1. Der Geist des Krieges

 

„In diesen Kapiteln, welche die Gesamtfrage abhandeln sollen, ist die eigentlichste Strategie, das Umfassendste und Wichtigste derselben enthalten. Wir betreten dieses Innerste ihres Gebietes, in welchem alle übrigen Fäden zusammenlaufen, nicht ohne Scheu.“[1]

 

Nach den umfangreichen Betrachtungen der einzelnen Ebenen der Clausewitz’schen Kriegstheorie ist es nun an der Zeit, die einzelnen Fäden miteinander zu einem großen Ganzen zu verbinden und damit gewissermaßen die Quintessenz aus allem bisher Geschriebenen zu ziehen. Fragen wir zunächst nach dem, was die Clausewitz’sche Kriegstheorie leisten soll, so findet sich im von Clausewitz verfassten Vorwort ein sehr bemerkenswerter Satz:

 

„Unstreitig wäre es ein Fehler, aus den chemischen Bestandteilen des Weizenkorns die Gestalt der Ähre erforschen zu wollen, die es treibt, da man nur aufs Feld zu gehen braucht, um die Ähren zu sehen.“[2]

 

In der oberflächlichen Interpretation handelt es sich hierbei um die recht plumpe Feststellung, dass keine Sache sehr umfangreich und kompliziert deduktiv erforscht und erdacht werden muss, wenn sie doch empirisch auf banalstem Wege erforsch- und verifizierbar ist. Sogleich könnte Clausewitz ein sehr praxisnahes Wissenschaftsverständnis unterstellt werden, welches sich vorzüglich auf die Empirie stützt. Allein dies wäre ein Fehler, denn dieser prägnante Satz lohnt einer etwas tieferen Betrachtung.

 

Die Fruchtbarkeit und Beschaffenheit des Bodens, die Sonneneinstrahlung sowie der Niederschlag sind nur einige externe Faktoren, welche die Gestalt der Ähre maßgeblich mit beeinflussen und ihrer jeweiligen Entwicklung eine ganz individuelle Richtung geben können. Es kann also gesagt werden, dass allein aus der chemischen Zusammensetzung des Weizenkorns, welches nicht nur ein Element der Ähre, sondern gleichermaßen auch deren Ursprung ist, niemals auf die endgültige Gestalt der Ähre als Ganzem geschlossen werden kann. Während sich die deduktive Wissenschaft aus den chemischen Bestandteilen des Weizenkorns niemals die vielen unterschiedlichen Gestaltungsvariationen der Ähre erschließen kann, leistet die Empirie diesen Befund mit Leichtigkeit und augenblicklich. Es ist auch zweifellos, dass die Empirie sich sehr schnell weitere Wirkzusammenhänge erschließen kann und somit die Auswirkungen von mehr oder weniger Niederschlag, mehr oder weniger Sonneneinstrahlung usw. auf die Entwicklung und den Wachstum des Weizenkorns feststellt und diese zu systematisieren vermag, mit anderen Einflüssen in Verbindung setzen kann und somit das ganze Wissenschaftsfeld nach und nach aufhellt. Im Falle der Beschaffenheit einer Ähre kann – so mag ich es als Laie mutmaßen – die Empirie nahezu das gesamte Interessengebiet der kornspezifischen Agrarwissenschaft erschließen und die Landwirtschaftslehre auf einen recht effektiven Stand bringen, mit welchem die Felder sehr gut bestellt werden können. Die Empirie kann jedoch zwei Dinge in diesem Zusammenhang niemals leisten: Sie kann die reale Beschaffenheit der Ähre und den Prozess, welcher dorthin führt, nicht verstehen bzw. nicht erklären und sie kann als Folge daraus die Auswirkungen eines in Qualität oder Quantität neuen, bisher unbekannten Einflussfaktors nicht vorherbestimmen. Um diese beiden Dinge jedoch leisten zu können, muss die Wissenschaft auf die chemische Zusammensetzung des Weizenkorns sowie die chemischen Wirkmechanismen zurückgreifen. Erst wenn sie diese entschlüsselt und verstanden hat, kann sie den Wachstum und die Entwicklung des Weizenkorns zum Strohhalm samt Ähre nicht nur beschreiben, sondern auch erklären und folglich die Wirkzusammenhänge tatsächlich verstehen und neue Entwicklungen treffend prognostizieren. Die Empirie dient nun plötzlich nicht mehr als Erkenntnisobjekt, sondern nur noch als Verifikationsmittel.

 

Nach diesem kleinen Exkurs lesen wir das oben dargestellte Zitat bereits etwas anders. Es ist nämlich nicht an sich ein Fehler, die chemischen Bestandteile eines Weizenkorns zu erforschen, sondern der Fehler wäre es, aus diesem Wissen die Gestalt der Ähre erschließen zu wollen, welche sich viel trefflicher durch die unmittelbare Anschauung erforschen lässt. Nur wenn das Erkenntnisinteresse tiefer geht, der Forscher sich nicht mit der Gestalt zufrieden gibt, sondern die Materie verstehen will, so muss er die chemischen Bestandteile und Prozesse erforschen und somit das eigentliche Wesen des Weizenkorns verstehen. Beziehen wir dies alles nun auf die Kriegstheorie, wo würde die Gestalt der Ähre den wirklichen, realen Krieg vertreten, wohingegen die chemischen Bestandteile des Weizenkorns ein Bildnis für die Grundidee, die innere Logik oder auch den reinen Begriff des Krieges darstellen würde. Münzen wir den obigen Satz unter diesen Voraussetzungen um, so würde er lauten:

 

„Unstreitig wäre es ein Fehler, aus der [Idee des Krieges die tatsächlichen Erscheinungen desselben] erforschen zu wollen, [...] da man nur auf die [Schlacht-] Felder gehen müsste, um [den wirklichen Krieg] zu sehen.“[3]

 

Dieser kleine Satz zeigt, dass Clausewitz, der sich sehr stark mit dem Begriff, der Idee und der inneren Logik des Krieges auseinandersetzte und die Empirie nur zur Verifikation und als Verdeutlichungsbeispiel heranzog, weit davon entfernt war, die Beschaffenheit oder Gestalt des Krieges darstellen oder systematisieren zu wollen. Ihm ging es vielmehr darum, eine abstrakte Idee, einen Geist des Krieges zu beleuchten, mit welchem sich die Erscheinungen der wirklichen Welt unter Hinzunahme anderer Faktoren erklären lassen. Tritt nun in der wirklichen Welt eine Erscheinung auf, die von der Clausewitz’schen Theorie nicht abgedeckt ist, sei es z.B. die Asymmetrie von Streitkräfte, die Erfindung von Massenvernichtungswaffen, der Einsatz von Kindersoldaten oder das Auftreten von nicht endlich scheinende, sich selbst steigernde Gewaltexzesse, so ist dies zunächst kein Widerspruch zur Theorie. So wie in der Ähre Elemente enthalten sind, die sich nicht auf das einzelne Weizenkorn als Element und Ursprung des Ganzen zurückführen lassen, so muss auch die umfassende, den Geist des Krieges durchdringende Theorie nicht jedes Element des wirklichen Krieges abdecken oder andersherum, nicht jede einzelne Erscheinung im wirklichen Krieg muss sich auf den Geist des Krieges zurückführen lassen. Sehr wohl aber beruht jede einzelne Erscheinung im Krieg auf externen Faktoren, welche sich jedoch nicht unverändert in der Wirklichkeit manifestieren können, sondern zuvor eine Legierung mit der eigentlichen Substanz, dem Geist des Krieges, eingehen müssen und also in der wirklichen Welt sehr verändert erscheinen. Ganz so, wie auch der Niederschlag im Wachstum nicht dazu führt, dass die Ähre einen höheren Feuchtigkeitsgrad aufweist, sondern das Wasser sich mit anderen chemischen Elementen verbindet und spezielle Prozesse hervorruft, die eine Wirkung zeigen, die sich allein augenscheinlich nicht verstehen lässt, sondern zu dessen Verständnis und Prognose es der Analyse der chemischen Beschaffenheit des Weizenkorns bedarf.

 

Die Theorie des Krieges will also keineswegs die Gestalt des Krieges in ihrer chamäleonhaften Vielfältigkeit darstellen oder abbilden, sondern ihr zentrales Anliegen ist es, die Grundidee und die innere Logik, d.h. den Geist des Krieges zu durchdringen, zu systematisieren und offenzulegen, um so in einem späteren Schritt verschiedene externe Faktoren in ihrer Wirkung auf den Geist des Krieges verstehen und erklären zu können, um Ereignisse besser prognostizierbar zu machen und dem Menschen ein besseres Verständnis für ein Mittel an die Hand zu geben, welches er schon seit Jahrtausenden mal mehr mal weniger bewusst anwendet.

 

Der Ausgangspunkt – wenn man so will das Weizenkorn – der gesamten Theorie ist der Satz, dass der Krieg „ein Akt der Gewalt [ist], um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“[4] Dieser Satz hat vielfältige Implikationen. Zunächst zeigt er auf, dass der Krieg nicht etwa als Zustand, sondern sehr konkret als Handlung begriffen wird und die Kriegstheorie folglich eine Handlungstheorie ist. Der Clausewitz’sche Begriff des Krieges grenzt sich somit gegen den völkerrechtlichen Kriegsbegriff ab, welcher den Krieg als Zustand versteht, in welchem ein spezifisches Recht zur Geltung kommt.[5] Während das völkerrechtliche Verständnis des Krieges jedoch bis heute keine befriedigende Antwort z.B. auf die Frage liefert, ob sich die Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan in einem Krieg befindet oder nicht,[6] ist die Clausewitz’sche Definition in diesem Zusammenhang recht eindeutig. Wenn ein politisches Gemeinwesen ein anderes mit dem Mittel der Gewalt, d.h. durch den Einsatz von bewaffneten Menschen, zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen versucht, so handelt es sich um einen kriegerischen Akt. Vor dem Hintergrund dieser Definition ist es vollkommen undenkbar, dass sich ein politisches Gemeinwesen unsicher ist, ob es sich im Krieg befindet oder nicht; dort wo das politische Gemeinwesen Menschen außerhalb des eigenen moralischen Gewaltbereichs einsetzt, um physische Gewalt – sei es aktiv oder reaktiv – anzuwenden, dort handelt es sich folglich auch um Krieg. Der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr kann folgerichtig nur als Krieg verstanden werden – gleichwohl gilt dies nur im Zusammenhang mit der Clausewitz’schen Kriegsdefinition. Vor dem Hintergrund des gängigen, vom Völkerrecht geprägten und zudem tagespolitisch belasteten Kriegsbegriffs mag das Ergebnis dieser Frage ein ganz anderes sein und soll hier nicht näher beleuchtet werden.

 

Unser Ausgangspunkt, der Krieg sei ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen, darf jedoch nicht mit einer anderen Extremposition verwechselt werden. Diese Extremposition besagt, dass Clausewitz einen instrumentellen, rein zweckrationalen Kriegsbegriff vertreten habe, welcher im engeren Sinne ausschließlich die eingehegten Kabinettkriege der europäischen Monarchien repräsentiere, auf die Entgrenzungen von Krieg und Gewalt im 20. Jahrhundert jedoch nicht anwendbar sei. Diese Position ist nicht haltbar. Zwar beschreibt der Ausgangssatz den Krieg in der Tat als eine auf einen Zweck bezogene Handlung und unterstellt ihm somit einen eindeutig instrumentellen Charakter, doch ist dies keineswegs das einzige Merkmal des Krieges, sondern lediglich der Ausgangspunkt, die Grundidee, die gewissermaßen mehr oder weniger in den Vordergrund tritt und zum Leitfaden des Handelns werden kann, sofern sie nicht von anderen Elementen verdrängt wird.[7] Die Zweckrationalität und der instrumentelle Charakter des Krieges sind also keineswegs als absolute und vordergründige Merkmale zu verstehen, sondern sie bilden lediglich den Ausgangspunkt der theoretischen Überlegungen oder – wenn man so will – den gemeinsamen Nenner aller Kriege.

 

Nun muss dazu gesagt werden, dass in der Tat ein Krieg, der auch bei einer tiefgehenden Betrachtung keinen ferneren, dem Krieg äußeren Zweck aufweist, im Clausewitz’schen Sinne nicht als Krieg verstanden werden kann. Stellen wir uns jedoch tatsächlich eine Situation vor, in welcher Menschen Gewalt anwenden, ohne dass dabei ein kollektiver Wille erkennbar bzw. ohne dass der ursprüngliche Zweck dieser Gewalt darauf ausgerichtet wäre, eine wie auch immer geartete Absicht gegen den Willen des Gegners bzw. des Opfers durchzusetzen, so fänden wir dafür nur eine treffende Bezeichnung: Anarchie. Dies ist in der Tat ein Zustand, welcher in der subjektiven Empfindung des Einzelnen dem Krieg vielleicht nicht unähnlich, aber dennoch objektiv deutlich von ihm zu unterscheiden ist. Das Verständnis von Krieg als Handlung ist also sehr umfassend und durchaus geeignet, die meisten Zustände, die gemeinhin als Krieg verstanden werden, auch tatsächlich einzuschließen. Krieg und Anarchie sind dabei im Übrigen keine Gegensätze, sondern in gewisser Weise ist der anarchische Zustand eine Voraussetzung für den Krieg; wobei der Begriff der Anarchie in diesem Zusammenhang auf das Verhältnis zu beziehen ist, in welchem die politischen Gemeinwesen zueinander stehen,[8] nicht aber auf das Empfinden des Einzelnen abhebt. Dort aber, wo der Einzelne keine Autorität über sich akzeptiert und folglich tut was er will, dort kann kein Krieg herrschen, sondern nur Anarchie.

