über sie eine kollektive Aussage möglich sein, so dass einer Streitkraft als Ganzes ein bestimmtes Maß dieser Hauptpotenz zugesprochen werden kann.

 

Die Talente des Feldherrn im eigentlichen Sinne sind dazu zunächst nicht geeignet, denn es sind nur unmittelbar seine Talente, nicht aber die seiner Streitkräfte. Dennoch finden wir, dass der Wirkungskreis der Persönlichkeit des Feldherrn größer ist als sein unmittelbares Handeln und Befehlen, dass nämlich der Ruf von seinem Talent eine moralische Wirkung erzeugt, die auf die moralischen Kräfte seiner Untergebenen einwirkt. Bestimmt der Feldherr seine Streitkräfte zu einem Gefecht, so ist es doch etwas anderes, ob diese vom Vertrauen in seine Fähigkeiten und Talente überzeugt und durchdrungen sind oder ob sie seinen Anordnungen skeptisch gegenüber stehen und an seinem Geschick zweifeln. Im ersten Falle gehen sie voller Eifer und im Glauben an einen einfachen Sieg in das Gefecht und werden aufkeimende Widerstände als letztes Aufbäumen des Gegners bewerten. Im zweiten Falle werden sie das erste Anzeichen von Gegenwehr für eine große Katastrophe halten und ausweichen, um ihr Leben zu retten und sich vor dem Untergang zu bewahren. Es lässt sich also sagen, dass die Talente des Feldherren in dem Sinne eine moralische Hauptpotenz sind, als dass ihr Ruf Vertrauen, Zuversicht und Hoffnung spendet, die moralischen Kräfte also anhebt.

 

Um diese erste Gedankenformulierung näher zu präzisieren, muss die hier betrachtete moralische Wirkung gegen die Wirkung der kriegerischen Tugend abgegrenzt werden. Auch dort heißt es, ein Heer sei von der kriegerischen Tugend durchdrungen, „wenn es auch mitten im Verderben [...] nicht die Achtung und das Zutrauen zu seinen Führern“[66] verliert. Clausewitz meint hier jedoch eine innere Bindung der Streitkräfte an Befehl und Gehorsam, die unabhängig von den äußeren Umständen besteht. Dies ist ein inhärenter Bestandteil der kriegerischen Tugend. Dieses innere Band der Disziplin mag an persönliches Vertrauen, an Achtung oder an Furcht geknüpft sein, es ist aber nicht an den praktischen Erfolg gebunden, sonst würde es mitten im Verderben keine Wirkung zeigen. Die kriegerische Tugend beschreibt somit „gewissermaßen das Bindemittel“[67], welches die einzelnen Glieder der Streitkräfte zu einem Ganzen zusammenschweißt und auch mit dem Dienstherren verbindet, ohne diesen jedoch in Hinblick auf seine Fähigkeiten zu hinterfragen.

 

Die Talente des Feldherrn, wie ich sie hier verstehen will, beschreiben hingegen das Zutrauen der Streitkräfte in die Strategie, für welche der Feldherr unbestreitbar ein Synonym ist. Dieses Zutrauen kann ebenfalls als Motivationsquelle verstanden werden. Am offensichtlichsten wird dies, wenn wir uns die beiden anderen moralischen Hauptpotenzen wegdenken: Der Volksgeist lässt den Kämpfer der Sache oder der Feindschaft wegen kämpfen, er macht den Kampf also zu einer persönlichen Angelegenheit. Die Tugenden des Heeres lassen den Kämpfer der Waffenehre wegen kämpfen, der Kampf wird hier also zum ehrenhaften Selbstzweck. Wenn beides jedoch wegfällt, so hat der Kämpfer kein intrinsisches Motiv zum Kampf und seine Handlung wird somit zu einer reinen Dienstleistung, die er einem Dienstherren erbringt; er wird zum Söldner. Sein Sold mag sozialer oder materieller Art sein, jedoch ist dieser Lohn – gewissermaßen der Ausgleich für die Entbehrungen – das eigentliche Motiv seines Handelns.

