1.1. Gesamtbetrachtung: Kämpfer, Krieger und Söldner

 

Es wurden vorhergehend drei verschiedenartige und trennscharfe moralische Hauptpotenzen beschrieben, welche die moralischen Streitkräfte als mehr oder weniger verlässliche Konstante potenzieren. Dabei handelt es sich um kollektive Motivationsquellen, die zwar in jedem Einzelnen individuell ausgeprägt sind, d.h. mehr oder weniger viel Wirksamkeit zeigen, in der kollektiven Durchschnittswirkung jedoch differenzierbar sind, weil sie sich auf eine moralische Größe beziehen, welche die eine von der anderen Streitkraft unterscheidet. Während an und für sich individuelle moralische Potenzen zufallsverteilt sind, sind die hier benannten moralischen Hauptpotenzen zwar individuell wirksam, beziehen sich aber auf kollektive Größen, namentlich den Ruf des gemeinsamen Feldherrn, die gemeinsame Waffenehre oder eine gemeinsame („Volks“-) Identität.

 

Wenngleich alle drei Hauptpotenzen gleichzeitig in einer Streitkraft bzw. einem Individuum wirksam sein können und sich hieraus also eine Vielzahl von unterschiedlichen Streitkräftetypen ergeben, so lassen sich, indem nur eine moralische Hauptpotenz als sehr ausgeprägt und die übrigen hinweg gedacht werden, Extremtypen bilden, die im Weber’schen Sinne Idealtypen abbilden. Ich nenne sie den ehrenhaften, sich seiner selbst bewussten Krieger, den emotionalen und leidenschaftlichen Kämpfer sowie den rationalen Dienstleister bzw. Söldner.

 

Der idealtypische Krieger ist allein von der kriegerischen Tugend durchdrungen, er sieht sich in einem eigenen, ganz spezifischen Berufsstand. Das kriegerische Geschäft ist für ihn eine ehrenhafte Tätigkeit und er widmet sein Leben dieser Berufung. Auf dem Schlachtfeld zu sterben ist für ihn Schicksal, wenn nicht sogar ein ehrenhaftes Ziel. Glaube und Religion sind im Krieger zumeist tief verwurzelt; ohne Glauben an ein Leben nach dem Tod oder an ein vorherbestimmtes Schicksal ist der idealtypische Krieger nur schwerlich denkbar. Dabei ist der Krieg für ihn an enge Regeln und Methoden gebunden, die Einhaltung derselben seine bedingungslose Pflicht. Das Prinzip Befehl und Gehorsam ist dem Krieger selbstverständlich und zur „zweiten Natur“[1] seiner Persönlichkeit geworden. Seine höchste Ehre findet er dabei gegen einen starken Feind; er scheut also nicht den stärksten Gegner, sondern ersehnt ihn sich hingegen, um sich an ihm messen zu können und im Ergebnis umso mehr zum Ruhm seiner Waffen, d.h. seines Berufsstandes, beizutragen („Viel Feind, viel Ehr!“[2]). Dementsprechend gehört Gewalt gegen Wehr- und Hilflose für den Krieger nicht zu seinem Geschäft – die Ablehnung desselben folgt jedoch nicht von selbst, sondern muss sich aus einem soziokulturellen Kontext ergeben. Der Krieger hat Achtung und Respekt vor seinem Feind und dies umso mehr, je mehr dieser ihm ähnelt und über eine vergleichbare Waffenehre verfügt. Der Zweck des Krieges ist dem Krieger dabei nahezu gleichgültig, solange seine Kriegerehre hierdurch nicht verletzt wird. Dabei ist der Krieger kein Einzelkämpfer, sondern er ist in der Kameradschaft eines stehenden Heeres zuhause – wobei stehende Heere zwar nicht zwingend aus idealtypischen Kriegern bestehen, für die Bildung dieses Geistes aber eine zwingende Voraussetzung sind. Wird der Krieger von seinen Kameraden getrennt, so stellt er auch das Kämpfen ein, da der Einzelkampf etwas ganz anderes ist und darum nicht in seinem Metier liegt.