 

Der spezielle Ausgangspunkt, den Krieg als eine zweckorientierte Handlung zu verstehen, hebt die Clausewitz’sche Betrachtungsweise von anderen Kriegstheoretikern in fundamentaler Weise ab. Während andere den Krieg als Zustand, als Zeitraum, als abstraktes oder gar zufälliges Ereignis betrachten, dem Krieg folglich keinen eigenständigen Sinn zubilligen, erhebt Clausewitz ihn zu einer aus rationalen Elementen bestehenden Handlung, verleiht ihm somit eine deutlichere Gestalt und legt ihm schließlich eine Idee, einen geistigen Gegenstand zu Grunde und erlaubt uns somit, vom Geist des Krieges zu sprechen. Die Zweckmäßigkeit der einzelnen Handlungen in Bezug auf den durch den Krieg zu verwirklichenden politischen Zweck ist dabei der normative Orientierungspunkt der Clausewitz’schen Kriegstheorie. An die Stelle von gut und böse oder recht und unrecht tritt nun das Attribut zweckmäßig oder unzweckmäßig.[9] Dies zeigt bereits, dass auch Positionen jenseits der Zweckmäßigkeit möglich sind, dass also Kriege geführt werden können, die zwar einem Zweck entsprungen sind, diesen aber mit der Zeit mehr oder weniger verdrängt haben, für die also der ursprüngliche Zweck kein Handlungsmaßstab mehr ist. Freilich sind auch dies Kriege, doch haben sie sich weit von ihrem theoretischen Ideal entfernt.

 

Unserem Ausgangspunkt liegt jedoch eine sehr spezifische Sichtweise auf das politische Gemeinwesen zu Grunde, welche dieses als individuelles Subjekt betrachtet, indem sie ihm einen eigenständigen Geist, eine Intelligenz und eine Vernunft zubilligt. Der Krieg wird hier also zu einer kollektiven Handlung des politischen Gemeinwesens und nicht etwa zu einem Mittel der politischen Machthaber, um ihre Macht zu festigen oder auszubauen.[10] Diese aus dem Idealismus stammende Grundannahme der Gesellschaftstheorie ist freilich nicht unstrittig und es scheint vielmehr zutreffender, ein politisches Gemeinwesen nicht als eigenständig denkendes und fühlendes Wesen, sondern als ein individuelles soziales System zu verstehen, in welchem Entscheidungen nicht in einer dem menschlichen Geist entsprechenden Art und Weise getroffen werden, sondern durch systemisch individuelle Prozesse, welchen die Begriffe Intelligenz, Vernunft, Instinkt, Leidenschaft und Affekt fremd sein müssen. Aber auch diese Erkenntnis führt nicht zu einer Aufhebung oder Entwertung des Clausewitz’schen Werkes, denn seine Kriegstheorie hat die Subjektivierung des politischen Gemeinwesens nicht an sich zur Grundannahme, sondern diese Subjektivierung dient als Vorstellungsmodell oder Bildnis und verdeutlicht den Anspruch der Theorie, dass das als kollektiv verstandene Handeln – welches tatsächlich individuell-systemisch ist – einheitlich und vernünftig sein sollte. Davon ist freilich unbenommen, dass die kriegerische Handlung außer Kontrolle geraten und eine Eigendynamik entwickeln kann. Indem dies jedoch geschieht, d.h. indem die Gewalt sich verselbstständigt und der Krieg sich von seinem zweckrationalen Ideal entfernt, geht auch der kriegerische Geist der Handlung verloren, die Handlung wird zur Willkür und der Krieg entfernt sich von seinem eigentlichen Begriff.

 

Der Krieg ist also eine Handlung des politischen Gemeinwesens gegenüber anderen politischen Gemeinwesens und je mehr er von dieser Idee abrückt, d.h. je mehr der kriegerische Akt seinen kollektiven Charakter verliert, je mehr die Gewalt individuell motiviert ist und sich nicht auf kollektive Motive zurückführen lässt, desto mehr entfernt sich die Gewalt auch vom Begriff des Krieges und desto mehr herrscht tatsächlich nicht der Krieg, sondern die Anarchie vor.

 

Bleiben wir jedoch beim Begriff des Krieges als eine aus vielen Einzelhandlungen zusammengesetzte politische Kollektivhandlung, so ist der Krieg laut Clausewitz nichtsdestotrotz ein „wahres Chamäleon“[11]. Die damit zum Ausdruck gebrachte Verschiedenartigkeit des Krieges manifestiert sich in dessen Intensität, welche auf drei verschiedene Faktoren zurückzuführen ist:

 

  1. der Umfang des Krieges, d.h. das Ausmaß der Anstrengungen, mit welchen das politische Gemeinwesen den kriegerischen Akt unternimmt,

  2. die Effizienz im Krieg, mit welcher diese Anstrengungen auf das Ziel ausgerichtet werden, die gegnerischen Streitkräfte zu vernichten und schließlich

  3. die Rücksichtslosigkeit im Gefecht, mit welcher die Streitkräfte Gewalt anwenden.[12]

 

Für die Theorie ist jedoch nicht die tatsächliche Verschiedenartigkeit in der Wirklichkeit eine Herausforderung, denn wie oben gesagt wurde, könnte es sich hierbei auch um eine auf externe Faktoren zurückführbare Abweichung vom eigentlichen Geist des Krieges handeln. Würde die Theorie also ganz gemäß den Überzeugungen des jungen Clausewitz‘ annehmen, dass – weil dies die Chance auf den Sieg maximiert – die Intensität des Krieges stets zu maximieren, d.h. zum Äußersten zu treiben sei, so wäre das Abrücken von diesem Äußersten auf externe Faktoren wie Schwäche, Unentschlossenheit, Friktionen usw. zurückzuführen. Die Idee des Krieges wäre dann nicht an sich verschiedenartig, sondern lediglich dessen reale Gestalt, die maßgeblich durch externe Faktoren bestimmt wird. Es müsste dann gesagt werden, dass je weniger intensiv der Krieg geführt wird, desto mehr würde er sich von seinem eigentlichen Begriff, von seiner Idee und seinem Geist entfernen.

 

Von dieser Vorstellung war der junge Clausewitz ausgegangen und hat große Teile des Werkes in diesem Geiste geschrieben. Erst im Laufe seiner Arbeiten fiel ihm der wesentliche Widerspruch auf, dass indem die Theorie das Äußerste der Intensität fordert, sie sich selbst ins Absurde führt, weil sie sich das Mittel ohne Zweck denkt und daher Anstrengungen fordert, die mit dem Nutzen nicht in Einklang zu bringen sind und somit gegen den eigentlichen Grundgedanken verstößt, dass nämlich der Krieg ein Mittel zum Zweck sei. Die Theorie kann also nicht einerseits den Gedanken der Zweckmäßigkeit zum Grundsatz bestimmen, andererseits aber Anstrengungen usw. fordern, die nicht im Einklang mit demselben stehen. Wenn Clausewitz also während seiner kriegsgeschichtlichen Untersuchungen feststellte, dass geringere Anstrengungen, geringere Effizienz und ein geringeres Maß an Gewaltanwendung oftmals leichter den Zweck realisierten und folglich zweckmäßiger waren als intensivere Ansätze, so musste er von der Idee des absoluten Krieges abrücken und die Theorie des Krieges an sich modifizieren. Die kürzeren Wege zum Ziel mussten dann näher am Geist des Krieges liegen, als dies den längeren, anstrengenderen Wegen zuzubilligen war. Es sollte nun also nicht nur die Gestalt bzw. die Natur des Krieges verschiedenartig sein, sondern je nach den konkreten Voraussetzungen mussten auch die innere Logik bzw. die in dem Krieg herrschenden Tendenzen modifiziert gedacht werden.[13] Die Idee des Krieges muss also selbst als schillernd, als veränderbar und als wechselvoll verstanden werden.

 

Dies macht die differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen Ebenen notwendig.[14] Auf der politischen Ebene, auf welcher der Krieg als Ganzes und als Mittel zum politischen Zweck betrachtet wird, ist auch der erste Intensitätsgrad des Krieges zu verorten, d.h. hier werden die Anstrengungen des politischen Gemeinwesens bestimmt, welche im Krieg aufgebracht werden können.[15] Dieses Maß muss dabei in Zusammenhang zu dem Motiv bzw. Zweck des Krieges stehen. Das Motiv des Krieges ist jedoch – nebst der Grundannahme, dass der Krieg ein Mittel sei, um dem Gegner den Willen aufzudrängen – nicht auf das politische Motiv zu beschränken, sondern es finden sich zwei weitere Motivationsquellen für das kriegerische Handeln des politischen Gemeinwesens. So ergeben sich insgesamt folgende Motive zum Krieg, welche – jedes für sich – die Anstrengungen rechtfertigen bzw. ermöglichen.

 

  1. Der Hass bzw. die Feindschaft, welche das politische Gemeinwesen kollektiv mit dem Feind verbindet und welche die den Krieg kennzeichnende Anwendung der Gewalt zum Selbstzweck macht.

  2. Der unbedingte Wille zum Sieg, welcher, hervorgerufen durch das spielerische Element des Krieges, den Sieg zum Selbstzweck werden lassen.

  3. Der politische Zweck bzw. das ursprüngliche Motiv, aufgrund welcher sich das politische Gemeinwesen dem Mittel des Krieges bedient.

 

Diese drei Motive zum Krieg bestimmen nunmehr das Ausmaß der Anstrengungen, welche das politische Gemeinwesen zum Krieg aufzubringen vermag und damit auch die Größe des Konflikts. Dies scheint auf den ersten Blick dem Grundgedanken zu widersprechen, dass der Krieg lediglich ein Mittel wäre, um dem Feind einen Willen aufzudrängen, da hier offensichtlich zwei Selbstzwecke hinzu kommen. Es könnte also entgegen gehalten werden, dass es im Geiste des Krieges liegen müsste, die Anstrengungen lediglich so groß zu machen, dass nur der politische Zweck seine Entsprechung findet, da darüber hinaus gehende Anstrengungen mit diesem Zweck nicht in Einklang stünden. Dem ist jedoch zu widersprechen, da zum einen die Chance auf einen Sieg hierdurch verkleinert werden würde und dies nicht im Geist des Krieges liegen kann und zum anderen die beiden erstgenannten Motive zum Krieg auch durch den Krieg bzw. durch den Sieg befriedigt werden und also ebenso eine Bedürfnisbefriedigung bzw. einen Nutzen darstellen. Im Übrigen liegt es gar nicht im Anspruch der Theorie, das Ausmaß des Konflikts festzulegen oder den handelnden Akteuren vorzuschreiben, sondern sie stellt fest, dass die sich aus diesen drei Motiven ergebende Energiequelle eine bestimmte Größe hat und dass diese Größe das Ausmaß des Krieges begrenzt. Der Umfang des Konflikts kann also nicht willkürlich festgelegt werden.

 

Die in diesem Zusammenhang aufkommende Frage nach der Möglichkeit, seitens der politischen Führung auf eines dieser Motive Einfluss zu nehmen, also z.B. den Hass und die Leidenschaft der Bevölkerung gegen das gegnerische politische Gemeinwesen zu schüren, um so mehr Anstrengungen zum Krieg aufbringen zu können, wurde zwar in einem anderen, tagespolitischen Kontext von Clausewitz erörtert,[16] wird aber im Rahmen der Kriegstheorie nicht näher betrachtet, weil für sie diese drei Motive gegebene Größen sind. Eine bewusste Manipulation dieser externen Größen kann also durchaus konkret begründet sein, doch können sich diese Gründe nicht in der Kriegstheorie selbst finden, denn dies würde wieder zu einem Absurdum führen. Im Übrigen sah Clausewitz die politischen Entscheidungsträger nicht gleichsam als die gesellschaftlichen Meinungsführer, sondern er betrachtete sie als Exekutivorgane des gesamtgesellschaftlichen, kollektiven Willens. Mit anderen Worten, die Größe des Konflikts bzw. die Größe der oben genannten Motive wird im Rahmen der Kriegstheorie nicht als das Motiv der politischen Entscheidungsträger betrachtet, sondern als Motive, die ihnen selbst ein Gegebenes sind und nach welchen sie ihr Kalkül ausrichten müssen. Dass in der Wirklichkeit politische Entscheidungsträger oftmals als Meinungsführer auftreten und also die Meinungen, die sie repräsentieren, wesentlich mitbestimmen und beeinflussen könne, ist hiervon ganz und gar unbenommen. Wie letztlich die Meinungen zustande kommen, die durch das politische Gemeinwesen vertreten werden, ist individuell und ein für die Kriegstheorie externer Faktor.

 

Die Bestimmung der Größe des Konflikts obliegt somit zunächst nicht der Führung des politischen Gemeinwesens, sondern ist für sie eine gegebene Größe. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, die Motive zum Krieg trefflich einzuschätzen und den Umfang der Kräfte entsprechend zu bestimmen. Nun könnte argumentiert werden, dass, indem die politische Führung den Umfang der Kräfte für den Krieg bestimmt, sie auch die Größe der Anstrengungen festlegt. So ist es jedoch nicht, denn die Anstrengungen des politischen Gemeinwesens ergeben sich nicht allein aus dem Umfang der Kräfte, sondern dieser Umfang ist in einem Verhältnis zu der Dauer des Konflikts zu betrachten. Je kleiner also die Kräfte für den Krieg bestimmt werden, desto länger kann das politische Gemeinwesen den Krieg führen und desto besser können eventuelle Verluste ausgeglichen werden. Politische Entscheidungsträger müssen also bezüglich der Dauer des Krieges bereits auf ein Kalkül zurückgreifen, um den Umfang der Kräfte für den Krieg trefflich bestimmen zu können. Wird der Umfang der Kräfte zu klein gewählt, so kann ein Sieg nicht errungen werden und die Kräfte werden geschlagen. Wird der Umfang aber zu groß bestimmt, so erschöpft sich das politische Gemeinwesen, sofern es keinen schnellen Sieg erringen kann.[17]

 

Diese Abwägung auf politischer Ebene ist für Clausewitz kein größeres Thema, da er sich vorrangig mit der Strategie befasst, für welche nunmehr der Umfang der zur Führung des Krieges bestimmten Streitkräfte ein Gegebenes ist. Aber die Betrachtung und das Wissen um die dargestellten Sachverhalte auf politischer Ebene wirken sich auf den kriegerischen Akt als Ganzes in zweifacher Hinsicht aus.