 

Der Kampf als Dienstleistung ist eigentlich eine Absurdität. Die höchste Anstrengung, das größte Opfer, welches der Kämpfer erbringen kann, ist sein eigener Tod – doch gerade dieser darf aus seiner individuellen Sicht nicht eintreten, da er den Dienstleistungsvertrag zwischen ihm und seinem Dienstherrn ad absurdum führt. Der kriegerische Dienstleistungsvertrag ist ein Versicherungsvertrag unter umgekehrten Vorzeichen: im Schadensfall wird nicht gezahlt. Richtigerweise müssen wir darum sagen, dass die Dienstleistung das Getötet werden eigentlich nicht mit einschließen kann, sondern dass sie nur das Töten umfasst. Die Bereitschaft zu töten kann also durch einen Ausgleich erkauft werden und in diesem Handel ist der Verlust des eigenen Lebens als Handelsrisiko inhärent. Es kann also gesagt werden, dass das Zustandekommen des Handels im Wesentlichen auf drei Punkten beruht: Erstens dem Töten und der körperlichen Anstrengung als Dienstleistung, zweitens der Gefahr für Leib und Leben als Risiko sowie drittens dem Lohn als Ausgleich für beides. Der erste Punkte dürfte in Anbetracht des hohen, damit einhergehenden Risikos von nur geringer Bedeutung sein und ist zudem eine sehr individuelle, ethische Frage. Ich will dies nicht näher betrachten und ausschließlich feststellen, dass es ganz offensichtlich Menschen gibt, die für Ruhm oder Geld töten.

 

Der zweite Punkt ist das Risiko für Leib und Leben. Dies ist offensichtlich nicht immer gleich groß. Lesen wir Clausewitz‘ Kapitel über die Gefahr im Kriege, so hat der Einzelne wohl kaum einen Einfluss auf sein Schicksal und es kann also gesagt werden, dass die Faktoren, die sein Lebensrisiko bestimmen, weitestgehend außerhalb seiner eigene Fähigkeiten liegen.[68] Ein fehlerhaftes Verhalten kann zwar den Tod eines Kämpfers herbeiführen, das fehlerfreie Verhalten kann den Tod aber nicht verhindern. Es kann also gesagt werden, dass das Lebensrisiko des Einzelnen vorzugsweise durch die individuellen Umstände des Gefechts bestimmt wird – und diese Umstände werden wiederum durch die Strategie respektive den Feldherrn angeordnet. Verkürzen wir diesen Gedankengang, so kommen wir zu dem Punkt, dass das Lebensrisiko des einzelnen Kämpfers zu großen Teilen durch die Anweisungen des Feldherrn beeinflusst wird.

 

Dies führt zu der Betrachtung des Soldes, der einen Ausgleich für die Dienstleistung und dem damit verbundenen Risiko darstellen soll. Zunächst einmal ist einleuchtend, dass die Höhe des Lohnes sich aus Sicht des Dienstleisters nach der Höhe des Risikos bemessen müsste. Demnach müsste zunächst gesagt werden: je unfähiger der Feldherr, desto höher muss der Sold sein, damit der Söldner zur Dienstleistung bereit ist. Dies ist aber nur eine Seite der Medaille, denn der Söldner muss seinen Lohn von dem Erhalten, was der Krieg insgesamt einbringt. Ich habe oben bereits festgestellt, dass der Krieg ein Leihgeschäft mit hohem Risiko ist.[69] Ein geschlagener Feldherr kann seinen Söldnern weder soziale noch materielle Anerkennung zukommen lassen; nur ein siegreicher Feldzug bringt materiellen oder moralischen Zugewinn und nur aus diesem Zugewinn kann sich der Lohn der Söldner ergeben. Wir sind also erneut an dem Punkt zu sagen, dass die Höhe des Soldes ganz wesentlich von den Bestimmungen der Strategie respektive des Feldherrn abhängen.