 

Ganz anders der idealtypische Kämpfer. Das kriegerische Handwerk an sich ist für ihn bedeutungslos und ausschließlich Mittel zum Zweck. Er ist von der Leidenschaft für den Zweck des Krieges bzw. von dem Hass gegen den Feind beseelt. Regeln und Methoden in der Gewaltanwendung sind dem Kämpfer fremd, er ist impulsiv und triebgesteuert. Alle denkbaren Methoden sind ihm recht, sofern sie ihren Zweck erfüllen. Der Kämpfer hat keine Achtung vor seinem Feind, er spricht ihm sein Lebensrecht ab – entweder weil er ihn an sich für etwas anders hält oder weil er sich für eine andere Sache entschieden hat, gewissermaßen selbst schuld ist. Dabei unterscheidet der Kämpfer nicht zwischen Streitkräften und Unbewaffneten, weil er zum einen das gesamte gegnerische politische Gemeinwesen als feindlich betrachtet und weil zum anderen die Beachtung dieser Unterscheidung bereits die Anerkenntnis einer Regel darstellen würde. Da es einfacher und weniger verlustreich ist, greift er daher vorzugsweise Wehrlose und Schwache an. Die fehlende Disziplin und die ungezügelte Individualität macht ein Zusammenwirken in sehr großen Gruppen nahezu unmöglich. Der Kämpfer operiert daher vorzugsweise in kleinen, überschaubaren Gruppen.

 

Der idealtypische Söldner bzw. Dienstleister ist dadurch gekennzeichnet, dass er weder vom Volksgeist noch von der kriegerischen Tugend geprägt ist. Er steht folglich dem Zweck des Krieges, dem Gegner und auch seinem eigenen Handwerk emotional gleichgültig gegenüber. Um Missverständnisse zu vermeiden muss sofort erwähnt werden, dass idealtypische Söldnerheere – wie z.B. die Condottiere des späten Mittelalters, die Clausewitz explizit in diesem Zusammenhang erwähnt[3] – durchaus nicht aus idealtypischen Söldnern zusammengesetzt sein müssen, sondern oftmals auch aus idealtypischen Kriegern bestehen. Der reine Dienstleister, wie der idealtypische Söldner hier verstanden werden soll, sieht sein Handwerk hingegen allein als Mittel zum Zweck der persönlichen Bereicherung. Das Handeln dieses Söldners ist im Weber’schen Sinne rational, da es weder auf Werten noch auf Affekten oder Emotionen begründet ist, sondern auf einem zweckrationalen Kalkül. Er empfindet also die Schlacht nicht als ehrbar, erfüllend oder genugtuend, begeht sie nicht um ihrer selbst willen, sondern ist allein an seinem daraus resultierenden Verdienst interessiert. Der Dienstleister hat somit keinen nennenswerten Bezug zu Regeln und Beschränkungen, kann sich aber dem Prinzip von Befehl und Gehorsam unterordnen, sofern dies zur Verwirklichung seines persönlichen Bereicherungsstrebens geschieht. Die Gegenleistung des Dienstherren kann dabei vielfältig sein, so z.B. die Bezahlung eines Soldes, die Teilhabe am Ruhm im Sinne einer gesellschaftlichen Anerkennung, das Ermöglichen des Auslebens von individuellen Trieben, welche sonst unter Strafe gestellt wären und schließlich die Nichtbestrafung im Rahmen eines repressiven Zwangssystems. All dies sind also Motive, sich als Dienstleister zur Verfügung zu stellen und als formelle Streitkraft in den Krieg zu ziehen, sie können allerdings nicht als moralische Hauptpotenzen betrachtet werden, da sie den Willen zum Kampf im engeren Sinne nicht fördern. Der Dienstleister ist vielmehr dadurch gekennzeichnet, dass er eben nicht kämpfen will, dass er sich möglichst wenig in Gefahr begibt, dass er keine Risiken eingeht und der individuellen kriegerischen Tätigkeit also nur zum Schein nachgeht. Er bedarf daher einer besonders engen Führung und lückenlosen Dienstaufsicht. Je komplexer die kriegerische Handlung durch den Feldherrn geplant wird, desto mehr Freiräume findet der Dienstleister, um sich der Gefahr zu entziehen und den Kampf zu meiden. Die moralische Hauptpotenz die in diesem Zusammenhang allein wirksam wird, ist der Ruf des Feldherrn, sowohl im Sinne der Furcht, die der Einzelne vor ihm hat als auch im Sinne des strategischen Talents, welches ihm zugeschrieben wird. Je größer dieser Ruf, desto mehr fürchtet der Einzelne in seiner Untätigkeit dem Feldherrn aufzufallen und also nicht belohnt sondern bestraft zu werden, desto geringer bewertet er seine persönliche Gefahr und desto sicherer und umfangreicher wird der Ausgleich, den er sich für seine Dienstleistung verspricht.