 

Zum einen bestimmt das auf politischer Ebene getroffene Kalkül in Verbindung mit der Größe der Motive zum Krieg die Bedeutung des Faktors Zeit. Hat die Politik bei kleinen Motiven den Umfang der Kräfte vergleichsweise groß bestimmt, so ist der Faktor Zeit für dieses politische Gemeinwesen sehr bedeutsam und die Strategie muss den gegnerischen Widerstand möglichst schnell überwinden, da das politische Gemeinwesen den kriegerischen Akt nicht lange betreiben kann. Die Strategie muss also die schnelle Entscheidung suchen. Ist das Verhältnis zwischen Motiv und Kräfteansatz jedoch umgekehrt, so kann die Strategie sich dem Faktor Zeit selbst bedienen, die Entscheidung möglichst heraus zögern und damit den Gegner ermatten. Sie muss sich also viel weniger selbst der akuten Gefahr einer schnellen Entscheidung aussetzen.

 

Zum anderen kommt dem Wissen um die Dreiteilung der Motive zum Krieg eine zentrale Bedeutung bei der Wahl des Kriegsziels zu. Denn während die eigenen Motive zum Krieg nur von fernerer Bedeutung für die eigentliche Kriegsführung sind, da der politische Zweck als das ursprüngliche Motiv des Krieges zumindest im Ideal der normativ zweckrational orientierten Kriegstheorie der Leitfaden für die Richtung des Handelns bleibt, so muss es das Ziel des kriegerischen Aktes sein, den gegnerischen Widerstand zu überwinden. Diese gegnerische Widerstandskraft ergibt sich freilich ebenfalls aus den gegnerischen Motiven zum Krieg. Folgerichtig muss es in der politischen Zielsetzung des Krieges darum gehen a) die vorhandenen gegnerischen Motive zum Krieg zu überwinden und b) diese Motive nicht etwa zu schüren. In diesem Zusammenhang lassen sich drei Kriegsziele auf politischer Ebene formulieren:

 

  1. Unverhältnismäßigkeit. Das ursprüngliche Motiv zum Krieg kann überwunden werden, indem dem Gegner mehr Anstrengungen abgefordert werden, als ihm der Krieg Nutzen einbringt. Sobald also der Gegner beurteilt, dass das Erringen des Sieges ihm mehr Anstrengungen abfordern würde als die Realisierung des politischen Zwecks (auch im Sinne eines Erhaltens) ihm Nutzen einbringen könnte, ist der Krieg für ihn unzweckmäßig und das ursprüngliche Motiv zum Krieg hinfällig.

  2. Aussichtslosigkeit. Sobald der Gegner feststellt, dass ein Sieg für ihn nicht mehr zu erringen ist, die Wahrscheinlichkeit des Sieges also unter eine individuell bestimmte Grenze gefallen ist, ist der unbedingte Wille zum Sieg für ihn kein plausibles Motiv mehr, um den Krieg fortzusetzen.

  3. Wehrlosigkeit. Ist ein Gegner vorrangig Maße durch Hass und Feindschaft motiviert, so werden ihn weder die Unzweckmäßigkeit noch die Aussichtslosigkeit an der Fortsetzung des Krieges hindern. Da die Anwendung der Gewalt und somit die Führung des Krieges eine unmittelbare Befriedigung von instinktiven Bedürfnissen bzw. Trieben darstellt, kann allein die Wehrlosigkeit, d.h. die Unmöglichkeit der Fortsetzung des Kampfes als Motiv zum Frieden betrachtet werden.[18]

 

Diese Zuordnung von Zielsetzungen zu den einzelnen Kriegsmotiven muss als Tendenz verstanden werden, denn freilich können a) die ursprünglichen Motive zum Krieg so existentiell sein, dass nur die Wehrlosigkeit den Gegner zur Aufgabe zwingt, b) können auch durch den Willen zum Sieg motivierte Gegner über die Aussichtslosigkeit hinaus kämpfen und c) wird auch bei einem sehr leidenschaftlichen Gegner oftmals die fehlende Aussicht auf den Sieg hinreichen, um den Kampf einzustellen. Diese Fälle lassen sich leicht erklären:

 

Im Falle a) ist der politische Zweck so unendlich groß, dass eine Unverhältnismäßigkeit des Strebens danach schlicht nicht erreicht werden kann, da die eigene Existenz keinen logischen Gegenwert findet. Es könnte nun dagegen gehalten werden, dass vom zweckrationalen Standpunkt aus die Aussichtslosigkeit des Kampfes an die Stelle der Unverhältnismäßigkeit treten müsste, da eine Handlung, wenn sie nicht erfolgsversprechend ist, ihren Zweck nicht trifft und somit auch nicht im Verhältnis zu demselben betrachtet werden kann. Dieser Rückschluss wäre im Weber‘schen Sinne und auch im eigentlichen Wortsinn zwar richtig, doch hier handelt es sich um ein abgewandeltes Verständnis, mit welchem es sich genau andersherum verhält: Um die Verhältnismäßigkeit eines Krieges abschätzen zu können, bedarf es bereits eines Kalküls über die Erfolgsaussicht, d.h. es ist ein Abschätzen notwendig, wie vieler Anstrengungen es zum Sieg bedarf. Erst auf dieser Grundlage ist ein Urteil über die Verhältnismäßigkeit denkbar. Kommt man nun bei diesem Kalkül zu dem Ergebnis, dass selbst beim Aufbringen aller denkbaren Kräfte ein Sieg unwahrscheinlich erscheint, dann ist dies in der Regel unverhältnismäßig, da der Nutzen der Realisierung des politischen Zecks kaum so groß gedacht werden kann – es sei denn, es handelt sich um ein existentielles oder um ein irrational ins Existentielle gesteigertes Motiv. Ist ein Handlungszweck aber subjektiv so bedeutsam, dass der Akteur seine Existenz dafür aufgeben würde bzw. andersherum, würde er seine Existenz als wertlos betrachten, falls er den Handlungszweck nicht realisieren kann, so kann sich keine Unverhältnismäßigkeit logisch begründen und der absolut kleinste Grad der Erfolgsaussicht reicht hier, um die Fortsetzung des Handelns zu rechtfertigen.

 

Dies führt zum Fall b), welcher dadurch begründet ist, dass die Erkenntnis der Aussichtslosigkeit freilich eine Frage der subjektiv individuellen Wahrnehmung ist. Ermangelt es also einem durch den unbedingten Willen zum Sieg motivierten politischen Gemeinwesen an der Einsicht der Aussichtslosigkeit seines Unternehmens, so wird diese Motivationsquelle auch nicht erlöschen, bevor die Wehrlosigkeit und somit die vollständige Niederlage eingetreten ist. Insbesondere sobald das politische Gemeinwesen beginnt, die Hoffnung auf den Sieg an die Dauer des Wiederstandes und also an die Ermattung des Gegners zu knüpfen, kann die Erkenntnis der Aussichtslosigkeit des Krieges in weite Ferne rücken.

 

Schließlich bleibt der Fall c). Finden wir in der Wirklichkeit oftmals Fälle, in welchen ein sehr leidenschaftlicher Akteur den Krieg aufgrund der Aussichtslosigkeit einstellt, so ist dies freilich überhaupt kein Widerspruch. Richtig verstanden wirken alle drei Motive zum Krieg kumulativ. Sobald ein Motiv wegfällt wird folglich die Willenskraft zur Fortsetzung des Krieges kleiner. Im Augenblick der Erkenntnis der Aussichtslosigkeit und der Unverhältnismäßigkeit der Fortsetzung eines Krieges stellt sich daher die Frage, ob die Leidenschaft und der Hass groß genug sind, um den Krieg weiterhin zu rechtfertigen. Dass auch eine große Feindschaft dazu unter Umständen nicht hinreichen kann, ist kein Argument gegen die hier dargestellten Zusammenhänge.

 

Pragmatiker werden nun gegen diese für die politische Ebene festgestellten Zusammenhänge einwenden, dass sie doch mit der Realität nur in entfernter Verbindung stehen. Tatsächlich ist es natürlich so, dass im wirklichen Leben sehr differenzierte Verflechtungen zum Tragen kommen, dass z.B. ein Akteur zwar den Sieg nicht mehr erwartet, den Widerstand aber etwas verlängern möchte, um seine Position in den Friedenverhandlungen zu verbessern. Die meisten Kriege werden also mit einem Kompromiss enden, in welchem der Sieger dem Verlierer seinen Willen nur teilweise aufzwingt und dies muss natürlich von vornherein in das Gesamtkalkül mit einbezogen werden. Wir sagen aber, dass die Friedensverhandlungen inklusive der damit verbundenen Möglichkeiten und Auswirkungen und dem Einfluss, den einzelne Persönlichkeiten in diesem Prozess haben, eine der externen Größen sind, welche die jeweilige Gestalt des Krieges zwar maßgeblich prägen, mit dem eigentlichen Geist und der Idee des Krieges aber nichts zu tun haben. Es kommt hier nämlich ein anderes Mittel der Politik in Betrachtung, namentlich die Diplomatie, welche in vielfacher Weise auf den Krieg Einfluss nehmen kann und vice versa. Je mehr also der Krieg als Ganzes nur eine Drohung oder ein Schauspiel ist, ohne aber mit einer wahren Absicht zur faktischen Durchführung untermauert zu sein, je mehr er nur diplomatische Verhandlungen begleitend unterstützt und nicht ein Zwang im eigentlichen Sinne darstellt, desto mehr müssen sich die kriegerischen Erscheinungen von der eigentlichen Idee des Krieges entfernen, desto weniger ist der wirkliche Krieg ein Krieg im Geiste dieser Theorie.

 

Mit diesen Überlegungen zur politischen Dimension des Krieges ist der Umfang des Konflikts, d.h. die relative Größe der aufzuwendenden Anstrengungen und damit auch die Widerstandskraft gegen die gegnerische Gewalt beschrieben und in Zusammenhang gesetzt. Zwar können die politischen Entscheidungsträger den Umfang der zum Krieg bestimmten Kräfte festlegen, doch haben sie für Clausewitz keinen Einfluss auf die maximal möglichen Anstrengungen – vergleichbar mit der menschlichen Intelligenz, welche zwar die Laufgeschwindigkeit des eigenen Körpers festlegen, in der Dauer des Laufes aber durch physische Größen außerhalb ihres unmittelbaren Zugriffsbereichs beschränkt wird. Je nach Motivationslage hat der Körper mehr oder weniger Energie, doch die menschliche Intelligenz kann diese Energie nicht willkürlich abrufen, sondern diese nur abschätzen und die eigene Laufgeschwindigkeit an ein Kalkül zwischen eigener Energie und erwarteter Laufstrecke anpassen, um die optimale Zeit zu erreichen. Ebenso müssen die politischen Entscheidungsträger die Größe der Kräfte an einem Kalkül zwischen den Motiven zum Krieg und der erwarteten gegnerischen Widerstandskraft anpassen. Dabei bewegen sie sich in einem Spannungsfeld, denn je größer sie die Kräfte bestimmen, desto schneller erschöpft sich die Motivation, d.h. desto schneller wird der eigene Wille zur Fortsetzung des Krieges gebrochen, desto größer und schneller tritt die Niederlage ein. Je kleiner sie aber die Kräfte bestimmen, desto unwahrscheinlicher wird der strategische Erfolg, je ferner rückt also die Erfüllung des Ziels.

 

Mit diesen Überlegungen ist jedoch nur der Umfang des Krieges als Ganzes betrachtet. Ein weiterer Punkt ist die Frage nach der Effizienz, mit welcher die verfügbaren Kräfte auf das Ziel ausgerichtet werden, die gegnerischen Streitkräfte zu zerstören. Es kommt hier die strategische Dimension des Krieges in Betrachtung, in welcher der Krieg nicht mehr als Ganzes betrachtet wird, sondern in mehrere kleine oder große, wirkliche oder mögliche, nacheinander oder gleichzeitig stattfindende Gefechte gegliedert wird. Mit der Bestimmung und Kombination dieser Gefechte befasst sich die Strategie.[19]

 

Clausewitz hat sich mit der Strategie weitaus intensiver auseinandergesetzt als mit der Politik oder der Taktik. Dies ist wohl darin begründet, dass er die Strategie für das eigentliche Kerngeschäft der Kriegsführung hielt, denn indes die Taktik vorrangig aus vor- und eingeübten Bewegungen, Verfahren und Prozeduren zu bestehen scheint und die Politik ein eher außerhalb des Krieges zu verortendes Handlungsfeld darstellt, ist der Strategie als Herzstück der Kriegsführung ein großer Handlungsspielraum gegeben. Während Clausewitz die Entscheidungsprozesse auf politischer Ebene nicht näher betrachtete, ihnen eher einen nebulösen, systemischen, vielleicht sogar zufälligen Charakter zuschrieb, wurde er auf strategischer Ebene konkret und benannte den Feldherrn als alleinigen Entscheidungsträger im Rahmen der Strategie, wobei freilich seine begrenzte Machtvollkommenheit eine Art Hintertürchen darstellt, welche auch andere Entscheidungsträger neben dem Feldherrn zulässt. In jedem Falle bemaß er der Persönlichkeit des Feldherrn eine fundamentale Rolle im Rahmen der Strategie zu.

 

Die Strategie kann als ein komplexes System von Zielen verstanden werden. Sie bestimmt Kräfte, Raum, Zeit und Ziel eines jeden Gefechts. Die Erfüllung eines Einzelziels führt in Kombination mit anderen Einzelzielen zur Erfüllung eines Teilziels, welches selbst ebenfalls in Kombination mit anderen Teilzielen zu noch höheren Zielen führt usw. bis irgendwann das strategische Gesamtziel erreicht sein soll. Die Ziele können dabei aus vier verschiedenen Elementen definiert sein, welche sich durch die vier möglichen Wirksamkeiten eines Gefechts ergeben.[20] Diese jeweiligen strategischen Zielsetzungen stehen in einem bemerkenswerten Zusammenhang zu den oben genannten politischen Zielen des Krieges, welche gleichsam den Zweck der Taktik bilden:

 

  1. Die physische und moralische Vernichtung feindlicher Streitkräfte führt zur Wehrlosigkeit, Aussichtslosigkeit und Unverhältnismäßigkeit, richtet sich also gegen alle drei gegnerischen Motive zum Krieg.