 

Mit einem Satz: Je größer die Talente des Feldherrn, desto lukrativer das Kriegshandwerk als Handelsgeschäft, desto größer das Motiv des Söldners zum Kampf. Da sich die Talente des Feldherrn aber nicht unmittelbar offenbaren, sondern sie sich nur aus seinen bisherigen Erfolgen erahnen lassen können, so können auch nicht die tatsächlichen Talente des Feldherrn als moralische Hauptpotenz betrachtet werden, sondern dies ist der Ruf des Feldherrn. Es kommt hier also nahezu ausschließlich das Vertrauen in Betracht, welches der Einzelne gegenüber der Strategie bzw. dem Feldherrn hat, denn je geringer dessen Fähigkeiten, die Gefechte sinnvoll zu planen und zu einem positiven Gesamtergebnis zu führen, desto geringer seine Chance, den Lohn für seine Dienstleistung zu erhalten und desto geringer sein Wille, die Dienstleistung, namentlich den Kampf, auch faktisch zu erbringen.

 

Die Entscheidung für die dritte Interpretation der moralischen Hauptpotenz geschieht in dem Bewusstsein, die Clausewitz’sche Theorie in ihrem Wortlaut ein Stück weit zu verlassen bzw. sie – anders ausgedrückt – zu modifizieren. Ich glaube damit eine wichtige Lücke in der Gesamtsystematik geschlossen zu haben und will dies an einem einfachen Beispiel verdeutlichen. Clausewitz schreibt, dass jeder Sieg einen Wirkungskreis besitzt[70] und meint damit, dass der Sieg in einem Teil des Kriegstheaters eine positive Wirkung auf die moralischen Kräfte in einem anderen Teil hat und natürlich andersherum, dass die Niederlage der einen Streitkraft eine nachteilige moralische Wirkung auf die unbeteiligten übrigen Streitkräfte hat. Wie ist dies zu begründen?

 

Nun könnte gesagt werden, dass sich durch die Niederlage das zahlenmäßige Verhältnis der Gesamtstreitkräfte verschiebt und dies natürlich die Aussichten des Erfolges verringert. Gleichwohl dies wahr ist, ist dies aber eine physische und keine moralische Wirkung und zwar mag die physische Wirkung eine moralische nach sich ziehen, doch ist in diesem Beispiel gar nicht gesagt, dass mit der Niederlage auch ein signifikant schlechteres Kräfteverhältnis einhergeht und dies ist – nach allem was wir bei Clausewitz lesen – auch keineswegs erforderlich.[71] Auch an den anderen beiden moralischen Hauptpotenzen sehen wir keine Wirkung. Die kriegerische Tugend des Heeres kann davon unberührt bleiben, da es ja eine andere Streitkraft war, die geschlagen wurde; sie ist also nur durch die eigene Niederlage betroffen. Der Volksgeist hingegen müsste, wenn er denn überhaupt eine Anregung erfährt, eine Steigerung der Kräfte hervorrufen und nach Rache und Vergeltung sinnen. Die eigentlich vernichtende Wirkung der Niederlage ist jedoch die Erschütterung des Vertrauens in die Strategie und somit in die Fähigkeiten des Feldherrn. Nur so kann sich z.B. der folgende Textauszug erklären:

 

„Für Feldherren und Heere, die nicht einen gemachten Ruf haben, ist dies [Anm.: das Ausweichen aus fernerem Kalkül] eine eigene, schwierige Seite mancher, sonst in den Umständen gegründeten Verfahrungsarten, wo eine Reihe mit Rückzug endigender Gefechte als eine Reihe von Niederlagen erscheinen kann, ohne es zu sein, und wo dieses Erscheinen von sehr nachteiligem Einfluß werden kann. Es ist dem Ausweichenden in diesem Fall nicht möglich, durch die Darlegung seiner eigentümlichen Absicht dem moralischen Eindruck überall vorzubeugen, denn um das mit Wirksamkeit zu tun, müßte er seinen Plan vollständig bekanntmachen, welches, wie sich versteht, seinem Hauptinteresse zu sehr entgegenlaufen würde.“[72]

 

Nun ist der Satz, dass das Zutrauen der Kämpfer in ihren Feldherrn, d.h. ihren strategischen Planer, eine positive moralische Wirkung zeigt, weitestgehend evident und bedarf eigentlich keiner weiteren Beweisführung. Dass ich trotzdem einen sehr weiten Bogen gesponnen habe, um den inneren Zusammenhang zwischen diesem Vertrauen und dem Dienstleistungsvertragsverhältnis zwischen dem Kämpfer und seinem Feldherrn aufzuzeigen, hat einen konkreten Grund. Denn nur auf diesem Wege wurde en passant ein tiefgreifender Zusammenhang zwischen dem Krieg als politischem Werkzeug und der Motivation der kämpfenden Individuen aufgedeckt, die an dem politischen Zweck u. U. gar kein eigenes Interesse haben und darum ihre Motivation in einem Ausglich bzw. Handel finden müssen. Für diesen Handel ist das Vertrauen in die Strategie allerdings die entscheidende Grundlage und darum auch die hier in Betracht kommende moralische Hauptpotenz.