 

Es finden sich also insgesamt drei sehr verschiedenartige, oftmals sich gegenseitig widersprechende idealtypischen Streitkräfte, welche im Rahmen der Taktik als Mittel im Gefecht benutzt werden können und müssen. Diese drei Streitkräftetypen spiegeln erneut die wunderliche Dreifaltigkeit des Krieges wieder, mit welcher Clausewitz feststellt, der Krieg sei „zusammengesetzt aus der ursprünglichen Gewaltsamkeit seines Elementes, dem Hass und der Feindschaft, die wie ein blinder Naturtrieb anzusehen sind, aus dem Spiel der Wahrscheinlichkeiten und des Zufalls, die ihn zu einer freien Seelentätigkeit machen, und aus der untergeordneten Natur eines politischen Werkzeuges, wodurch er dem bloßen Verstande anheimfällt.“[4] Die durch Hass und Feindschaft hervorgerufene Gewaltsamkeit wird durch den Kämpfertypus verkörpert, der durch seine Triebe und Leidenschaften zum Kampf motiviert ist. Das Spiel der Wahrscheinlichkeiten und des Zufalls beschreibt und gestaltet den Berufsstand des Kriegers, welcher der daraus resultierenden Gefahr durch seine Disziplin und Professionalität die Stirn bietet. Er identifiziert sein Selbst, d.h. seine individuelle Persönlichkeit mit dem kriegerischen Handwerk und in diesem Sinne ist der Krieg ein Teil seiner Seele und das kriegerische Handwerk eine Seelentätigkeit. Schließlich bleibt das instrumentelle Element des Krieges, welches unter rationalen Gesichtspunkten den Krieg zu einem bestimmten Zweck betreibt; der Krieg muss demnach einen bestimmten Nutzen erbringen, der einen Ausgleich für die Anstrengungen des Krieges darstellt. Mit dieser nahezu mathematisch Sichtweise ergibt es sich, dass die sich aus dem Krieg ergebenden Gewinne auf die einzelnen Beteiligten aufgeteilt werden müssen, damit auch dieser einzelne einen Ausgleich für seine Anstrengungen und Entbehrungen, also für seinen Dienst, erhält und darüber motiviert wird. Dies freilich in einem Verhältnis und einer Art und Weise, die sich aus der inneren sozialen und kulturellen Struktur des kriegführenden politischen Gemeinwesens ergibt. Der einzelne Kämpfer kann hier also als Dienstleister betrachtet werden, der nach einem rationalen Kalkül die Gefahren und Anstrengungen des Krieges auf sich nimmt, um einen Zugewinn zu erhalten bzw. eine Repression zu vermeiden.