  2. Die Inbesitznahme von Land stellt eine Zerstörung von Kriegsmitteln dar und führt somit zur Aussichtslosigkeit und zur Unverhältnismäßigkeit. Sie richtet sich somit gegen das politische Motiv und gegen den unbedingten Willen zum Sieg. Das Motiv der Feindschaft kann hierdurch kaum beeinträchtigt werden.

  3. Die Herbeiführung eines allgemeinen Schadens stellt eine Zerstörung von Nichtstreitkräften dar, es verteuert also allein den Preis bzw. die Kosten des Krieges, macht einen gegnerischen Sieg aber nicht weniger wahrscheinlich. Es wird hier also allein dem politischen Zweck als Kriegsmotiv begegnet.

  4. Die Zerstörung der feindlichen Absicht richtet sich zunächst gegen kein Kriegsmotiv, sondern allein gegen eine strategische Absicht. Will der Angreifer also eines der Ziele 1) bis 3) erreichen, so ist es das Ziel des Verteidigers, dass er diese Absicht aufgibt bzw. nicht weiter verfolgt. Dies kann sowohl durch bloßen Widerstand, also reines Abwehren der Schläge, geschehen oder auch durch die dann untergeordneten Zielsetzungen 1) bis 3).[21]

 

Diese Zielsetzungen lassen sich freilich vielfach miteinander verbinden, so kann z.B. die Inbesitznahme eines strategisch bedeutsamen Raumes als Voraussetzung für die spätere Vernichtung feindlicher Streitkräfte verstanden werden. Ebenso gut kann die Vernichtung feindlicher Streitkräfte als Voraussetzung für die später leichter fallende Inbesitznahme eines bestimmten Geländes gedacht werden. Auch kann die Herbeiführung eines allgemeinen Schadens den Gegner zur Diversion seiner Kräfte zwingen und somit die spätere Vernichtungsschlacht begünstigen.[22] Darüber hinaus ist jedes dieser Ziele in unterschiedlichen Intensitäten denkbar.

 

Die drei offensiven Ziele stehen allerdings nicht gleichrangig nebeneinander. Die Herbeiführung eines allgemeinen Schadens ist ein vergleichsweise sehr einfaches Ziel, da die Streitkräfte die Gewalt vorzugsweise dort anwenden können, wo sich die feindlichen Streitkräfte nicht befinden. Es findet sich also nur geringer Widerstand, die Zielerreichung ist leicht gesichert und die Kriegsführung muss sich somit selbst keinen großer Gefahren aussetzen. Problematisch daran ist, dass die Wirkung dieser Zielerfüllung oftmals nicht den Zweck erfüllt. So führt die Gewalt gegen Nichtstreitkräfte leicht zu einer Steigerung des gegnerischen Motivs der Leidenschaft und des Hasses, führt also im Gegenteil zu einer Erhärtung des Widerstandes und entfernt die Politik somit von ihrem eigentlichen Ziel. Aber selbst wenn diese nachteilige Wirkung nicht eintritt und Hass und Leidenschaft hierdurch nicht geschürt werden, so ist doch fraglich, dass der allgemein Schaden hinreicht, um die Motive zum Krieg aufzuheben. Die Inbesitznahme von Land ist schon problematischer, da der Gegner hierbei stets die Möglichkeit hat, dieses Land im Anschluss zurückzuerobern und den erzielten Erfolg somit wieder aufzuheben. Abgesehen davon also, dass die Inbesitznahme von Land oftmals nicht ohne die Zerstörung von Streitkräften zu denken ist, setzt diese Zielerreichung die Kriegsführung der erheblichen Gefahr einer späteren Waffenentscheidung aus, welche die Wirkung des ersten Erfolges aufhebt. Es ist insgesamt leicht ersichtlich, dass die Inbesitznahme von Land deutlich schwieriger und gefahrvoller ist, als die bloße Zerstörung desselben. Gleichwohl ist der Schaden, welcher dem Gegner daraus erwächst, viel bedeutsamer, da der Verlust des Landes einen Einfluss auf das im Krieg relevante Kräfteverhältnis hat. Im Übrigen ist die Inbesitznahme von Land weniger geeignet, den Hass und die Feindschaft zu schüren, als die Herbeiführung eines allgemeinen Schadens, da hier nicht der Eindruck von unnötiger, sinnloser und triebhafter Gewaltausübung entsteht. Die Inbesitznahme des Landes ist also im Vergleich zur Herbeiführung eines allgemeinen Schadens schwieriger zu verwirklichen, trifft dafür aber sicherer den Zweck des Handelns. Schließlich bleibt die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte als der „erstgeborene Sohn des Krieges“[23], welche zwar offensichtlich die eigenen Streitkräfte der größten Gefahr aussetzt, da es sich um eine direkte Konfrontationsstrategie handelt und „die größere Wirksamkeit, welche wir suchen, im Fall des Nichtgelingens auf uns zurückfällt, also größere Nachteile zur Folge hat.“[24] Im Gegenzug – das ergibt sich daraus – ist die Wirksamkeit dieses Ziels aber größer, d.h. es handelt sich um den sichersten Weg zur Realisierung des Zwecks.

 

Es ergibt sich also eine deutliche Rangfolge zwischen den unterschiedlichen Zielen und je mehr die Strategie darauf abzielt, die feindlichen Kräfte zu vernichten, desto größeren Gefahren setzt sie sich aus, desto wirksamer sind aber die Streitkräfte in Bezug auf den Zweck und desto sicherer führt der strategische Erfolg auch zur Realisierung des politischen Zwecks. Dies gilt jedoch nur für das strategische Gesamtziel, nicht aber für die untergeordneten Ziele, denn ansonsten müsste „ein blindes Draufgehen“[25] stets den Sieg über die „behutsame Geschicklichkeit“[26] davon tragen. Die Vernichtung feindlicher Streitkräfte kann also durch die geschickte Verfolgung anderer Ziele vorbereitet und somit effizienter gestaltet werden. Es ist sogar vorstellbar, dass durch ein geschicktes Einnehmen von Land die gegnerische Streitkräfte in eine Lage versetzt werden, in welcher sie nur noch aufgeben können, weil die Annahme eines weiteren Gefechts ihnen die sichere Vernichtung in Aussicht stellt. Der Wert eines einzelnen Gefechts kann also nicht isoliert betrachtet, sondern muss in Zusammenhang mit den ferneren Zielen gesetzt werden. Die Eroberung eines Landstrichs kann somit, wenn sie dazu dient, bessere Voraussetzungen zur Vernichtung feindlicher Streitkräfte zu schaffen, eine größere Wirksamkeit, Bedeutung bzw. Effizienz aufweisen, als die Vernichtung feindlicher Streitkräfte, wenn diese dem ferneren Ziel dient, einen Landstrich leichter in Besitz nehmen zu können. Im ersten Fall verbessert eine kleine Anstrengung die Wahrscheinlichkeit eines bedeutsamen Erfolges, im zweiten Fall verbessert eine große Anstrengung die Wahrscheinlichkeit eines kleinen Erfolges. Beides muss freilich im Einzelfall gesehen und abgewägt werden, aber die grundsätzliche Tendenz scheint zuzutreffen.

 

Bedeutsam ist jedoch die Feststellung, dass unter sonst gleichen Bedingungen derjenige, welcher das größere Gesamtziel verfolgt, dem anderen gegenüber im Vorteil sein muss. Zum einen folgt dies von selbst, da das höhere Ziel das wirksamere ist und die Streitkräfte also wirksamer eingesetzt werden. Dem könnte jedoch noch entgegengehalten werden, dass – wie wir gesagt haben – die Aussicht auf Zielerreichung umso kleiner ist, je größer das Ziel gewählt wird. Das entscheidende Argument ist hier jedoch, dass das größere Ziel das kleinere dominiert. Je größer das Ziel, desto notwendiger ist die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte und also desto größer ist die Bedeutung der tatsächlichen Waffenentscheidung, d.h. des unmittelbaren Gefechts. Je niedriger ein Akteur sein Ziel aber setzt, desto mehr wird er seine Kräfte für andere Aktivitäten aufbringen müssen, desto weniger Kräfte wird er folglich für den unmittelbaren Zusammenstoß von Streitkräften zur Verfügung haben. Die Folge ist, dass die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung für denjenigen, der seine Anstrengungen auf diese Waffenentscheidung konzentriert, steigen und also der eigentliche Nachteil des größeren Ziels als aufgehoben betrachtet werden muss. Clausewitz umschreibt dies wie folgt:

 

„[...] weil, wenn der Feind den Weg großer Waffenentscheidung wählte, der unserige sich eben dadurch gegen unseren Willen auch in einen solchen verwandeln würde. Es kommt also dann auf den Ausgang des Vernichtungsaktes an; nun ist aber klar, daß wir, alle übrigen Umstände wieder gleich genommen, in diesem Akt im Nachteil aller Verhältnisse sein müssen, weil wir unsere Absichten und unsere Mittel zum Teil auf andere Dinge gerichtet hatten, welches der Feind nicht getan hat. Zwei verschiedene Zwecke, deren der eine nicht Teil des anderen ist, schließen einander aus, und es kann also eine Kraft, die für den einen verwendet wird, nicht zugleich dem anderen dienen. Wenn also einer der beiden Kriegführenden entschlossen ist, den Weg großer Waffenentscheidungen zu gehen, so hat er auch schon eine hohe Wahrscheinlichkeit des Erfolges für sich, sobald er gewiß ist, daß der andere ihn nicht gehen, sondern ein anderes Ziel verfolgen will; und jeder, der sich ein solches anderes Ziel vorsetzt, kann dies vernünftigerweise nur tun, insofern er von seinem Gegner voraussetzt, daß er die großen Waffenentscheidungen ebensowenig sucht.“[27]

 

Daraus folgt, je gleichwertiger die gegenüber stehenden Streitkräfte sind, desto mehr sind beide Parteien dazu gezwungen sich ein hohes strategisches Gesamtziel zu setzen und desto mehr müssen sich die Entscheidungen auf wenige Punkte konzentrieren, weil der eine stets befürchten muss, dass der andere ihn in der Zielsetzung überbietet. Dies ist aber freilich eine rein logische und nicht zwingend die reale Schlussfolgerung. Es muss hier nämlich die Persönlichkeit des Feldherrn in Betracht gezogen werden, denn je mehr er seine Kräfte auf die Vernichtung der feindlichen konzentriert, desto größer wird auch die Niederlage, die er befürchten muss. Der zaghafte Feldherr wird daher sogar trotz des logischen Wissens um die Notwendigkeit der hohen Zielsetzung vor dieser Entscheidung zurückschrecken und das Ziel kleiner setzen, weil er die große Niederlage mehr fürchtet als die kleine, auch wenn sich dadurch die Wahrscheinlichkeit seines Sieges verringert. Noch komplexer wird dieser Zusammenhang, wenn eine Kräfteasymmetrie angenommen wird, in welcher der Schwächere nicht darauf hoffen kann, in einem Gefecht die Entscheidung gegen des Stärkeren herbeiführen zu können. Dies muss ihn freilich dazu zwingen, das Ziel kleiner zu wählen und sich der gegnerischen Vernichtung zu entziehen, um so Zeit zu gewinnen, die Dauer des Konflikt zu verlängern und so den Gegner zu ermatten.[28]

 

Fragen wir nun nach dem Zusammenhang zwischen der politischen und der strategischen Dimension, so sind die Kausalverbindungen kleiner, als sich dies die liberalen Clausewitz-Interpreten wünschen. Denn während der Umfang der Anstrengungen zum Krieg durch die drei Hauptmotive bestimmt werden, wird die Zielsetzung und damit die Effizienz dieser Streitkräfte durch die Persönlichkeit des Feldherrn festgelegt. Es lässt sich also widerspruchsfrei ein großer, das Dasein der Völker umfassender Konflikt vorstellen, in welchem ein zaghafter oder gar machtloser Feldherr die Streitkräfte ineffizient einsetzt und den einzelnen Gefechten Ziele vorgibt, die weit vom absoluten Begriff des Krieges entfernt sind. Ebenso sind Kleinstkriege denkbar, in denen entschlossene Feldherren äußerstes wagen. Dies ist auch ganz folgerichtig, denn die Motive und die Konstitution des politischen Gemeinwesens zum Krieg sind nicht mit den Motiven und der Konstitution des Feldherrn gleichzusetzen. Dies schließt freilich nicht aus, dass die politischen Entscheidungsträger sich in strategische Fragen einmischen oder der Feldherr sich in die Politik einmischt. Darüber hinaus wird die Politik freilich dazu neigen, einen Feldherrn zu bestimmen, welcher am ehesten ihren Ansprüchen und Vorstellungen gerecht wird; so wird sie natürlich im Falle kleiner Motive tendenziell einen vorsichtigen Bedenkenträger, im Falle großer oder existenzieller Motive eher einen Draufgänger zum Feldherrn bestimmen. Dies alles ist aber ein Ausdruck der realen Erscheinungen, im konkreten Fall begründet und nicht auf den eigentlichen Geist des Krieges zurückzuführen.