 



[1]                 Clausewitz, Kriege, S. 358.

[2]                 Clausewitz, Kriege, S. 359.

[3]                 Clausewitz, Kriege, S. 356.

[4]                 Kleemeier, Takt, S. 30.

[5]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 233.

[6]                 Clausewitz, Kriege, S. 358.

[7]                 Vgl. Kleemeier, Takt, S. 27 ff.

[8]                 Soldatenweisheit, zitiert aus der Gedächtnis des Verfassers.

[9]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 361.

[10]               Vgl. Creveld, Zukunft, S. 236 f.

[11]               Vgl. Aron, Clausewitz, S. 185.

[12]               Clausewitz, Kriege, S. 361.

[13]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[14]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[15]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[16]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[17]               Clausewitz, Kriege, S. 361.

[18]               Aron, Clausewitz, S. 185.

[19]               Clausewitz. Kriege, S. 362.

[20]               Clausewitz, Kriege, S. 191.

[21]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 361.

[22]               Kleemeier, Grundfragen, S. 261.

[23]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 254 f.

[24]               Kleemeier, Grundfragen, S. 261.

[25]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 254 f.

[26]               Vgl. Aron, Clausewitz, S. 187.

[27]               Kleemeier, Grundfragen, S. 261.

[28]          Vgl. Schwemmer, Führen, S. 197 ff; vgl. Häußler, Verantwortung, S. 11 ff.

[29]               Vgl. Vad, Clausewitz, S. 105 ff.

[30]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 362.

[31]               Kleemeier, Takt, S. 27.

[32]               Aron, Clausewitz, S. 187.

[33]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[34]               Clausewitz, Kriege, S. 359 f.

[35]               Vgl. Aron, Clausewitz, S. 196 f.

[36]               Siehe Kapitel IV.4.2.

[37]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[38]               Clausewitz, Kriege, S. 361.

[39]               Clausewitz, Kriege, S. 804.

[40]               Clausewitz, Kriege, S. 361.

[41]          Siehe Kapitel IV.4.2.

[42]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 285 f.

[43]               Vgl. Kleemeier, Grundfragen, S. 261.

[44]               Siehe Kapitel IV.4.2.

[45]               Vgl. Aron, Clausewitz, S. 197.

[46]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 364.

[47]               Clausewitz, Kriege, S. 359.

[48]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 456 f.

[49]               Siehe Kapitel V.5.2.

[50]               Clausewitz, Kriege, S. 359.

[51]               Vgl. Heilmann, Kriegskunst, S. 68 f.

[52]               Clausewitz, Kriege, S. 359.

[53]               Clausewitz, Kriege, S. 359.

[54]               Clausewitz, Kriege, S. 363.

[55]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 507.

[56]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 305.

[57]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 518 ff.

[58]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 284 ff.

[59]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 283 f.

[60]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 290 f.

[61]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 231 f.

[62]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 507 ff.

[63]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 299 f.

[64]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 297.

[65]               Clausewitz, Kriege, S. 363.

[66]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[67]               Clausewitz, Kriege, S. 362.

[68]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 253 ff.

[69]               Siehe Kapitel IV.4.1.

[70]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 809.

[71]               Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 474 ff.

[72]               Clausewitz, Kriege, S. 434.