 

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass sich die im Rahmen des Gefechts gegenüberstehenden Streitkräfte einerseits nach physischen Größen wie Anzahl und Ausrüstung differenzieren lassen sowie andererseits nach ihren moralischen Größen, die sich ganz wesentlich aus den drei moralischen Hauptpotenzen zusammensetzen. Die moralischen Hauptpotenzen können sich in diesem Zusammenhang zwar gegenseitig ersetzen, d.h. das Fehlen der einen kann durch ein stärkeres Vorhandensein der anderen ausgeglichen werden,[5] doch wirken die Potenzen unterschiedlich, d.h. dieser Ausgleich führt zwar zu einem Erhalt der Kampfkraft, gleichsam aber auch zu einer Veränderung in der Art und Weise des Kämpfens und der Führbarkeit. Während die kriegerische Tugend des Heeres für den Zusammenhalt und die kriegerische Fähigkeit des kämpfenden Kollektivs steht und also zu komplexen, kunstvollen und auch langwierigen Gefechten befähigt, das Heer durch den Gemeinschaftssinn stärkt und gegen Gefahren wappnet, steht der Volksgeist des Heeres mehr für die persönliche Aufopferungsbereitschaft und Hingabe des Einzelnen, welche ein gewisses Maß an fehlender kollektiver Fähigkeit wettmachen. In diesem Sinne führt der Volksgeist zu einer wahren Selbstständigkeit im Handeln, welche also leicht auch zu einer Verselbstständigung des Handelns und Loslösung von jeglicher Führung führen kann, während dessen die kriegerische Tugend zu einem zwar eigenständigen, d.h. ohne Kontrolle und Anleitung auskommenden Handeln führt, welches jedoch stets eines Befehls, d.h. eines Auftrags bedarf, welches also niemals autonom und unabhängig von der übergeordneten Führung gedacht werden kann. Die dritte Hauptpotenz hingegen, verstanden als ein Synonym für die Zuversicht oder Schicksalsergebenheit, wirkt wie die Gleichgültigkeit bzw. die Geringschätzung der Gefahr. Wenn diese die beiden anderen Hauptpotenzen ersetzen soll, so führt sie zwar zu einer gewissen Standhaftigkeit gegenüber den Gefahren, schließt gleichsam aber ein selbstständiges, unabhängiges Handeln in jeder Hinsicht aus. Ein dem Volksgeist und der kriegerischen Tugend entbehrendes Heer bedarf also einer möglichst einfachen Einrichtung des Gefechts sowie einer sehr engen Führung und Aufsicht.[6]

 

Darüber hinaus muss festgestellt werden, dass jede der drei Hauptpotenzen zwar gleichermaßen in einem Individuum bzw. einer Streitkraft wirken kann, dass aber je mehr eines dieser drei zum Extrem gesteigert wird, die anderen beiden verblassen und auch absolut an Wirkung verlieren müssen. Denken wir uns eine zum äußersten disziplinierte Kriegsmaschinerie, so darf es darin keinen Trieb und keine Leidenschaft geben, da die kalte und künstliche Mechanik taktischer Verfahren jedwede Individualität und Emotionalität ausschließt.[7] Ebenso verbietet sich für eine leidenschaftlich entbrennende Personengruppe der Zwang und die entindividualisierende Disziplin des kriegerischen Geistes.[8] Für beide aber ist das Zutrauen in den Feldherrn keine den Willen zum Kampf noch weiter steigernde Potenz: die leidenschaftlichen, triebgesteuerten Kämpfer folgen dem Feldherrn nur solange, wie er auch ihrer Meinung nach vertrauenswürdig ist, danach handeln sie autonom; beides ist aber unabhängig von der Kampfkraft. Die entindividualisierte, emotionslose Kriegsmaschine hinterfragt ihren Feldherrn hingegen in keiner Weise, so dass das Zutrauen in denselben weder als positiver noch als negativer Effekt für die Bereitschaft zum Kampf auftreten kann. Lediglich das Zutrauen zum Feldherrn führt, auch wenn es zum Äußersten gesteigert gedacht wird, nicht zu einer abschwächenden Wirkung  der anderen beiden Hauptpotenzen.

 



[1]                 Aron, Clausewitz, S. 196.