 

Doch während die Kausalverknüpfungen zwischen den beiden Dimensionen recht klein sind, aus der Gestalt der einen Dimension also nicht gleich die Gestalt der anderen folgt, gibt es eine enge normative Verknüpfung. Diese ergibt sich aus dem strategischen Zweck, welcher – gleichwohl das politische Ziel des Krieges – in seinem eigentlichen Kern politischer Natur ist. Damit der Feldherr also den Zweck seines Handlungsfeldes treffen kann, muss er die politischen Umstände des Krieges sehr genau kennen und verstehen, denn das strategische Handeln richtet sich eben nicht, wie vielfach von Militärschriftstellern angenommen, gegen die feindlichen Streitkräfte, sondern gegen das gegnerische politische Gemeinwesen, ist in diesem Sinne kriegerisches und gleichsam politisches Handeln. Hat der Gegner z.B. große Motive und stellt aber nur kleine Streitkräfte auf, so ist das Streben nach der Vernichtung feindlicher Streitkräfte nur schwerlich geeignet, um den Sieg zu erringen, denn der Gegner hat unendliche zeitliche Reserven und kann immer neue Streitkräfte aufstellen. Das strategische Handeln hat also vor allem politische Implikationen. So schreibt Clausewitz:

 

„Um einen ganzen Krieg oder seine größten Akte, die wir Feldzüge nennen, zu einem glänzenden Ziel zu führen, dazu gehört eine große Einsicht in die höheren Staatsverhältnisse. Kriegführung und Politik fallen hier zusammen, und aus dem Feldherrn wird zugleich der Staatsmann.“[29]

 

Um den dritten Faktor der Kriegsintensität zu erschließen bedarf es der Betrachtung der taktischen Dimension des Krieges. Hier wird das Gefecht, welches in der Strategie noch als Ganzes gedacht wurde, in seine Einzelteile zergliedert und somit kommen die Streitkräfte in den unterschiedlichen Ordnungsgrößen zur Geltung. Das Gefecht ist durch das Zusammentreffen zweier Streitkräfte definiert und beinhaltet somit die gegenseitige, unmittelbare Gewaltanwendung. Die Strategie hat das Gefecht in Bezug auf Kräfte, Raum, Zeit und Ziel bestimmt. Das strategische Ziel wird dabei zum Zweck für den taktischen Gebrauch der Streitkräfte. Dabei gibt es für die Taktik nur ein Ziel und dies ist die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte – eine andere Zielsetzung verbietet sich im laufenden Gefecht aufgrund der unmittelbar existenziellen Gefahr für Leib und Leben bzw. wäre nicht zum Gefecht selbst gehörig.

 

Das Gefecht besteht im Wesentlichen aus zwei Elementen, mit welchen die Vernichtung des Gegners erwirkt werden kann. Dies sind:

 

  1. Das Vernichtungsprinzip des Feuers. Vor dem eigentlichen Zusammentreffen können sich die Streitkräfte mit technischen Mitteln auf Distanz bekämpfen. Die Streitkräfte sind hier noch räumlich voneinander getrennt und insofern ist die innere Ordnung in der Regel nicht gefährdet. Eine vollumfängliche Vernichtung wird sich mit diesem Element nicht erreichen lassen, insbesondere die moralische Wirkung in Bezug auf die Zerstörung der gegnerischen Ordnung und des gegnerischen Zusammenhalts scheint beschränkt zu sein.

  2. Nahkampf. Indem die angreifende Streitkraft in die Stellung der verteidigenden eindringt bzw. einzudringen versucht, beginnt der Nahkampf. Die Verzahnung der beiden Streitkräfte führt dazu, dass dem Nahkampf die Konfusion, die Zerstörung der inneren Ordnung und das Chaos inhärent ist. Da jeder Einzelnen nun plötzlich vom Feind umgeben und somit auf sich allein gestellt ist, ist ein Zusammenhalt in der Gefechtsführung, also in der taktischen Kooperation, hier nur noch auf niedrigster Ebene möglich. Die Vernichtung feindlicher Streitkräfte, insbesondere der moralischen, hat hier ihren höchsten Grad; die im Nahkampf befindlichen Kräfte können als aufgelöst und nicht mehr führbar betrachtet werden. Ein Eingreifen seitens der militärischen Führung ist hier nur rudimentär denkbar.[30]

 

Nehmen wir das taktische Ziel nun zunächst absolut, so muss gesagt werden, dass die Taktik die Streitkräfte so anzuordnen hat, dass sie die Wahrscheinlichkeit des Gelingens der vollumfänglichen Vernichtung des Feindes maximiert. Vernichtung meint hier freilich nicht die physische, sondern vordergründig die moralische, d.h. das absolute Ziel ist erreicht, sobald der Gegner wehrlos bzw. im Sinne der kriegerischen Tätigkeit handlungsunfähig ist. Dies kann der Taktik durch das Vernichtungsprinzip des Feuers regelmäßig nicht gelingen, da der Gegner stets wissen wird, wie er sich rechtzeitig der gegnerischen Feuerwirkung zu entziehen hat, bevor seine Vernichtung eingetreten ist. Eine Ausnahme besteht in diesem Zusammenhang, wenn die gegnerischen Kräfte eingeschlossen sind, was aber als Besonderheit gelten muss. Will der eine den anderen also vernichten, so muss er den Nahkampf suchen.

 

Im Nahkampf verschwimmen die Grenzen der beiden Streitkräfte. Beide Seiten verschmelzen zu einem Ganzen und ringen miteinander. Die Streitkräfte sind in diesem Augenblick – aus der Sicht der militärischen Führung – sich selbst überlassen, es tritt also „Unordnung, der Zustand der Auflösung und Schwächung“[31] ein, d.h. beide Seiten werden im Nahkampf von einer Krise erfasst. Der Nahkampf erzwingt insofern eine Entscheidung, da er erst beendet werden kann, wenn entweder der Verteidiger seine Stellung räumt, der Angreifer sich zurückzieht oder eine der Parteien physisch vernichtet wurde. Da die letzte Variante als unnatürliche Ausnahme verstanden werden muss und da im Augenblick des Nahkampfes keine Seite einen exakten Überblick über die tatsächlichen Verluste haben kann, wird der Nahkampf im Wesentlichen durch die Vernichtung der moralischen Streitkräfte entschieden; sei dies der Wille des taktischen Befehlshabers, der die Hoffnung in einen Sieg verliert und – sofern er in der Lage dazu ist – den Rückzug befiehlt oder der Wille der individuellen Streitkräfte, welche den Willen zum Kampf verlieren und vom Schlachtfeld fliehen. Bricht nun also der Wille zum Kampf einer Streitkraft zusammen, weichen die einzelnen Teile aus ihren Stellungen, so ist die Folge, dass für die fliehende Streitkraft die Krise zunächst anhält, während die siegreiche sich mehr oder weniger schnell erholt, zu ihrer Ordnung findet und folglich wieder führbar wird. Ohne dass also etwas über die physische Vernichtung der Streitkräfte gesagt wurde, ergibt sich nun ein Zeitfenster, in welchem die siegreiche Streitkraft handlungsfähig ist, während sich die niedergeschlagene noch im Zustand der Auflösung befindet. Die Folge des entschiedenen Gefechts ist nun also, dass der Sieger zeitlich begrenzte Handlungsfähigkeit erhält, in welcher er keinen Gegner fürchten, sondern vollkommen frei im Raum operieren kann. Er kann nun den Zweck des Gefechts realisieren, sei es den Gegner zu verfolgen und seine Vernichtung damit auch physisch zu verwirklichen, sei es Land in Besitz zu nehmen oder die Gegend zu verwüsten, also einen allgemeinen Schaden herbeizuführen.[32]

 

Von diesem absoluten Standpunkt aus gesehen muss die Taktik also die Gewaltanwendung dahingehende optimieren, dass a) das Vernichtungsprinzip des Feuers die Voraussetzungen für den Nahkampf möglichst verbessert, dabei aber b) der Nahkampf den Schwerpunkt des Handelns darstellt und möglichst große Teile in ihn eintreten müssen. Freilich ist der Nahkampf derjenige Ort, an welchem die Gefahr im Kriege sich am massivsten verdichtet. Umso mehr gilt, dass bei sonst gleichen Verhältnissen derjenige, der immer und überall die Bereitschaft aufweist, in den Nahkampf einzutreten, der sich also „dieser Gewalt rücksichtslos, ohne Schonung des Blutes bedient, ein Übergewicht bekommen [muss], wenn der Gegner es nicht tut,“[33] denn wer den Nahkampf meiden will, der muss ausweichen und hat damit zumindest an diesem Punkt eine Niederlage erfahren.

 

Wir stellen uns das absolut gewaltintensive Gefecht also so vor, dass die Streitkräfte ohne jedwede Rücksichtnahme darauf ausgerichtet sind, den Gegner zu vernichten und dies kann bei sonst gleichen Verhältnissen nur über den Nahkampf erreicht werden. Nun stellt sich aber die Frage, welche Art der Rücksichtnahmen in der Gewaltanwendung gemeint sein könnten, d.h. inwiefern von diesem Äußersten abgewichen werden kann. Hierbei lassen sich zwei Kategorien grundsätzlich unterscheiden.

 

Zum einen die Schonung der eigenen Kräfte, welche durch ein Zurückschrecken vor dem Nahkampf zum Ausdruck kommt. Je mehr eigene Kräfte sich im Nahkampf befinden, desto größer ist nicht nur der mögliche Sieg, sondern desto größer ist auch die mögliche Niederlage und desto weniger Einfluss kann die militärische Führung auf die gegenwärtigen Geschehnisse nehmen. Je mehr der Nahkampf im Gefecht aus diesem Grunde gemieden wird, desto mehr dient der Distanzkampf nicht nur als Vorbereitung für den Nahkampf, sondern er wird zu einem eigenständigen Prinzip des Sieges, welches zwar nicht die Entscheidung im ursprünglichen Sinne herbeiführt, aber unter Umständen doch ausreicht, um das strategische Ziel zu erreichen. Mit der Selbstbeschränkung auf das Vernichtungsprinzip des Feuers rückt das taktische Ziel also vom Absoluten ab, sucht nicht mehr die vollumfängliche Vernichtung, sondern nur noch eine teilweise Zerstörung. Denn indem sie durch eine örtliche Überlegenheit an Feuerkraft den Gegner im Fernkampf dezimieren kann, wird dieser zum Ausweichen gezwungen, ohne jedoch merklich vernichtet zu sein. Wohlgemerkt kann dies nur bei einer örtlichen Überlegenheit an Feuerkraft und einem Gegner, der den Nahkampf ebenso scheut, erfolgsversprechend sein. Hier wird also die Intensität der Gewaltanwendung bewusst abgemildert, um die Gefahren einer Niederlage zu mindern, um keine unnötigen Kräfteanstrengungen zu unternehmen. Dies entspricht gewissermaßen der strategischen Vorgabe, denn wenn ein Gefecht mit dem Ziel der Vernichtung feindlicher Streitkräfte mit gleicher Intensität geführt würde als ein Gefecht mit dem Ziel der Inbesitznahme von Land, so würde es hierzwischen keinen qualitativen Unterschied geben und die Überlegungen zur Strategie wären hinfällig. Die Größe des taktischen Zwecks muss also auch die Größe des Ziels mitbestimmen und je kleiner das Ziel ist, desto weniger intensiv muss auch das Ziel der Vernichtung feindlicher Streitkräfte verfolgt werden, denn desto eher ist der Feind auch bereit, von seiner Absicht abzurücken oder andersrum, desto weniger ist die Vernichtung feindlicher Streitkräfte von strategischer Bedeutung und Notwendigkeit.

 

Die zweite Form der Rücksichtnahme bezieht sich auf die Art und Weise der Anwendung von Gewalt. So gibt es regelmäßig eine regional und epochal differenzierte Vorstellung von dem, was im Krieg legitime und nicht legitime Formen der Gewaltanwendung sind. Diese wie auch immer begründeten Normen schränken die Gewaltanwendung mal mehr, mal weniger ein. Es sind Regeln wie z.B. der Schutz und die Schonung der Zivilbevölkerung, die damit verbundene Kennzeichnungspflicht für Kombattanten, das Verbot der Anwendung bestimmter, besonders grausamer Kampfmittel und die Beschränkung auf bestimmte Taktiken und Verfahrensarten. Begründet sind diese Beschränkungen in ethischen, religiösen, spirituellen oder auch rein praktischen Überlegungen. Diese Form der Rücksichtnahme ist der Theorie des Krieges zunächst einmal fremd, „denn in so gefährlichen Dingen, wie der Krieg eins ist, sind die Irrtümer, welche aus Gutmütigkeit entstehen, gerade die schlimmsten.“[34] Es geht nämlich derjenige, der sich dogmatisch an diese Beschränkungen hält, dass große Risiko ein, dass der Gegner dies nicht tut und aus diesem Grunde weit überlegen ist. In diesem Sinne schreibt Clausewitz;

 

„Wir mögen nichts hören von Feldherren, die ohne Menschenblut siegen. Wenn das blutige Schlachten ein schreckliches Schauspiel ist, so soll das nur eine Veranlassung sein, die Kriege mehr zu würdigen, aber nicht die Schwerter, die man führt, nach und nach aus Menschlichkeit stumpfer zu machen, bis einmal wieder einer dazwischen kommt mit einem scharfen, der uns die Arme beim Leibe weghaut.“ [35]

 

Dies lässt den Schluss nahe liegen, dass die vielen Beschränkungen der wirklichen Welt externer Art sind, dass also die absolute Anwendung der Gewalt im Gefecht doch eher der Idee und der Natur des Krieges entspricht, zumal dies auch im Selbsterhaltungstrieb der beim Leben bedrohten individuellen Streitkräfte liegen muss. In der Tat scheint es auch sehr wahrscheinlich, dass zumindest der junge Clausewitz dies so sah; wir müssen aber entgegenhalten, dass indem der ältere Clausewitz die kürzeren strategischen Wege zum Ziel zuließ und nicht stets die absolute Vernichtung forderte, die Theorie einen deutlichen Widerspruch aufweisen würde, wenn sie diese Abweichung vom Absoluten nicht auch auf taktischer Ebene nachvollziehen würde. Denn zweifelsfrei finden sich vielfache rationale Gründe, die Normen und Beschränkungen in der Gewaltanwendung einzuhalten bzw. sich in der Gewaltintensität zu beschränken und dies umso mehr, je weniger bedeutsam die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte zur Verwirklichung des strategischen Zwecks wird.

 

Diese Gründe finden sich dabei nicht in ethischen Motiven, sondern sie finden sich in der Idee des Krieges selbst. So muss die Einhaltung der bestehenden Normen geboten sein,

 

  • wenn die Gewaltanwendung die Leidenschaft und den Hass des gegnerischen politischen Gemeinwesens nicht unnötig schüren soll,

  • wenn dritte politische Gemeinwesen nicht im Angesicht von Rohheit und Brutalität als Bündnispartner abfallen oder gar zum Feind übertreten sollen,

  • wenn die moralische Hauptpotenz der gegnerischen Streitkräfte (Volksgeist des Heeres) nicht geschürt werden sollen und

  • wenn die Einhaltung tatsächlich auf einem gegenseitigen Einvernehmen beruht, denn in diesem Falle wäre die Anwendung des entsprechend gewaltsameren Mittels kein Vorteil, da der Gegner es auch anwenden würde, sondern nur ein Nachteil, da die Schlacht im allgemeinen grausamer würde.