 

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Kapitel VI.2 - Übersicht

  • VI.2.1 Begriff der physischen und moralischen Streitkräfte

    1.1. Begriff der physischen und moralischen Streitkräfte Der Begriff der Streitkräfte ist bei Clausewitz deutlich weiter gefasst, als wir ihn heute im allgemeinen Sprachgebrauch verstehen. Streitkräfte werden heute als eine mit dem Staat verbundene Organisationsform antizipiert, die nach völkerrechtlichen Konventionen den Kombattantenstatus inne hat und für den Krieg, d.h. für gewaltsame Auseinandersetzungen mit anderen Staaten und/oder innerstaatlichen Gruppierungen gerüstet, geübt und zuständig ist. Freilich ist dies eine historisch gewachsene, europäische Sichtweise auf den Begriff. Clausewitz fasste den Begriff deutlich weiter, war aber in der Anwendung desselben wie so oft wenig präzise. Vor dem Hintergrund seiner Eigenart, einen Begriff stets so anzuwenden, wie er gerade seine Aussage unterstützte, finden sich auch Passagen, in welchen der Begriff der Streitkräfte so weit gefasst Read More
  • VI.2.2 Moralische Größen und moralische Kräfte

    1.1. Moralische Größen und moralische Kräfte In seinem fünften Buch betrachtet Clausewitz die Streitkräfte und stellt dabei fest: „Der Mut und der Geist des Heeres haben zu allen Zeiten die physischen Kräfte multipliziert und werden es auch ferner tun;“[1] Er bezieht sich hier auf moralische Größen, welche die Streitkräfte in ihrem Kampfwert verstärken und ohne die die Streitkräfte gar nicht als solche gedacht werden können. Es ist die Bereitschaft, andere zu töten und sich selbst der Gefahr auszusetzen, getötet zu werden; kurz: es ist der Wille zum Kampf. Dabei ist es sicherlich eine der faszinierendsten und gleichwohl wundersamsten Erscheinungen des Krieges, dass sich Menschen finden, die sich an ihm aktiv beteiligen. An dieser Stelle muss eingeschoben werden, dass der Wille Read More
  • VI.2.3 Moralische Hauptpotenzen und Dreifaltigkeit des Krieges

    1.1. Moralische Hauptpotenzen und Dreifaltigkeit des Krieges In der Konsequenz des bisher dargestellten Dilemmas der Unfassbarkeit und Komplexität der geistigen Gegenstände formuliert Clausewitz drei moralische Hauptpotenzen, die – „unvollständig und rhapsodisch“[1] – die moralischen Streitkräfte auf drei Faktoren bzw. Quellen zurückführen. „Sie sind: die Talente des Feldherrn, kriegerische Tugend des Heeres, Volksgeist desselben.“[2] Die Größe der moralischen Kräfte einer Streitmacht soll also – so die Clausewitz’sche These – im Wesentlichen durch diese drei Hauptpotenzen bestimmt sein, wobei Clausewitz selbst nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Vollkommenheit erhebt, sondern seine Betrachtung von vorneherein als bruchstückhaft und zusammenhangslos darstellt, da moralische Größen „sich weder in Zahlen noch in Klassen bringen lassen“[3]. Dabei muss merkwürdig auffallen, dass Clausewitz hier keine derjenigen moralischen Kräfte anspricht, die sich direkt Read More
  • VI.2.4 Gesamtbetrachtung: Kämpfer, Krieger und Söldner

    1.1. Gesamtbetrachtung: Kämpfer, Krieger und Söldner Es wurden vorhergehend drei verschiedenartige und trennscharfe moralische Hauptpotenzen beschrieben, welche die moralischen Streitkräfte als mehr oder weniger verlässliche Konstante potenzieren. Dabei handelt es sich um kollektive Motivationsquellen, die zwar in jedem Einzelnen individuell ausgeprägt sind, d.h. mehr oder weniger viel Wirksamkeit zeigen, in der kollektiven Durchschnittswirkung jedoch differenzierbar sind, weil sie sich auf eine moralische Größe beziehen, welche die eine von der anderen Streitkraft unterscheidet. Während an und für sich individuelle moralische Potenzen zufallsverteilt sind, sind die hier benannten moralischen Hauptpotenzen zwar individuell wirksam, beziehen sich aber auf kollektive Größen, namentlich den Ruf des gemeinsamen Feldherrn, die gemeinsame Waffenehre oder eine gemeinsame („Volks“-) Identität. Wenngleich alle drei Hauptpotenzen gleichzeitig in einer Streitkraft bzw. Read More
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