[2]                 Überlieferter Ausspruch des Landsknechtführers Frundsberg. Konversations-Lexikon, Bd. 20, S. 152.

[3]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 362.

[4]                 Clausewitz, Kriege, S. 213.

[5]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 363.

[6]           Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 364.

[7]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 362; vgl. Lütsch, Krieg, S. 134 ff.

[8]                 Vgl. Lütsch, Krieg, S. 134 ff.

 

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Kapitel VI.2 - Übersicht

  • VI.2.1 Begriff der physischen und moralischen Streitkräfte

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  • VI.2.2 Moralische Größen und moralische Kräfte

    1.1. Moralische Größen und moralische Kräfte In seinem fünften Buch betrachtet Clausewitz die Streitkräfte und stellt dabei fest: „Der Mut und der Geist des Heeres haben zu allen Zeiten die physischen Kräfte multipliziert und werden es auch ferner tun;“[1] Er bezieht sich hier auf moralische Größen, welche die Streitkräfte in ihrem Kampfwert verstärken und ohne die die Streitkräfte gar nicht als solche gedacht werden können. Es ist die Bereitschaft, andere zu töten und sich selbst der Gefahr auszusetzen, getötet zu werden; kurz: es ist der Wille zum Kampf. Dabei ist es sicherlich eine der faszinierendsten und gleichwohl wundersamsten Erscheinungen des Krieges, dass sich Menschen finden, die sich an ihm aktiv beteiligen. An dieser Stelle muss eingeschoben werden, dass der Wille Read More
  • VI.2.3 Moralische Hauptpotenzen und Dreifaltigkeit des Krieges

    1.1. Moralische Hauptpotenzen und Dreifaltigkeit des Krieges In der Konsequenz des bisher dargestellten Dilemmas der Unfassbarkeit und Komplexität der geistigen Gegenstände formuliert Clausewitz drei moralische Hauptpotenzen, die – „unvollständig und rhapsodisch“[1] – die moralischen Streitkräfte auf drei Faktoren bzw. Quellen zurückführen. „Sie sind: die Talente des Feldherrn, kriegerische Tugend des Heeres, Volksgeist desselben.“[2] Die Größe der moralischen Kräfte einer Streitmacht soll also – so die Clausewitz’sche These – im Wesentlichen durch diese drei Hauptpotenzen bestimmt sein, wobei Clausewitz selbst nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und Vollkommenheit erhebt, sondern seine Betrachtung von vorneherein als bruchstückhaft und zusammenhangslos darstellt, da moralische Größen „sich weder in Zahlen noch in Klassen bringen lassen“[3]. Dabei muss merkwürdig auffallen, dass Clausewitz hier keine derjenigen moralischen Kräfte anspricht, die sich direkt Read More
  • VI.2.4 Gesamtbetrachtung: Kämpfer, Krieger und Söldner

    1.1. Gesamtbetrachtung: Kämpfer, Krieger und Söldner Es wurden vorhergehend drei verschiedenartige und trennscharfe moralische Hauptpotenzen beschrieben, welche die moralischen Streitkräfte als mehr oder weniger verlässliche Konstante potenzieren. Dabei handelt es sich um kollektive Motivationsquellen, die zwar in jedem Einzelnen individuell ausgeprägt sind, d.h. mehr oder weniger viel Wirksamkeit zeigen, in der kollektiven Durchschnittswirkung jedoch differenzierbar sind, weil sie sich auf eine moralische Größe beziehen, welche die eine von der anderen Streitkraft unterscheidet. Während an und für sich individuelle moralische Potenzen zufallsverteilt sind, sind die hier benannten moralischen Hauptpotenzen zwar individuell wirksam, beziehen sich aber auf kollektive Größen, namentlich den Ruf des gemeinsamen Feldherrn, die gemeinsame Waffenehre oder eine gemeinsame („Volks“-) Identität. Wenngleich alle drei Hauptpotenzen gleichzeitig in einer Streitkraft bzw. Read More
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