 

Es findet sich hier also erneut ein Spannungsfeld. Einerseits ist die rücksichtslose Optimierung der Gewaltanwendung eine Notwendigkeit, um a) das eigene Überleben zu sichern und b) das strategische Ziel bzw. den taktischen Zweck am sichersten zu erfüllen. Andererseits gibt es rationale Gründe, vor dem Äußersten der Gewaltanwendung zurückzuschrecken und also wie auch immer geartete Normen und Konventionen einzuhalten, welche die Wirksamkeit der Gewalt mehr oder weniger hemmen. In diesem Zusammenhang lässt sich die Tendenz feststellen, dass je bedeutsamer das Gefecht für den ganzen Krieg, d.h. je mehr das Ergebnis über Sieg oder Niederlage zu entscheiden vermag, desto größer und absoluter kann die Gewaltanwendung sein, wohingegen bei kleineren, unbedeutenden Gefechten eine Einschränkung der Gewaltanwendung sinnvoller erscheint, da die negativen strategischen oder politischen Begleiterscheinungen viel wirksamer sein können, als der damit errungene Nutzen des taktischen Sieges.[36]

 

Aber dies ist wiederum nur die Idee, die innere Logik bzw. der Geist des Krieges. Tatsächlich finden sich hier, auf taktischer Ebene, große Differenzen zwischen der rationalen Idee und dem tatsächlich praktischen Handeln. Die Gewaltanwendung im Gefecht geht nicht von einer einzelnen leitenden Intelligenz aus, die den Geist des Krieges durchdrungen hat und das Ganze zu einer Handlung aus einem Guss macht, sondern von vielen einzelnen Individuen. Zur Beschränkung der Gewaltanwendung, zur Einhaltung von Normen und Konventionen im Gefecht, bedarf es einer eisernen Disziplin, denn die persönliche Gefahr zu vergrößern, um eine abstrakte, im konkreten Fall wenig einsehbare und gegen den Instinkt des Selbsterhalts  gerichtete Regel einzuhalten, kann nur auf eine besondere, jenseits des eigenen Individuums begründete Ehre zurückzuführen sein. Ferner kann die Anwendung der absoluten Gewalt, d.h. das Suchen und Eingehen des Nahkampfes, nur auf eine besonders leidenschaftliche Energiequelle zurückzuführen sein, die sich auf einen höheren Wert als das eigene Individuum bezieht. Es müssen hier also die moralischen Hauptpotenzen der Streitkräfte in Betrachtung kommen, die in der wirklichen Welt mehr über den Grad der Gewaltanwendung entscheiden, als die innere Logik des Krieges dies kann.

 

Hierbei lassen sich drei moralische Hauptpotenzen der Streitkräfte voneinander unterscheiden:

 

  1. Die kriegerische Tugend des Heeres, welche durch Waffenehre bzw. Korpsgeist, Traditionsverständnis etc. die Streitkräfte zu einem wahren Instrument in der Hand des Feldherrn macht. Eiserne Disziplin, Befehl und Gehorsam, verbinden sich hier mit einer persönlichen Identifikation zum kriegerisch-taktischen Handwerk und der daraus resultierenden Professionalität in der Gewaltanwendung.

  2. Der Volksgeist des Heeres, welcher sich durch kollektive Leidenschaft für die Sache oder gegen den Feind, d.h. Affekten aller Art, auszeichnet. Die individuelle Euphorie und Kampfbegeisterung führt zwar zu Höchstleistungen und Tapferkeit, gleichwohl aber zu einer Heterogenität und Eigenwilligkeit, also einem Widerspruch zu dem Prinzip von Befehl und Gehorsam.

  3. Die Tugenden des Feldherrn verstehen wir als zweckrationales Motiv der Streitkräfte. Die Streitkräfte wenden also die Gewalt zu ihrem persönlichen Vorteil, d.h. zum Zwecke einer späteren Belohnung, an. Dies führt zu einer prinzipiell schrankenlosen Gewaltbereitschaft im Rahmen von Befehl und Gehorsam, hebt aber die Disziplin ab einer gewissen Gefahr für Leib und Leben im ganzen Umfange auf.[37]

 

Das Vorhandensein dieser drei Hauptmotive entscheidet also ganz wesentlich, inwiefern a) die Streitkräfte sich den strategisch und politisch begründeten Anordnungen zur Gewaltbegrenzung unterordnen, b) sie in diesem Rahmen zur Äußersten Anwendung der Gewalt bereit sind, was zugleich eine äußerste persönliche Gefahr beinhaltet und c) sie überhaupt zur künstlichen Konzentration der Gewalt auf die gegnerischen Streitkräfte befähigt sind. Dies zu bestimmen wird umso schwieriger, da in jeder Streitkraft alle drei Motive in mehr oder weniger großem Umfang vorhanden sind. Es lässt sich aber doch die folgenden Tendenz herausfühlen:

 

Die Präferenz der Kriegstheorie muss bei der kriegerischen Tugend liegen, denn die schwerpunktmäßig darauf beruhenden Streitkräfte sind am einfachsten in ihren Handlungen zu kanalisieren und in diesem Sinne zweckmäßig einzusetzen. Das feste Band von Befehl und Gehorsam lässt sie in Situationen höchster Gefahr bestehen und befähigt sie zudem, sich in erforderlichen Szenaren zu zügeln und sich in der Gewaltanwendung zu begrenzen, selbst dort, wo damit eine höhere Gefährdung der Person einhergeht. Das problematische daran ist freilich, dass dies gleichsam die am schwierigsten zu erwerbende moralische Hauptpotenz ist und Streitkräfte, welche über diese verfügen, für den Feldherrn folglich von höchstem Wert sind.

 

Der Volksgeist des Heeres ist hingegen eine frei verfügbare moralische Hauptpotenz, die je nach Konstitution des politischen Gemeinwesens in jedem Bürger mehr oder weniger vorhanden ist. Dies führt dazu, dass er die Gesamtstreitkräfte potentiell quantitativ verstärkt, wenn aber auch nicht qualitativ. Die durch den Volksgeist herbeigeführte Motivation führt zwar unberücksichtigt der Eigengefährdung zu der grundsätzlichen Bereitschaft der äußersten Gewaltanwendung, bringt aber andererseits eine fehlende Fokussierung dieser Gewalt mit sich, denn die natürliche Richtung dieser Gewalt zielt auf Nichtstreitkräfte ab und dies muss durch die Kriegsführung mühsam umgelenkt werden, es sei denn, es handelt sich um einen Krieg im eigenen Land, da dort allein die gegnerischen Streitkräfte als Ziel von Gewaltakten in Frage kommen. Die durch den Volksgeist motivierte Streitkraft eignet sich daher insgesamt eher für die äußerste Anwendung der Gewalt und ist bei beschränkten Zielen oftmals eher kontraproduktiv.

 

Die zweckrationale Motivation der Streitkräfte spricht hingegen für eine begrenzte Zielsetzung im Gefecht. Der Nahkampf ist dieser moralischen Hauptpotenz fremd, da sie die damit verbundenen Gefahren nicht kompensieren kann – posthum kann das Individuum für seine Taten nicht entlohnt werden. Gefechte werden also vorzugsweise auf Distanz ausgetragen, da so das Risiko begrenzter und kalkulierbarer erscheint. Zudem ist diese Motivation zwar schneller verfügbar, d.h. es lassen sich sehr schnell Streitkräfte mit dieser Motivation ausheben, doch ist der Umfang derselben sehr begrenzt und muss sich im politischen Motiv des Krieges wiederspiegeln.

 

In diesem Zusammenhang ist vollkommen evident, dass die Taktik nicht die moralischen Hauptpotenzen der Streitkräfte bestimmen kann, d.h. sie kann nicht auf das Mittel zurückgreifen, welches ihr in diesem Augenblick zweckmäßig erscheint, sondern sie muss diejenigen Mittel aufwenden, über welche sie augenblicklich verfügt oder anders ausgedrückt, die moralischen Hauptpotenzen bestimmen zumindest anteilig die Taktik. Es muss also geschlussfolgert werden, dass es Streitkräfte geben kann, die nicht zu einer begrenzten oder im umgekehrten Falle zu einer absoluten Gefechtsführung in der Lage sind. Dies muss freilich erheblich auf die Möglichkeiten der strategischen und politischen Dimension zurückwirken.

 

Ich habe somit nochmals die Kernaussagen der drei unterschiedlichen Dimensionen zusammengefasst und komme nun zu der eigentlichen Essenz, zu dem ganzheitlichen Zusammenhang, der sich schon gelegentlich angedeutet hat, aber noch nicht vollumfänglich dargelegt wurde.

 

Alle drei Dimensionen des Krieges werden maßgeblich durch jeweils drei verschiedene Faktoren bestimmt, welche sich unter den aus der wunderlichen Dreifaltigkeit bekannten Oberbegriffen blinder Naturtrieb, freie Seelentätigkeit sowie bloßer Verstand subsumieren lassen. Würde man dies mit der Weber‘schen Theorie des sozialen Handelns in Verbindung bringen wollen, so würde der blinde Naturtrieb dem affektuellen, der freie Seelentrieb dem wertrationalen bzw. traditionellen sowie der bloße Verstand dem zweckrationalen Handeln entsprechen. Gleichwohl muss gesagt werden, dass es zwischen der Weber‘schen und der Clausewitz’schen Theorie gewichtige Unterschiede gibt. Denn während die Weber‘sche Systematik eine individuelle Handlung mit idealtypischen Handlungsmustern erklärt, im Fokus der Untersuchung also die konkrete Handlung steht, versucht Clausewitz die Verschiedenartigkeit von Handlungen zu erklären, indem er sie schließlich auf unterschiedliche (Kollektiv-) Persönlichkeitsstrukturen zurückführt.

 

Für den Krieg ergibt sich somit die folgende Übersicht, mit welcher die unterschiedlichen, jedem Krieg notwendigerweise inhärenten Einflussgrößen zusammengefasst dargestellt werden.

 

 

 

 

Blinder Naturtrieb

Freie Seelentätigkeit

Bloßer Verstand

Politische Dimension des Krieges

(Handlungsfeld: Bestimmen des Umfangs der Kräfte)

Hass und Feindschaft

unbedingter Wille zum Sieg (ergibt sich aus dem Spiel der Wahrscheinlichkeiten und des Zufalls)

politischer Zweck des Krieges (Anstrengung-Nutzen-Kalkül)

= Motive des politischen Gemeinwesens zum Krieg

(Bestimmt den Umfang der maximalen Anstrengungen

(Umfang der Kräfte x Dauer des Krieges))

Strategische Dimension des Krieges

(Handlungsfeld: Anordnen der Gefechte; Effizienz der Anstrengungen)

Energie/Tatkraft

Standfestigkeit/ Beharrlichkeit

Coup d’oeil/ Takt des Urteils

= Entschlossenheit des Feldherrn

(Bestimmt die Fähigkeit des Feldherrn, das treffende Urteil zu erkennen und die Kraft zu haben, dies umzusetzen)

Taktische Dimension des Krieges

(Handlungsfeld: Aufstellen der Streitkräfte; Rücksichtslosig-keit der Gewalt-anwendung)

Volksgeist des Heeres (Feindschaft u. Enthusiasmus für die Sache)

Kriegerische Tugend des Heeres (Disziplin, Kriegsgewohnheit, Professionalität)

Talente des Feldherrn (Nutzenkalkül der kämpfenden Individuen)

= Moralische Hauptpotenzen der Streitkräfte

(Bestimmen den kollektiven Willen der Streitkräfte zum Kampf)

 

An dieser Darstellung muss auffallen, dass die strategische Dimension des Krieges von einer anderen Natur zu sein scheint als die beiden anderen, dass sie sich nicht so recht in das Ganze einzufügen vermag. Denken wir uns diese Zwischenebene weg, so ergäbe die Darstellung einen simplen Kausalzusammenhang, denn der Wille zum Kampf der Streitkräfte wäre ein nur in Nuancen unterschiedliches Abbild der Motive des politischen Gemeinwesens zum Krieg. Dort, wo das ganze politische Gemeinwesen leidenschaftlich gegen einen Feind entbrannt ist, dort werden in den meisten Fällen auch die Streitkräfte von dieser Kollektivemotion beseelt sein. Dort, wo ein politisches Gemeinwesen den Sieg um seiner selbst willen anstrebt, da werden sich die Streitkräfte auch mit dem kriegerischen Handwerk identifizieren und über eine ausgebildete Waffenehre verfügen. Schließlich wird der Nutzen des Krieges stets einen Gegenwert haben, mit welchem das politische Gemeinwesen sich die Kämpfer, die es zum Kriege benötigt, im weitesten Sinne des Wortes erkaufen kann – zwar wurde oben gesagt, dass aus der Größe des politischen Zwecks nicht die Höhe der Motivation des einzelnen Kämpfers abgeleitet werden kann, da die Erhöhung des vermeintlichen Nutzens darauf kaum Einfluss haben wird. Das Nutzenkalkül des Einzelnen wird vielmehr dadurch verbessert, dass die Chance auf den Erfolg größer wird, die Wahrscheinlichkeit des Nutznießens also steigt. Der Zusammenhang zwischen politischem Zweck des Gemeinwesens und Nutzenkalkül des Einzelnen bleibt jedoch insofern bestehen, als dass je weniger die beiden anderen Motive vorhanden sind, je mehr muss dieses dritte Motiv hervortreten. Ist also ein politisches Gemeinwesen hauptsächlich durch den politischen Zweck zum Kriege motiviert, so werden auch die Streitkräfte zumeist durch ein Nutzenkalkül angetrieben werden müssen.

