US-Präsident Barack Obama bei der Verleihung seines Friedensnobelpreises in Oslo, 2009:

 

„I do not bring with me today a definitive solution to the problems of war. What I do know is that meeting these challenges will require the same vision, hard work, and persistence of those men and women who acted so boldly decades ago. And it will require us to think in new ways about the notions of just war and the imperatives of a just peace.

 

We must begin by acknowledging the hard truth: We will not eradicate violent conflict in our lifetimes. There will be times when nations -- acting individually or in concert -- will find the use of force not only necessary but morally justified.

 

I make this statement mindful of what Martin Luther King Jr. said in this same ceremony years ago: "Violence never brings permanent peace. It solves no social problem: it merely creates new and more complicated ones." As someone who stands here as a direct consequence of Dr. King's life work, I am living testimony to the moral force of non-violence. I know there's nothing weak -- nothing passive -- nothing naïve -- in the creed and lives of Gandhi and King.

 

But as a head of state sworn to protect and defend my nation, I cannot be guided by their examples alone. I face the world as it is, and cannot stand idle in the face of threats to the American people. For make no mistake: Evil does exist in the world. A non-violent movement could not have halted Hitler's armies. Negotiations cannot convince al Qaeda's leaders to lay down their arms. To say that force may sometimes be necessary is not a call to cynicism -- it is a recognition of history; the imperfections of man and the limits of reason.”[1]

 



[1]                 Obama, Remarks.

 

 

 

 Am Anfang dieser Arbeit stand eine Frage. Ich hatte gerade einen Vortrag über meine Diplomarbeit „Jeder Krieg ist anders. Jeder Krieg ist gleich – Eine Analyse des Kriegsbegriffes bei Carl von Clausewitz[1] gehalten, da fragte mich ein Zuhörer, inwiefern sich der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr unter den Clausewitz’schen Kriegsbegriff subsumieren ließe. Zu dieser Zeit war der Begriff Krieg in diesem Zusammenhang noch viel weniger gebräuchlich und man sprach einhellig von einer Friedens- bzw. Stabilisierungsmission. Nur diejenigen, die aus pazifistischen Gründen gegen das militärische Engagement am Hindukusch eingestellt waren, nutzten das Wort Krieg zu dessen Diffamierung. Nach kurzer Überlegung antwortete ich entschieden, dass der Einsatz in Afghanistan für die Clausewitz’sche Theorie überhaupt kein Krieg sein könne. Wem sollte dort ein Wille aufgezwungen werden? Und überhaupt: Im Krieg sei die Gewalt das Mittel der Wahl, in Afghanistan hingegen sei die Anwendung der Gewalt für die Bundeswehr nur ein letztes Hilfsmittel, um sich selbst oder Dritte vor illegalen An- und Übergriffen zu verteidigen. Es gäbe also höchstens einige kriegerische Elemente innerhalb des Gesamtkomplexes.

 

Der Fragesteller nickte zustimmend und schien durch meine Antwort hinreichend befriedigt zu sein. Ich war es jedoch nicht und ein Korn des Zweifels war gesät. Die schlichte Negation eines Zusammenhangs schien mir zu einfach zu sein. „Wo aber Streitkräfte, das ist bewaffnete Menschen angewendet werden, da muß notwendig die Vorstellung des Kampfes zum Grunde liegen[2], hatte Clausewitz in seinem Hauptwerk „Vom Kriege“[3] geschrieben. Je länger ich über diesen Satz nachdachte, desto schlüssiger und allgemeingültiger schien er zu werden. In Afghanistan wurden und werden Streitkräfte eingesetzt. Muss dann nicht auch die Vorstellung des Kampfes diesem Einsatz mehr oder weniger zu Grunde liegen? War es vielleicht so, dass die Clausewitz’schen Grundgedanken in Afghanistan mehr zum Tragen kamen, als man es sich diesseits eingestehen wollte, weil man doch friedliche Absichten hatte und keineswegs Krieg führen wollte?

Die Idee war geboren, eine wissenschaftliche Arbeit über den Zusammenhang zwischen der Clausewitz’schen Theorie und dem empirischen Fall des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr zu verfassen. Es begann eine Phase, in der ich mich intensiv mit der Geschichte und den politischen Zusammenhängen in Afghanistan auseinandersetzte. Im Ergebnis standen mehr Fragen als Antworten, da die Lage in Afghanistan derart komplex und vielschichtig ist, gleichsam aber die Informationen darüber undurchsichtig und zum Teil widersprüchlich erscheinen. Eine empirische Arbeit, die den Gesamtkomplex notwendigerweise auf überschaubare Wirkungspunkte zurückführen muss, war folglich in weitere Ferne gerückt. Zudem stellte sich mir der gegenwärtige Forschungsstand zur Clausewitz’schen Theorie als nicht hinreichend dar, um mit ihm eine allein empirische Arbeit zu verfassen. Es wurde immer deutlicher, dass noch viele theoretisch abstrakte Zusammenhänge in diesem Gebiet erschlossen werden mussten, bevor dies als eine tatsächlich empirisch belastbare Theorie erscheinen konnte.



[1]                 Lütsch, Krieg.

[2]                 Clausewitz, Kriege, S. 222.

[3]                 Clausewitz, Kriege.

0
0
0
s2sdefault