 

Diese Kausalzusammenhänge gelten freilich nicht absolut, denn bedingt durch gesellschaftliche Umbrüche oder besondere Abschottungstendenzen der Streitkräfte, aber auch durch eine an sich pluralistische Gesellschaft, kann es eine Differenz zwischen der Motivation des politischen Gemeinwesens und den moralischen Hauptpotenzen der darin enthaltenen Streitkräfte geben. Mit anderen Worten, die Streitkräfte sind immer ein Teil der Gesellschaft, je mehr sie aber eine herausgehobene oder gar abgeschottete Stellung einnehmen, desto mehr wird auch ihre Motivation von der Motivation des Ganzen abweichen. Aber allein da die Bevölkerung der Quell der Streitkräfte ist, werden sich diese früher oder später jener anpassen und es lässt sich sagen, dass doch stets eine mehr oder weniger signifikante Kausalität zwischen der Motivation des politischen Gemeinwesens zum Krieg und der Motivation der Streitkräfte zum Kampf gedacht werden kann.

 

Denken wir uns also weiterhin die strategische Dimension weg und lassen die Streitkräfte das tun, was sie ihrer natürlichen Motivation nach tun würden, denken wir uns also, dass die im Krieg freigesetzten Kräfte keiner engeren Steuerung unterliegen würden, so müssen folgende Sätze zutreffend sein:

 

  • Je mehr die Motivation des politischen Gemeinwesens durch Hass und Feindschaft bestimmt ist, desto mehr müssten die Streitkräfte die Zerstörung von Nichtstreitkräften betreiben, da dies ihrer natürlichen Richtung entspricht (Maximierung der Gewaltanwendung bei gleichzeitiger Reduzierung der Gefahr).

  • Je mehr die Motivation des politischen Gemeinwesens durch den unbedingten Willen zum Sieg bestimmt ist, desto mehr und umfänglicher müssten die Streitkräfte die Vernichtung der feindlichen Streitkräfte suchen (Maximierung des Kampfes, Intensivierung des kriegerischen Aktes, Optimierung der Siegeswahrscheinlichkeit).

  • Je mehr die Motivation des politischen Gemeinwesens durch den politischen Zweck bestimmt ist, desto mehr müssten die Streitkräfte die Inbesitznahme von Land anstreben, da nur dies einen unmittelbaren und nachhaltigen Gewinn versprechen kann und dies der Gewaltanwendung und somit auch der Gefahr am entferntesten ist (Maximierung des materiellen Nutzens bei Minimierung der Gefahr).

 

Ich will nun nicht die einzelnen möglichen Kombinationen durchgehen die sich aus diesen Aussagen ergeben, sondern einfach nur das Offensichtliche vorwegnehmen und sagen: der Krieg wäre in den meisten Fällen durch einen ineffizienten Ansatz der Kräfte bestimmt und in nahezu allen Fällen würden Anstrengungen unternommen, die überhaupt nicht notwendig wären. In diesem Sinne – und so erklärt sich die Sonderstellung der strategischen Dimension – ist die Instanz des Feldherrn künstlicher Natur und dient dazu, die im Krieg bzw. zur Kriegführung freigesetzten Kräfte zu kanalisieren und rational zu der Realisierung des politischen Zwecks einzusetzen. Auch wenn also jede Dimension für sich genommen ein Handlungsfeld abbildet, in welchem es eine Klugheit geben kann, so ist – wenn wir den Krieg als Ganzes denken – die politische Dimension das Wollen, die taktische das Handeln und die strategische das Denken.

 

Je weniger machtvollkommen der Feldherr also ist, desto mehr wird der kriegerische Akt seinen natürlichen, willkürlichen Gang gehen, d.h. umso mehr werden sich die Streitkräfte ihren eigenen Motiven und Gelüsten hingeben. Je mehr sie dies aber tun, desto mehr handeln sie nach eigenen Interessen und das Ganze verliert an Zusammenhalt und Einheit. Der Krieg entfernt sich dann von seiner eigentlichen Idee, hört immer mehr auf, ein kriegerischer Akt zu sein und gleitet hinüber zum Zustand der Anarchie, in welchem jeder tut, was er will. Je mehr der Feldherr sich aber seinem theoretischen Ideal annähert, je mehr er absolut über die Gefechte gebietet, desto weniger bestimmen die einzelnen Motive der Streitkräfte die Richtung des Handelns, desto mehr stellen die moralischen Hauptpotenzen nur noch eine Berechnungsgrundlage für den Kampfwert der Streitkräfte zur Bestimmung des zum taktischen Sieg notwendigen Zahlenverhältnisses dar und desto mehr wird der Krieg ein erweiterter Zweikampf, bei dem wir uns die „Unzahl der einzelnen Zweikämpfe, aus denen er besteht, als Einheit denken“[38] können. Die strategische Dimension ist also ein bestimmendes Merkmal des Krieges, ohne welche der Krieg aufhört, ein solcher zu sein.

 

Die Strategie ist also in der Clausewitz’schen Theorie die eigentlich normative Kraft, welche das instinktive, anarchische Element des Krieges aufhebt. Sie soll die unmittelbare gewaltsame Handlung von ihrem Motiv lösen und ihr eine zweckrationale und in diesem Sinne vernünftige Richtung geben. Aber dies ist freilich ebenso eine Idealvorstellung, denn es hängt an der Konstitution der Persönlichkeit des Feldherrn, inwiefern er die treffende Strategie erkennen und verwirklichen kann.

 

Sagen wir nun also, dass ein Krieg, sofern im Clausewitz’schen Sinne von einem solchen gesprochen werden kann, notwendigerweise aus allen drei Dimensionen besteht, so wirft dies unweigerlich die Frage auf, in welchem Verhältnis diese Dimensionen zueinander stehen. Wohlgemerkt sind hier nicht die Verhältnisse der handelnden Personen zueinander gemeint, denn es dürfte unfraglich sein, dass es der vernünftigen Ordnung entspricht, dass der politische Entscheidungsträger dem strategischen und dieser dem taktischen übergeordnet ist. Ist aber nach dem Verhältnis der verschiedenen Dimensionen zueinander gefragt, so ist damit die Bedeutung der einzelnen Dimension für das Ganze gemeint oder anders ausgedrückt: es stellt sich die Frage, in welcher Dimension über Sieg oder Niederlage im Krieg entschieden wird.

 

Bisher wurde stets gesagt, dass der Krieg beendet werden würde, sobald die Motive zum Frieden größer sind als die zum Krieg bzw. sobald die Widerstände, gegen welche der Krieg betrieben wird, größer sind, als die Motive dazu. Wir dachten uns also den Krieg als Handlung, die eine gewisse Anstrengung erfordert und diese Anstrengung muss natürlicherweise in einem Zusammenhang zu den Motiven stehen, da sie ansonsten nicht länger ins Leben gerufen werden kann. An dieser Ansicht soll grundsätzlich festgehalten werden, aber der Rückschluss, dass darum die politische Dimension die entscheidende sei, wäre verfrüht. Wenn, um es an einem Beispiel zu verdeutlichen, ein Boxkämpfer nach dem Empfang einiger Schläge feststellt, dass er sehr geschwächt ist, dem Gegner kaum noch etwas entgegenzusetzen hat und darum keine strukturierte Gegenwehr mehr leisten kann, so ist es durchaus wahr, dass seine Motive zur Fortsetzung des Kampfes nicht mehr mit den dafür notwendigen Anstrengungen in Einklang zu bringen sind. Doch dieses Missverhältnis ist nicht die eigentliche Entscheidung des Boxkampfes, sondern nur eine Folge der selbigen, welche durch die Erkenntnis gegeben wurde, dass eine Fortsetzung des Kampfes zum Untergang führen muss.

 

Erinnern wir uns nun an die drei Zielsetzungen des Krieges (Wehrlosigkeit des Gegners, Aussichtslosigkeit des gegnerischen Erfolges sowie Unverhältnismäßigkeit desselben), so ergibt sich ein bemerkenswerter Zusammenhang zu den drei Dimensionen des Krieges:

 

  1. Ist es das Ziel des Krieges, den Feind wehrlos zu machen, so muss das gegnerische Heer zertrümmert werden. Dieses wird immer eine Waffenentscheidung, d.h. eine Hauptschlacht oder eine Kombination von bedeutenden Gefechten erfordern. Der Krieg entscheidet sich also auf taktischer Ebene, indem im Rahmen eines oder mehrerer Gefechte die gegnerischen physischen und moralischen Streitkräfte geschlagen werden. Ist dies geschehen, so ist der Feind wehrlos.

  2. Ist es das Ziel, dem Gegner die Aussicht auf Erfolg zu nehmen, so muss ihm suggeriert werden, dass seine Kräfte nicht hinreichend groß sind, um sein Ziel zu erreichen. Diese Feststellung obliegt zumeist demjenigen, der die größte Einsicht in die Ereignisse hat und dies ist der Feldherr. Es ist also evident, dass der Krieg entschieden ist, wenn der Feldherr den Glauben an einen Sieg verloren hat, wenn also seine Entschlossenheit gebrochen wurde.

    Damit der gegnerische Feldherr von der Aussichtslosigkeit seines Feldzuges überzeugt werden kann, muss er – wir müssen ihm natürlich unterstellen, zu Beginn seines Unternehmens eine Aussicht auf Erfolg wahrgenommen zu haben – in eine Lage versetzt werden, welche strategisch schlechter ist, als er es ursprünglich angenommen hatte, d.h. sein Kalkül muss vernichtet werden. Es könnte nun behauptet werden, dass ein bedeutender taktischer Sieg dazu hinreicht. Freilich ist dies wahr, doch dies kann nicht im eigentlichen Verständnis der Zielsetzung liegen, denn dann wäre die Handlung, die zu dem Ziel führt, nicht von der zu unterscheiden, die zur Wehrlosigkeit des Gegners führt. In dem der A also das Ziel verfolgt, den B wehrlos zu machen, kann B freilich die Aussicht auf Erfolg verlieren und infolge dessen den Kampf aufgeben. A mag sich damit zufrieden geben und seinen Zweck als erreicht ansehen, darum hat er aber nichtsdestotrotz ursprünglich das Ziel verfolgt, die gegnerischen Streitkräfte zu vernichten und den Feind wehrlos zu machen.

    Betrachten wir aber konkret das Ziel, dem Gegner den Eindruck der Aussichtslosigkeit zu vermitteln, so muss das Mittel schon ein milderes, dass heißt ein leichter zu verwirklichendes sein, es muss ein kürzerer, weniger gefährlicher Weg zum Ziel sein, auf welchem das Gefecht als größte Gefahrenstelle im Krieg tendenziell gemieden, zumindest aber in der Bedeutung gemildert wird. Es mag hier unzählige Wege zum Ziel geben, das am nächsten gelegene scheint aber die Inbesitznahme von strategisch bedeutsamen Punkten zu sein, das sind z.B. besonders gedeckte Verteidigungsstellungen, Stellungen, welche Rückzugspunkte des Gegners bedrohen oder solche, welche die Vernichtung des Gegners besonders wahrscheinlich machen.

    Welche konkreten Ziele sich die Strategie hier auch immer setzt, die Entscheidung wird schließlich in der strategischen Dimension gegeben, denn die Gewalt richtet sich hier gegen den gegnerischen Feldherrn, der in Furcht und Panik versetzt werden und schließlich die Unwahrscheinlichkeit des eigenen Unternehmens feststellen soll.

  3. Ist das Ziel, den gegnerischen Erfolg unverhältnismäßig zu machen, d.h. dem Gegner die Erkenntnis zu suggerieren, dass sein möglicher Erfolg ihm mehr Anstrengungen abringen wird, als ihm der Sieg Nutzen einbringt, so richtet sich die Gewalt nicht länger gegen das Kalkül des Feldherrn, sondern konkret gegen das politische Kalkül des Krieges. Von einem Feldherrn kann nicht erwartet werden, dass er die Unverhältnismäßigkeit seines Feldzuges erkennt – er wird immer ein Mehr an Kräften von der Politik einfordern, weil dies seine Siegeswahrscheinlichkeit erhöhen würde und sein normativer Maßstab das Erfüllen des strategischen Zwecks ist. Die politischen Entscheidungsträger sollen hingegen das Ganze im Auge haben; sie müssen es sogar, weil das politische Gemeinwesen kollabiert, wenn sie ihm mehr Anstrengungen abzuringen versuchen, als es entsprechend der Motivation zum Krieg zu leisten in der Lage ist. Erkennen die politischen Entscheidungsträger also, dass der Krieg zwar theoretisch zu gewinnen ist, dies dem politischen Gemeinwesen aber mehr Anstrengungen kosten würde, als es entsprechend seiner Motive zum Krieg zu leisten bereit ist, so müssen sie die Absicht des Krieges aufgeben.

    Dabei gilt freilich ein ähnliches Prinzip wie bei den vorgenannten Kriegszielen, denn diese politische Entscheidung kann auch getroffen werden, wenn sich die Aussichtslosigkeit des Unternehmens abzeichnet. Aber auch hier gilt, dass es sich schon um ein milderes Mittel, einen kürzeren Weg zum Ziel handeln muss. Es kommen also plötzlich Unternehmungen in Betracht, die für die strategische Dimension des Krieges ohne Bedeutung sind, die also die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Durchführung späterer Waffenentscheidungen nicht erhöhen, darum aber für die gegnerische Strategie von geringer Bedeutung und somit leicht zu realisieren sind. So ist die Besetzung einer für den weiteren Feldzugsplan vollkommen bedeutungslosen Provinz zwar in Bezug auf die Aussicht auf die Wehrlosigkeit des Gegners kein Vorteil, ist aber gerade aus diesem Grunde besonders leicht zu realisieren und zeigt auf politischer Ebene eine Wirkung, weil es die allgemeinen Anstrengungen des Ganzen zum Kriege erhöht. Noch mehr ist es so mit Gewaltakten gegen Nichtstreitkräfte. Die Brandschatzung eines ungeschützten Dorfes ist z.B. in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Sieges vollkommen unbedeutend und scheint daher vollkommen sinnlos. Gleichwohl stellt es einen Schaden für das ganze politische Gemeinwesen dar, es ist als eine Anstrengung zum Krieg bzw. als ein Preis des Erfolges zu betrachten. Wir sagen zwar, dass dieses furchtbare Mittel auch sehr gefährlich ist, weil es die gegnerische Motivation, den Hass und die Feindschaft bzw. den Volksgeist überhaupt erst anregen kann, wo aber diese Wirkung nicht zu Hass, sondern zu verstärkter Furcht führt, da zeigt dieses Mittel die intendierte politische Wirkung.

    Die Gewalt richtet sich hier also gegen das politische Kalkül. Der allgemeine Schaden vernichtet das ursprüngliche politische Kalkül. Die Entscheidung fällt hier also außerhalb der eigentlichen Strategie, im Rahmen der politischen Dimension, sobald die politischen Entscheidungsträger feststellen, dass die Anstrengungen nicht mehr im Verhältnis zu den Motiven stehen oder – falls sie dies ignorieren – sobald das politische Gemeinwesen kollabiert, weil die politischen Entscheidungsträger versucht haben mehr Kräfte aufzuwenden, als das politische Gemeinwesen aufbringen konnte.

 

Dieser Zusammenhang ist von höchster Bedeutung für das Wesen des Krieges und die einzelnen Teile führen so zu einem großen Ganzen zusammen. Es finden sich also Kriege, in denen der Schwerpunkt der Handlungen auf dem Gefecht, d.h. in der taktischen Dimension, im eigentlichen Kampf zu verorten sind, es finden sich Krieg, in welchen dieser Schwerpunkt im strategischen Geschick liegt und es finden sich Kriege, in welchen der Schwerpunkt in der politischen Dimension liegt, in welchem Strategie und Taktik also nur Beiwerk sind. Dies hängt maßgeblich davon ab, welches Ziel mit dem Krieg verfolgt wird bzw. welcher strategische Zweck dem einzelnen Feldzug vorgesetzt wird. Ob dieses Ziel nun von politischen Entscheidungsträgern festgelegt oder durch den Feldherrn bestimmt wird, ist für die Theorie ohne Belang. Es kann aber gesagt werden, dass jedes dieser Ziele und somit jede daraus resultierende Gestalt des Krieges voll und ganz im Rahmen des Geistes des Krieges liegt, sofern das entsprechende Ziel richtig gewählt ist. Unter welchen Bedingungen ist aber welches Ziel zu verfolgen? Aus dem Resultat des bisher gesagt, lässt sich Folgendes evident sagen:

 

  1. Das Ziel, den Krieg für den Gegner unverhältnismäßig werden zu lassen, lässt sich sinnvollerweise nur dann verfolgen, wenn der Gegner nur schwache Motive zum Krieg hat und also ein Ungleichgewicht auf der politischen Ebene auch tatsächlich erreichbar erscheint. Dies kann grundsätzlich nur dort vorliegen, wo der Hass und die Leidenschaft sowie der unbedingte Wille zum Sieg nur begrenzt vorhanden sind. Wo diese beiden Tendenzen aber die Motive zum Krieg bestimmen oder zumindest signifikant vorhanden sind, da ist eine Unverhältnismäßigkeit des gegnerischen Erfolges nicht zu erwarten, da sich durch die Herbeiführung eines allgemeinen Schadens keine Gegengewichte zu diesen Motivationsquellen finden.

    Ferner ist dieses Ziel das einzige, welches ein Kriegsunternehmer sinnvollerweise verfolgen darf, wenn er an physischen Mitteln bei weitem unterlegen ist, wenn ihm also selber die Aussicht auf einen strategischen Erfolg nicht gegeben ist.

  2. Das Ziel, dem Gegner die Aussicht auf Erfolg zu nehmen, kann sinnvollerweise nur dann verfolgt werden, wenn der gegnerische Feldherr über geringe Talente und wenig Entschlossenheit verfügt. Der geniale Feldherr wird sich durch keine Machtdemonstrationen oder entfernte Bedrohungen verunsichern lassen, er wird seinen ursprünglichen Entschluss nicht aufgeben, er wird „bei seiner ersten Meinung [...] beharren und nicht eher [...] weichen, bis eine klare Überzeugung [ihn] dazu zwingt.“[39] Ein solcher Feldherr kann folglich nur durch eine Waffenentscheidung oder durch das Bekanntwerden von Fakten, die er zuvor nicht kannte, in seiner Überzeugung gebeugt werden. Diese Zielsetzung ist also nur dann geboten, wenn im gegnerischen Feldherrn ein Schwachpunkt identifiziert wurde, auf welchen das eigene Kalkül ausgerichtet werden kann.

    Darüber hinaus kann diese Zielsetzung nur dann verfolgt werden, wenn die Motivation des gegnerischen politischen Gemeinwesens durch den politischen Zweck und den unbedingten Willen zum Sieg beherrscht wird. Liegt hingegen eine Dominanz von Leidenschaft und Hass vor, so ist es umso unwahrscheinlicher, dass selbst im Falle der Erkenntnis der Aussichtslosigkeit der Kampf eingestellt wird, da der Hass keine Aussicht auf Erfolg benötigt, um als Handlungsmotiv Geltung zu finden.

    Ferner darf ein Feldherr kein größeres Ziel als dieses verfolgen, wenn er sich der Schwäche seiner eigenen Streitkräfte bewusst ist, wenn er also weiß, dass er eine Waffenentscheidung nicht durchstehen könnte und darum seine Hoffnung in ein niedrigeres, unsicheres Ziel setzen muss.

  3. Den Gegner wehrlos zu machen ist offenkundig das schwierigste zu verfolgende Ziel des Krieges. Daraus folgt, dass der einzige sinnvolle Grund sich dieses Ziel zu setzen derjenige sein kann, dass jedes andere Ziel nicht hinreichend ist, um dem Gegner den eigenen Willen aufzuzwingen. Dies lässt sich nur dadurch erklären, dass entweder a) das Motiv der Leidenschaft ein sehr vorherrschendes ist, denn in allen anderen Fällen müsste die fehlende Aussicht auf Erfolg bereits im Vorfeld zur Aufgabe des Willens führen oder dass b) das politische Motiv ein existentielles ist, welches dem Begriff nach nicht aufgegeben werden kann oder dass c) die Gefahr besteht, selbst vernichtet zu werden, wenn ein kleineres Ziel gesetzt wird, der Gegner aber die große Waffenentscheidung anstrebt.

    Daraus folgt ein dem Kriege immanenter innerer Widerspruch, dass nämlich ein tendenziell gleichstarker Akteur zum Verfolgen des äußersten Ziels gezwungen wird, weil ein Nichtverfolgen ihn selbst der Gefahr der Vernichtung aussetzt und dies obwohl er sich der Realisierung seines Ziels kaum sicher sein kann. Dass aber andererseits ein sehr überlegener Akteur, dem die vollständige Vernichtung ein leichtes wäre, davor zurückschreckt, weil er einfacherer Wege zum Ziel gefahrloser nutzen kann.

 

Wir sehen also insgesamt, dass die Zielsetzung des Krieges im Wesentlichen von einem Kalkül über das Verhalten und die Motivationslage des Gegners abhängt. Dabei ist es die vorrangige Aufgabe, das Hauptmotiv des Gegners zu ermitteln. Ist er hauptsächlich durch den politische Zweck motiviert, so reicht es, den Preis des Sieges in die Höhe zu treiben und den Krieg für ihn somit unzweckmäßig zu machen – gleichwohl dies bei einem existenziellen politischen Zweck auch bis hin zum Wehrlosmachen führen kann. Ist er hingegen hauptsächlich durch den unbedingten Willen zum Sieg motiviert, so reicht es, ihm die Aussicht auf Erfolg zu nehmen. Ist er aber allein durch Feindschaft und Hass motiviert, so muss er niedergeworfen werden, da alle anderen Zielstufen nicht hinreichen, um ihn zum Frieden zu zwingen. Dies muss jedoch in dialektischem Zusammenhang zu den gegnerischen Stärken betrachtet werden. Hat der Gegner besonders starke Motive zum Krieg, so wäre jeder Versuch, den Krieg für ihn unverhältnismäßig zu machen, eine Verschwendung. Ist der gegnerische Feldherr ein besonderes Genie, so braucht man nicht versuchen, mit strategischen Schachzügen die gegnerische Aussicht auf Erfolg zu schmälern. Sind die gegnerischen Streitkräfte aber von exzellenter moralischer Qualität, so sollte die Waffenentscheidung möglichst gemieden werden.

 

Es finden sich unzählige Variablen und Kombinationsmöglichkeiten in dem notwendigen Kalkül, welches zu dem zweckmäßigen Ziel des Krieges führt. Damit kommen wir letztlich an einen Punkt, an welchem schon Clausewitz gesagt hat:

 

„Hiernach müssen wir sagen, daß das Ziel, welches sich der Kriegsunternehmer setzt, die Mittel, welche er aufbietet, sich nach den ganz individuellen Zügen seiner Lage richten, daß sie aber eben den Charakter der Zeit und der allgemeinen Verhältnisse an sich tragen werden, endlich, daß sie den allgemeinen Folgerungen, welche aus der Natur des Krieges gezogen werden müssen, unterworfen bleiben.“[40]

 

Die Theorie muss hier also diffus und ohne feste Leitlinien bleiben und das entsprechende Kriegsziel individuell bestimmen. Dabei ist freilich klar, dass die verschiedenen hier betrachtetem Zielstufen nicht als absolute Größen zu verstehen sind und also nur das eine oder das andere verfolgt werden kann, sondern dass es sich um Tendenzen handelt, die mit dem einen Kriegsplan mehr, mit dem anderen weniger verfolgt werden können. Wenn sich also im wirklichen Leben Strategen finden, die Kriegsentwürfe zeichnen ohne zu wissen, welches der Ziele sie in der Hauptsache verfolgen, so widerspricht das nicht der Theorie; die Theorie sagt dazu jedoch, dass es vielleicht besser wäre, wenn sie es wüssten, damit sie sich auf das Sinnvolle konzentrieren können.

 

Aus alledem lässt sich allerdings eine bestimmte Tendenz herausfühlen, die zwar durch vielfache Faktoren abgelenkt und in andere Richtungen getrieben werden kann, die aber im Kern doch zutreffend erscheint. Je mehr die Leidenschaft auf mindestens einer Seite der Kriegsparteien vorherrschend ist, desto mehr muss der Krieg auf taktischer Ebene entschieden werden, desto mehr Bedeutung erhält das Gefecht, desto mehr muss das Ziel das Wehrlosmachen bzw. Niederwerfen des Gegners sein. Ist dies nicht der Fall, dann gilt dass je mehr der unbedingte Wille zum Sieg auf mindestens einer Seite vorherrschend ist, desto mehr muss der Krieg auf strategischer Ebene entschieden werden, desto mehr Bedeutung erhält die Anordnung der Gefechte, desto mehr muss es das Ziel des Krieges sein, den gegnerischen Sieg unwahrscheinlich zu machen. Sind aber beide Motive bei beiden Parteien nicht vorherrschend, so bleibt allein der politische Zweck übrig und das ganze Unternehmen wird zu einem reinen Nutzenkalkül. Hier reicht es, dieses Nutzenkalkül aus dem Gleichgewicht zu bringen, indem die gegnerischen, zum Kriege notwendigen Anstrengungen erhöht werden bzw. kurz, indem der gegnerische Preis des Sieges erhöht wird.

Damit glaube ich, alle bedeutsamen Schlüsse gezogen zu haben, die sich aus dem Clausewitz’schen Werk ergeben. Die abstrakte Theorie des Krieges halte ich damit für weitestgehend erschlossen. Es wurde ein umfassendes System entwickelt, in welchem einzelne Ereignisse, Erscheinungen und Handlungen eingeordnet und in Zusammenhang gesetzt werden können. Darüber hinaus konnten einige Schlussfolgerungen gezogen werden, welche dabei helfen können zweckorientiertes von sinnlosem Handeln im Krieg zu unterscheiden. Nun gilt es, in einem letzten Schritt einige kritische Schlaglichter auf die Praxis bzw. die Anforderungen moderner Konflikte zu werfen.



[1]                 Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 950.

[2]                 Clausewitz, Kriege, S. 184.

[3]                 Clausewitz, Kriege, S. 184.

[4]                 Clausewitz, Kriege, S. 191 f.

[5]           Vgl. Herdegen, Völkerrecht, S. 368 ff

[6]           Vgl. Bahners, Menschheit.

[7]           Siehe Kapitel III.2.

[8]           Siehe Kapitel II.6.

[9]           Siehe Kapitel III.2.

[10]          Siehe Kapitel II.3; II.4; II.5.

[11]               Clausewitz, Kriege, S. 212.

[12]          Siehe Kapitel III.3.

[13]          Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 212 f.

[14]          Siehe Kapitel III.4.2.

[15]          Siehe Kapitel III.4.3.

[16]          Vgl. Clausewitz, Carl von: Brief an Marie von Brühl. 5. Oktober 1807. Zitiert in: Paret, Clausewitz, S. 165.

[17]          Siehe Kapitel IV.7.

[18]          Siehe Kapitel IV.5.

[19]          Siehe Kapitel III.3; II.4.3.

[20]          Siehe Kapitel IV.2.2.

[21]          Siehe Kapitel V.6.

[22]          Vgl. Clausewitz, Kriege, S. 930 ff.

[23]               Clausewitz, Kriege, S. 229.

[24]               Clausewitz, Kriege, S. 227.

[25]               Clausewitz, Kriege, S. 226.

[26]               Clausewitz, Kriege, S. 226.

[27]               Clausewitz, Kriege, S. 227.

[28]          Siehe Kapitel V.6.

[29]               Clausewitz, Kriege, S. 250.

[30]          Siehe Kapitel VI.4.

[31]               Clausewitz, Kriege, S. 390.

[32]          Siehe Kapitel V.2.1.

[33]               Clausewitz, Kriege, S. 192.

[34]               Clausewitz, Kriege, S. 192.

[35]               Clausewitz, Kriege, S. 470.

[36]          Siehe Kapitel VI.5.

[37]          Siehe Kapitel VI.2.3.

[38]               Clausewitz, Kriege, S. 191.

[39]               Clausewitz, Kriege, S. 245.

[40]               Clausewitz, Kriege, S. 973 f.

 

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